Technisches Rathaus: Millionen-Sanierung sorgt für Diskussionen

Die geplante Sanierung des Technischen Rathauses in Ingolstadt sorgt erneut für Diskussionen. In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt und Nachhaltigkeit am Donnerstag war von Investitionskosten in der Größenordnung von 27 Millionen Euro die Rede – ohne Zinsen und langfristige Instandhaltungskosten. Die Stadtverwaltung hat weitere Einsparmöglichkeiten erarbeitet, doch nicht alle Vorschläge stoßen bei den Stadträten auf Zustimmung. Besonders der geplante Verzicht auf eine öffentliche Toilette und einen barrierefreien Haupteingang sorgt für Kritik. Auch die Frage, welche Auswirkungen die Finanzierung angesichts der angespannten Haushaltslage auf andere städtische Bauprojekte haben könnte, bleibt offen. Eine Entscheidung fiel zunächst nicht.

Das Technische Rathaus an der Spitalstraße ist inzwischen von den Mitarbeitern geräumt. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren weist erhebliche bauliche Mängel auf. Insbesondere Teile der Decken und des Dachstuhls sind nicht mehr standsicher. Auch die Elektroinstallationen, Heizungsleitungen und weitere technische Anlagen müssen erneuert werden. Allein die statische Ertüchtigung der Decken soll rund 2,9 Millionen Euro kosten, die Erneuerung der Elektroanlagen weitere 2,3 Millionen Euro. Für das Dach sind etwa 1,6 Millionen Euro vorgesehen.

Seit mehr als zehn Jahren steht vor dem Gebäude ein Schutzgerüst, weil sich marode Dachziegel lösen können. Baureferent Matthias Franz erläuterte im Ausschuss, dass die Stadt nach einer erneuten Prüfung des Projekts weitere Einsparmöglichkeiten gefunden habe. Allerdings hat die Verzögerung auch ihren Preis: Allein durch gestiegene Baupreise seien inzwischen rund eine Million Euro Mehrkosten entstanden.

Wo die Stadt sparen will

Das größte Einsparpotenzial sieht die Verwaltung beim Verzicht auf den ursprünglich vorgesehenen energetischen Effizienzhaus-70-Standard. Dadurch könnten rund 1,15 Millionen Euro eingespart werden. Weitere Einsparungen sollen eine reduzierte Gebäudeleittechnik mit mehr als 400.000 Euro sowie der Verzicht auf einen neuen automatischen Sonnenschutz mit 240.000 Euro bringen.

Auch beim barrierefreien Zugang will die Verwaltung sparen. Der Haupteingang an der Spitalstraße soll nicht entsprechend umgebaut werden. Menschen im Rollstuhl müssten das Gebäude weiterhin über den Hintereingang betreten. Die Ersparnis läge bei 161.000 Euro.

Darüber hinaus schlägt die Verwaltung vor, auf die öffentliche Toilette im Erdgeschoss, eine zusätzliche barrierefreie Toilette und Mitarbeiterduschen zu verzichten. Auch bei Beleuchtung, Lüftung und Ausstattung sind Einsparungen vorgesehen.

Nicht jede mögliche Kürzung hält die Verwaltung allerdings für wirtschaftlich. Würde das vierte Obergeschoss künftig nicht mehr genutzt, ließen sich zwar 1,6 Millionen Euro sparen, gleichzeitig gingen aber 78 Arbeitsplätze verloren. Deshalb empfiehlt die Verwaltung, diese Fläche weiterhin zu nutzen.

Kritik: „Da wird am Bürger gespart“

Besonders der geplante Wegfall der öffentlichen Toilette stieß in der Diskussion auf Widerstand. Stadtrat Dr. Sebastian Knott kritisierte, dass die Verwaltung an Teeküchen für die Mitarbeiter festhalten wolle, während die Bürger künftig andere öffentliche Toiletten aufsuchen müssten.

„Das heißt, wir sitzen in der Teeküche gemütlich und der Bürger soll woanders aufs Klo gehen“, sagte Knott. Sein Fazit: „Da wird am Bürger gespart und das halte ich in diesem Zusammenhang für falsch.“

Auch Stadträtin Caroline Klapper sprach sich dafür aus, die öffentliche Toilette und den Haupteingang barrierefrei zu gestalten. Gerade für Menschen im Rollstuhl seien längere Wege um das Gebäude beschwerlich. Zudem stellte sie infrage, ob bei künftig rund 400 Arbeitsplätzen eine einzige barrierefreie Toilette ausreiche.

Stadträtin Veronika Peters verteidigte dagegen die Teeküchen als wichtige Treffpunkte für den informellen Austausch zwischen Mitarbeitern. Baureferent Franz erklärte, dass die Teeküchen auch deshalb benötigt würden, weil die bisherigen Waschbecken in den Büros vollständig entfallen sollen. Stattdessen brachte er ins Gespräch, die bisherige Cafeteria möglicherweise in zusätzliche Büroräume umzuwandeln.

Wie sicher sind die Kosten?

Neben den Einsparmaßnahmen beschäftigte die Stadträte vor allem die Frage, ob die veranschlagten Kosten eingehalten werden können. Stadtrat Quirin Witty verwies auf die schwierige Haushaltslage und wollte wissen, welche finanziellen Risiken bei der Sanierung des alten Gebäudes bestehen.

