Wer die Verantwortung trägt

Kommentar von Hermann Käbisch

Am 24. Oktober 2013 gab die SPD-Fraktion ihren Widerstand auf. In der Stadtratssitzung an diesem Tage erklärte Manfred Schuhmann namens der SPD-Fraktion, dass die Genossen mangels Mehrheit im Stadtrat nicht mehr gegen die Pläne von CSU und Freien Wählern stimmen würden, die Ausstellungsräume für das Museum für Konkrete Kunst und Design auf dem Gießereigelände unterirdisch und nicht in der eigentlichen Gießereihalle zu errichten.

Was war geschehen? Im Jahre 2013 stellte die CSU mit Alfred Lehmann den Oberbürgermeister und mit Albert Wittmann den “Finanzbürgermeister”. Dazu gesellte sich als Dritter Bürgermeister Sepp Mißlbeck von den Freien Wählern. Mit 23 CSU-Stadträten und 8 Stadträten der Freien Wähler verfügte diese “Rathauskoalition” über eine komfortable Mehrheit (Stadtrat hat 50 Sitze). Beim Bau des neuen Museums für Konkrete Kunst und Design auf dem Gießereigelände wollte diese Koalition, dass nicht der Entwurf der Sieger des Architektenwettbewerbs, sondern vielmehr die Pläne der Drittplatzierten realisiert werden: Die Ausstellungsräume sollten  – im Gegensatz zum Entwurf der Wettbewerbssieger – im Untergrund gebaut werden.

Genauer: Im Januar 2012 hatte eine Jury entschieden, wie das Museum für Konkrete Kunst und Design in der historischen Gießereihalle untergebracht werden sollte. Es gab zwei erste Preise. Diese gingen an Stanton Williams Architects (London) und DFZ Architekten Dinse Feest Zurl (Hamburg). Beide Entwürfe sahen die Verwendung der alten Gießereihalle (unter gleichzeitiger Erweiterung bzw. “Überformung”) für die Ausstellungsräume vor.

Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben, wohl aber ein dritter Preis. Diesen erhielt Querkraft Architekten (Wien). Dieses Büro plante die “Unterkellerung” der historischen Gießereihalle. In der alten Halle selbst sollte (und soll) ein offenes Forum für die Stadtgesellschaft entstehen – unter der historischen Halle ein großer und moderner Neubau für die eigentlichen Ausstellungsflächen. Ein sicherlich faszinierendes Konzept mit großem Anspruch.

Der Haken an der Sache: Die nahe Donau mit ihrem (Hoch- und Grund-) Wasser sowie der von geschichtlichen Bauten (altes Festungsgelände) reichlich durchsetzte Untergrund. Beides könnte, so befürchteten die Sozialdemokraten damals, die Kosten in die Höhe treiben. Die Genossen wollten daher den insoweit unproblematischeren Entwurf der Hamburger Architekten realisieren.

Dem hielten CSU/FW damals entgegen, dass angeblich nur beim Querkraft-Konzept die (aus heutiger Sicht wenig bedeutsamen) Zuschüsse des Freistaates Bayern (Landesamt für Denkmalpflege) sicher seien – obwohl die Jury gerade beim Entwurf der Hamburger die Planung als „zukunftsweisenden Denkmalschutz” bezeichnet hatte.

Die CSU/FW-Mehrheit hatte wohl das international bekannte Städel Museum in Frankfurt mit seiner spektakulären unterirdischen Ausstellungsfläche von 3.000 Quadratmetern vor Augen; in dieser Liga wollte man mitspielen.

Das Ergebnis ist bekannt: Über 60 Millionen kostet der Museumsbau; geplant waren bei der Projektgenehmigung 25,3 Millionen. Aber CSU (mit Albert Wittmann an der Spitze) und Freie Wähler nehmen nach wie vor für sich in Anspruch, mit Geld besonders gut umgehen zu können. Das Museum wird im “Schwarzbuch” des Bundes der Steuerzahler als besonders krasses Beispiel für Geldverschwendung genannt.

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