‚Das Abschiedsdinner‘ feiert Premiere im Theater am Glacis
Wer auf der Suche nach kurzweiliger, absolut köstlicher Unterhaltung ist, dem kann man „Das Abschiedsdinner“ im Theater am Glacis, eine Komödie der Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière, wärmstens empfehlen.
Pierre und seine Frau Clotilde haben genug von Freundschaften, die ihnen vor allem Zeit rauben. Statt den Kontakt einfach einschlafen zu lassen oder ein unangenehmes Gespräch zu führen, entscheiden sie sich für eine ungewöhnliche Lösung: Sie wollen sich mit einem perfekt inszenierten letzten Abendessen von alten Freunden verabschieden – ohne dass diese davon wissen. Ihre sozialen Kontakte wollen sie nach Nutzen und Zeitaufwand sortieren. Als Erster soll der langjährige Freund Antoine auf diese Weise „verabschiedet“ werden. Antoine durchschaut allerdings den Hintergrund der Einladung und kämpft um eine Freundschaft, die für ihn offenbar noch große Bedeutung hat. Aus dem stilvollen Abendessen wird ein turbulenter Schlagabtausch, der für viele Lacher im Publikum sorgt.
Olaf Danner als Pierre und Ralf Lichtenberg als Antoine liefern eine zwerchfellstrapazierende Show. Beide überzeugen mit ihrem komödiantischen Können und zeigen zum größten Vergnügen des Publikums, wie herrlich komisch sie sein können. Währenddessen zieht sich Viktoria Voss als Clotilde wunderbar abgehoben in den Hintergrund zurück, als hätte die Auseinandersetzung um den Wert einer Freundschaft nichts mit ihr zu tun und ginge sie daher auch nichts an.
In der Komödie geht es allerdings um weit mehr als köstliche Unterhaltung. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Wert einer Freundschaft. Denn Freundschaften müssen gepflegt werden, und das kostet selbstverständlich Zeit. Pierre rechnet seiner Frau vor, dass ihre Freunde 35 Prozent ihrer Abende beanspruchen. Neben all den anderen Verpflichtungen bleibt so nur wenig Zeit für die Zweisamkeit.
Auch Freundschaften verändern sich im Laufe des Lebens. Deshalb stellt sich die Frage, ob man seine Zeit noch aus Überzeugung mit bestimmten Freunden verbringt oder nur noch aus Verpflichtung. Was aber, wenn eine Freundschaft keine Bereicherung mehr ist, sondern nur noch eine Pflicht? Allerdings setzt man sich selten zusammen, um genau das offen auszusprechen. So bietet der Abend nicht nur wunderbare Situationskomik, sondern regt auch zum Nachdenken über Ehrlichkeit, Loyalität und die Angst vor unangenehmen Gesprächen an.
Den beiden Autoren, die vielen bereits durch ihre Komödie „Der Vorname“ bekannt sind, gelingt der Spagat zwischen bester Unterhaltung und gesellschaftlicher Reflexion.
Die erste Premiere in der Ausweichspielstätte überzeugte durch das gewohnt hervorragende Können unseres Schauspielensembles und die tolle Inszenierung. An das Ambiente muss man sich erst noch gewöhnen. Doch so unterhaltsame Abende machen einem das leicht. Daher eine absolute Empfehlung: unbedingt hingehen! (Ha-Ga)
Bild: Ina Wobker
