Eine besonders spannende und zugleich menschlich berührende Geschichte wählte Sonja Walter für die erste Veranstaltung der Reihe „Literatur und Jazz“ im Theater am Glacis: ein Kapitel aus T. C. Boyles Ein Freund der Erde, in dem es um Ty Tierwaters Tochter Sierra geht.
Ty liebt seine Tochter sehr. Doch sein radikales Umweltengagement, bei dem er immer wieder die Grenzen des Gesetzes überschreitet und deshalb mehr Zeit im Gefängnis als in Freiheit verbringt, prägt auch Sierras Kindheit und Entwicklung. Sie wächst in einer Welt auf, in der Protest, Gesetzesbruch und persönliche Opferbereitschaft zum Alltag gehören. Schließlich übernimmt sie selbst den radikalen Kampf für die Natur: Um gegen die Abholzung zu protestieren, besetzt sie einen riesigen Redwoodbaum, auf dem sie drei Jahre lang ausharrt. Dabei trotzt sie nicht nur Sturm, Regen und Kälte, sondern auch den immer wiederkehrenden – teilweise widerlichen – Versuchen, sie zum Aufgeben zu bewegen.
Ihr Vater bewundert ihre Stärke, ihren Mut und ihre Ausdauer. Doch neben dem Stolz auf seine Tochter ist in seinen Schilderungen auch die große Sorge um ihr Leben spürbar. Als Sierra schließlich auf tragische Weise ums Leben kommt, wird aus dem bewunderten Durchhaltewillen ein unwiederbringlicher Verlust.
Gebannt folgte das Publikum der Geschichte, deren besondere Eindringlichkeit aus der Verbindung von radikalem Umweltengagement und zutiefst menschlichen Gefühlen entsteht – von der Liebe und dem Stolz eines Vaters bis hin zur Angst um seine Tochter und dem Schmerz über ihren tragischen Tod, die vom Richard Putzinger sehr anschaulich und erlebbar vorgelesen wurde.
Für den passenden musikalischen Rahmen sorgten Joe Finger und sein Trio mit bestem Jazz-Sound.
Was könnte man einen regnerischen Sonntag besser beginnen? (Ha-Ga)