Franz erklärte, dass bereits rund zwei Millionen Euro netto als Risikokosten eingeplant seien. Dennoch könne es bei Bauprojekten immer Überraschungen geben. „Aber bauen bleibt ein Risikogeschäft“, räumte er ein. Bei der derzeitigen Planungsphase sei eine Schwankungsbreite von etwa 20 Prozent üblich. Er gehe davon aus, innerhalb dieses Rahmens bleiben zu können.

Dr. Knott und Stadtrat Ulrich Bannert erinnerten an Kostensteigerungen bei anderen städtischen Bauprojekten und äußerten Zweifel an der Verlässlichkeit der Schätzung. Bannert hielt deutlich höhere Kosten für möglich.

Eine weitere offene Frage betrifft die Finanzierung. Witty wollte wissen, ob die Sanierung Auswirkungen auf andere Vorhaben haben könnte, insbesondere auf dringend notwendige Schulbauprojekte. Eine konkrete Antwort gab es dazu nicht. Der Punkt soll im Finanzausschuss geklärt werden.

Auch Stadtrat Stefan Huber sprach die Vielzahl großer Bauvorhaben an. Er regte an, klare Prioritäten zu setzen, damit die Stadt ihre personellen und finanziellen Kräfte nicht auf zu viele Projekte gleichzeitig verteilt. Andernfalls drohten durch Verzögerungen weitere Kostensteigerungen.

Sanierung langfristig günstiger als Anmietung?

Die Verwaltung stellte auch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. Demnach würde die Sanierung einschließlich Finanzierung und Instandhaltung über einen Zeitraum von 50 Jahren rund 65,5 Millionen Euro kosten. Eine vergleichbare Anmietung von Büroflächen würde nach den zugrunde gelegten Annahmen mit etwa 116 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die Berechnung berücksichtigt unter anderem Finanzierungskosten von rund vier Prozent und jährliche Mietsteigerungen von drei Prozent. Es handelt sich damit um eine langfristige Modellrechnung, deren Ergebnis von der tatsächlichen Entwicklung der Kosten abhängt.

Künftig soll das Technische Rathaus deutlich mehr Mitarbeiter aufnehmen als bisher. Zusätzlich zu den bisherigen Dienststellen ist der Einzug des Amtes für Gebäudemanagement mit derzeit rund 45 Mitarbeitern vorgesehen. Durch eine dichtere Belegung, Homeoffice und Desksharing könnten insgesamt rund 400 Menschen im Gebäude arbeiten.

Franz machte allerdings deutlich, dass diese Verdichtung an Grenzen stoße. Sie funktioniere nur, wenn die Mitarbeiter auch künftig die bestehenden Homeoffice-Möglichkeiten nutzen. Gleichzeitig könne die Stadt durch die Unterbringung eigener Dienststellen externe Mietflächen aufgeben.

Streit um energetische Sanierung und Tiefgarage

Nachfragen gab es auch zum geplanten Verzicht auf den Effizienzhaus-70-Standard. Stadträtin Nathalie Argus wollte wissen, ob sich die zusätzlichen Investitionen angesichts einer jahrzehntelangen Nutzung und möglicherweise steigender Energiepreise nicht doch rechnen würden.

Franz räumte ein, dass die energetischen Maßnahmen langfristig wirtschaftlich sein könnten. Die Verwaltung habe bei ihrem Einsparvorschlag zunächst die Investitionskosten betrachtet. Für den höheren Standard wären unter anderem eine aufwendige Innendämmung, Veränderungen an den Fenstern und neue Heizkörper erforderlich.

Ein weiterer Kostenblock bleibt vorerst außen vor: die Tiefgarage. Ihre Sanierung würde nach Angaben des Baureferenten rund 3,5 Millionen Euro kosten. Obwohl baulicher Handlungsbedarf besteht, empfiehlt die Verwaltung, die Arbeiten zunächst zurückzustellen. Bei den derzeitigen Stellplatzerlösen sei die Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar. Sollten künftige Prüfungen einen dringenden Handlungsbedarf ergeben, müsste sich der Stadtrat erneut damit beschäftigen.

Wann verschwindet endlich das Gerüst?

Neben den finanziellen Fragen ging es auch um das Erscheinungsbild der Innenstadt. Stadtrat Karl Ettinger kritisierte, dass das Technische Rathaus seit vielen Jahren eingerüstet sei und dieser Zustand bei den Bürgern zunehmend für Verärgerung sorge.

Auch Oberbürgermeister Dr. Michael Kern machte deutlich, dass ihn das Gerüst seit Jahren nerve. Dessen Verschwinden wäre aus seiner Sicht ein erwünschter Effekt der Sanierung. Zugleich betonte Kern, dass die Stadt eine wirtschaftlich vernünftige Lösung finden müsse.

Eine Entscheidung über die Sanierung und die vorgeschlagenen Einsparungen traf der Ausschuss noch nicht. Mehrere Stadträte bemängelten, dass die umfangreichen Unterlagen erst sehr kurzfristig vorlagen und eine ausreichende Beratung in den Fraktionen nicht möglich gewesen sei.

Das Thema geht deshalb zunächst zurück in die Fraktionen. Anschließend sollen sich der Finanzausschuss und der Stadtrat damit befassen. Bis dahin bleiben vor allem die Finanzierung, mögliche Kostensteigerungen und die umstrittenen Einsparungen offen.

Artikel teilen

Lesen Sie auch

Mehr zu