Hofmann erklärt, wie er die CSU-Fraktion führen und wichtige Projekte für Ingolstadt voranbringen will
IN-direkt: Herr Hofmann, Sie sind beruflich Offizier der Bundeswehr. In der Politik sind Sie Fraktionsvorsitzender der Ingolstädter CSU. Sowohl als Soldat als auch als Politiker müssen Sie führen. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie beim Führen in der Armee und in der Politik festgestellt?
Hofmann: Führung bedeutet für mich grundsätzlich, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Veränderungen dort anzustoßen, wo sie notwendig sind. Das Ganze funktioniert nur, wenn man die beteiligten Personen einbindet. Das gegenseitige Vertrauen in beide Richtungen ist hierbei eine Grundvoraussetzung. Bis hier würde ich sagen, ist es sowohl beim Militär als auch in der Politik gleich. Während das Militär jedoch stärker von hierarchischen Strukturen gekennzeichnet ist, ist es in der Politik eher der verstärkte Dialog. Als Fraktionsvorsitzender ist es meine Aufgabe, die Meinungsbildung der Fraktion zu forcieren und dann die Meinung der Fraktion geschlossen zu vertreten. Hierfür habe ich das Vertrauen bekommen, worauf ich auch sehr stolz bin. Daran muss ich mich auch messen lassen.
Man sagt der Ingolstadt CSU-Fraktion nach, dass es in ihr zwei bis drei unterschiedliche politische Strömungen gäbe. Das muss ja kein Nachteil sein. Würden Sie sich eher zum liberalen Flügel oder zur konservativen Strömung zählen?
Hofmann: Ich bin grundsätzlich kein Freund von Trennung nach Lagern oder Strömungen, weil dies den Eindruck einer Spaltung oder Uneinigkeit vermitteln würde – und das sehe ich tatsächlich nicht. Aus meiner Sicht gibt es in der Fraktion Mitglieder, die bei verschiedenen Themen unterschiedliche Herangehensweisen und Schwerpunkte haben. Das ist auch gut so, weil so die Diskussion gestärkt wird und dadurch unterschiedlichste Blickwinkel berücksichtigt werden. Genau das ist es doch, was man von der Politik erwartet – dass man sich mit den Themen intensiv auseinandersetzt und dann eine abgewogene Entscheidung trifft. Hierfür sind die Fraktionssitzungen da – Themen werden besprochen, sachlich diskutiert und dann findet man einen gemeinsamen Konsens. Hier sehe ich auch besonders meine Aufgabe als Fraktionsvorsitzender: Alle Meinungen anzuhören, aufzunehmen und dann am Ende einer Diskussion einen Beschlussvorschlag zu machen, über den entsprechend abgestimmt wird. Ich halte es für wichtig, dass jeder frei seine Meinung äußern kann und diese auch gehört wird – das führt nicht nur zu einer fundierten Entscheidungsfindung, sondern auch zu Akzeptanz und einem vereinten Auftreten. Diesem Gesamtansatz folgend möchte ich auch nicht in eine Schublade gesteckt werden. Natürlich vertrete ich als Fraktionsvorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion konservative Werte, aber ich treffe meine Entscheidungen abhängig vom jeweiligen Thema sachorientiert und nicht nach vorgegebenen Denkmustern.
Wer gehört in der jetzigen oder in früheren CSU-Fraktionen zu Ihren Vorbildern?
Hofmann: In der aktuellen Fraktion, aber auch in den ehemaligen Fraktionen, gibt es einige Mitglieder, vor denen ich auf Gund ihrer Erfahrung Respekt habe. Allerdings bin ich auch ein Mensch, der nicht anderen Personen nacheifern, sondern seinen eigenen Weg gehen möchte. Mein Anspruch an mich ist, dass ich als jemand wahrgenommen werde, der sein Bestes für die Bürgerinnen und Bürger gibt und als aufrichtiger und selbstständiger Politiker wahrgenommen wird. Verlässlichkeit und zu dem Stehen, was man sagt, sind für mich hier essenzielle Grundsätze. Nennen Sie bitte drei persönliche politische Ziele oder Projekte, die Sie in der laufenden Stadtratsperiode erreichen bzw. verwirklichen möchten.
