Brustkrebs verändert mehr als nur den Körper
Die Nachricht war ein Schock und traf Renate unvorbereitet: Brustkrebs. Was als Routinevorsorgeuntersuchung gedacht war, stellte ihre Welt in diesem Augenblick auf den Kopf und zog ihr den Boden unter den Füßen weg. Brustkrebs – eine Erkrankung, die sie allenfalls im Zusammenhang mit den Aktionen der Rosa Schleife wahrnahm. Alljährlich im Oktober dominiert in Deutschland die Farbe Pink: Die rosa Schleife soll Aufmerksamkeit für Brustkrebs wecken und steht als Symbol für Solidarität und Hoffnung.
Aber Renate fragte sich: Hoffnung worauf? Dass der Krebs geheilt wird? Die Botschaft der Rosa Schleife soll Hoffnung verbreiten, dass Frauen mit Brustkrebs kämpfen, stark bleiben und am Ende gewinnen. Aber manchmal hat Renate einfach nur Angst. Natürlich hoffte sie auf Heilung, und zwar sehr. Doch das war nicht ihre einzige Sorge. Mindestens genauso beschäftigte sie der Gedanke: Was wird mit ihrer Brust geschehen?
Angriff auf die Weiblichkeit
Denn Brustkrebs ist mehr als eine sehr ernsthafte Krankheit. Er kann auch einen Angriff auf die äußerliche Weiblichkeit bedeuten. Für Außenstehende mag dieser Gedanke vielleicht unverständlich oder gar oberflächlich wirken, aber für Renate ging es um weit mehr als um ihr Aussehen. Ihre Brust war Teil ihrer Weiblichkeit, ihres Körpergefühls und ihrer Identität. Denn weibliche Schönheit wird in unserer Gesellschaft noch immer stark über den Körper definiert. Die Brust steht dabei wie kaum ein anderes Körpermerkmal für Weiblichkeit und Attraktivität. Die Angst, sie durch eine Operation zu verlieren oder dauerhaft verändert zu sehen, berührt deshalb auch die Frage: Wie werde ich mich danach als Frau fühlen?
Die Zeiten, in denen bei Brustkrebs radikal die gesamte Brust entfernt wurde – teilweise sogar mit einem Teil des Brustmuskels –, sind in vielen Fällen vorbei. Heute wird, wenn medizinisch möglich, brusterhaltend operiert. Doch auch wenn die Brust erhalten bleibt, können sichtbare Narben zurückbleiben oder sich ihre Form verändern. Trotz aller Bemühungen um einen möglichst unauffälligen Eingriff lässt sich das nicht immer vermeiden.
Mit der Operation ist es noch lange nicht vorbei
Renate hatte Glück: Der Tumor konnte brusterhaltend entfernt werden, ohne dass sich ihre Brust äußerlich gravierend veränderte. Damit war der erste Schritt geschafft. Doch die Behandlung war damit noch nicht abgeschlossen. Nach einer brusterhaltenden Operation folgt in der Regel eine Bestrahlung der betroffenen Brust. Ob zusätzlich eine Chemotherapie oder eine andere medikamentöse Behandlung notwendig ist, hängt vom individuellen Befund ab.
Vor einer Chemotherapie hatte Renate besonders große Angst. Sie wusste, wie belastend diese sein kann und dass dabei nicht selten die Haare ausfallen. Eine Freundin gab ihr den Tipp, sich vorsorglich eine Perücke anfertigen zu lassen, falls eine Chemotherapie tatsächlich notwendig werden sollte. In ihrem Fall würde die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen.
Doch auch auf eine mögliche Bestrahlung wollte Renate sich vorbereiten. Was darf sie während der Behandlung essen? Muss sie auf bestimmte Lebensmittel verzichten? Und wie kann sie ihre Haut nach der Bestrahlung pflegen? Fragen, die zeigen, dass eine Krebstherapie nicht nur aus der eigentlichen Behandlung besteht. Auch der Alltag verändert sich und verlangt von den Betroffenen, sich auf vieles neu einzustellen.
Nicht allein mit der Krankheit
Man könnte meinen, nach all den erfolgreichen Schritten ist der Krebs besiegt und alles wieder gut. Doch damit ist die Behandlung bei weitem noch nicht zu Ende. Die Therapie hat ihren Tribut gefordert: Man fühlt sich ausgelaugt und erschöpft. Zudem ist es häufig notwendig, über Jahre eine medikamentöse Begleittherapie zu absolvieren. Die regelmäßigen Routinekontrollen sind immer wieder mit der bangen Frage verbunden, ob der Sieg über die Krankheit weiterhin anhält.
Doch Renate muss diesen Weg nicht allein gehen. Im Klinikum Ingolstadt gibt es mit dem „Café Lebensfreude“ ein Angebot des BrustZentrums, bei dem sich Brustkrebserkrankte regelmäßig treffen, Erfahrungen austauschen und fachliche Informationen erhalten. Denn manchmal hilft es schon, Menschen zu begegnen, die wissen, wovon man spricht, ohne dass man viele Worte machen muss. (Ha-Ga)
Café Lebensfreude, Klinikum Ingolstadt
Ansprechpartnerin:
Johanna Koppold
Breast Care Nurse
Tel:0841/8803400
Foto: Klinikum Ingolstadt