Hofmann: Mein übergeordnetes Ziel ist, dass die CSU-Fraktion in der Öffentlichkeit als politische Kraft wahrgenommen wird, die zu Wohle der Stadt handelt. Einer meiner Schwerpunkte ist dabei aktiv an der Verringerung des Haushaltsdefizits beizutragen. Das beinhaltet jedoch nicht nur Sparmaßnahmen, sondern auch eine aktive und starke Wirtschaftsförderung – da ich wirklich der Überzeugung bin, dass eine starke Wirtschaftsförderung die beste Sozialpolitik ist. Weitere Bereiche, die in den nächsten Jahren unsere volle Aufmerksamkeit benötigen sind die Gesundheitsversorgung sowie das Thema Bildung, Familie und Kultur. Klinikum, Pflege, Schulbauten, Sicherstellung der Kinderbetreuung oder auch eine Lösung für den Festsaal sind hierbei nur exemplarisch zu nennen und keinesfalls vollständig. Für alles bedarf es kreativer Lösungen – immer in dem Bewusstsein, dass die finanziellen Möglichkeiten der Stadt stark limitiert sind.
Die CSU verfügt im Stadtrat über keine eigene Mehrheit. Mit welchen politischen Mitbewerbern, glauben Sie, können Sie Mehrheiten für die genannten Ziele/Projekte erreichen?
Hofmann: Da es im Stadtrat keine Koalitionen gibt, muss man für jedes Thema um Mehrheiten werben. Hierbei spreche ich mit allen demokratischen Parteien. Für mich steht dabei die Sache im Vordergrund. Auch wenn man politisch nicht immer derselben Meinung ist, läuft die Zusammenarbeit sehr vertrauensvoll und auf Augenhöhe.
Ingolstadt muss angesichts knapper Finanzen sparen. Welche Projekte, die in der Vergangenheit geplant wurden, müssen nach Ihrer Meinung gekippt werden?
Hofmann: Ich glaube, dass wir uns vor allem von Goldrandlösungen verabschieden müssen. Teure Generalsanierungen, wie sie beispielsweise für das Stadttheater lange diskutiert wurden, werden wir uns auf absehbare Zeit vermutlich nicht leisten können. Hier braucht es kreative Ansätze. Beispielhalber sei hier der Ansatz unseres Bürgermeisters Franz Wöhrl zur Erhaltung des Festsaals, der schon seit langem auch durch die CSU-Fraktion so forciert wurde, genannt. Insgesamt bin ich der Überzeugung, dass wir nach einem Dreiklang priorisieren und dies auch offen kommunizieren müssen: Was muss die Stadt leisten? Was soll sie leisten? Und was können wir uns möglicherweise nicht mehr leisten?
Bundespolitisch waren die letzten Landtagswahlen für die CDU ein Desaster. Auch die CSU hatte schon bessere Wahlergebnisse in Bayern, als dies bei den letzten Landtagswahlen der Fall war. Was müssen CDU und CSU nach Ihrer Meinung den Bürgern verständlich machen, damit sie das Vertrauen einer breiteren Mehrheit zurückgewinnen? Wie müssten diese Parteien ihr Profil schärfen?
Hofmann: Ich glaube, dass es wichtig ist, in der Politik seine Glaubwürdigkeit zu behalten. Das bedeutet zum einen, nichts zu versprechen, was man nicht halten kann, und zum anderen, Politik zu machen, die die Lebensrealität der Menschen berücksichtigt. Die Leute müssen sich mitgenommen fühlen. Das bedeutet nicht, den Leuten nach dem Mund zu reden, um dadurch besser dazustehen, sondern auch aufrichtig zu unangenehmen Entscheidungen zu stehen. Wir dürfen keine Angst haben Themen anzusprechen, die aus unserer Sicht wichtig sind, nur weil man dann vielleicht in eine Ecke gestellt wird. Den Menschen muss klar sein, wofür die Parteien stehen – nur so schafft man es auch, die Menschen zu erreichen.(hk)
