Ich mag die Ingolstädter Altstadt. Gerade an warmen Sommerabenden zeigt sich, wie lebendig sie sein kann: Menschen sitzen in Biergärten und Restaurants, treffen Freunde oder genießen einfach den Feierabend. Genau deshalb fällt es umso mehr auf, wenn aufheulende Motoren und laut beschleunigende Fahrzeuge diese Atmosphäre immer wieder stören.
Ich war selbst an einem Abend vor Ort. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Fahrzeuge Runde um Runde durch die Innenstadt fuhren. Wer dort unterwegs ist, kennt das Bild: Harderstraße, Kupferstraße, Theresienstraße, Kreuzstraße – und längst nicht nur dort. Auch in der Donaustraße, der Schulstraße oder der Schrannenstraße ist das Problem immer wieder zu beobachten. Man schaut automatisch auf, tritt einen Schritt näher an die Hauswand und fragt sich, warum manche Fahrer öffentliche Straßen offenbar als Bühne verstehen.
Besonders irritierend ist, dass für die Durchfahrt durch das Kreuztor zwischen 20 und 5 Uhr eigentlich ein Fahrverbot gilt. Dennoch scheinen sich längst nicht alle daran zu halten. Wer eine Weile in der Altstadt verbringt, erkennt schnell, dass es sich nicht nur um einzelne Fahrzeuge handelt. Manche drehen ihre Runde immer wieder.

Dass darunter die Aufenthaltsqualität leidet, erleben Gastronomen Tag für Tag. Juri Maric vom Schanzer Steakhaus berichtet von Gästen, die durch aufheulende Motoren erschrecken. Familien blieben zunehmend fern, ältere Menschen fühlten sich beim Überqueren der Straße unsicher. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert“, sagt er. Als ich vor dem Englwirt stand, fasste Sascha Lachner die Situation knapp zusammen: „So geht das jeden Tag.“
Natürlich gehören Autos in die Innenstadt, und die allermeisten Verkehrsteilnehmer verhalten sich rücksichtsvoll. Doch wer bewusst Lärm verursacht, unnötig beschleunigt oder immer wieder dieselbe Runde fährt, schadet nicht nur dem Sicherheitsgefühl, sondern auch dem Bild unserer Stadt.
Der einstimmige Antrag des Bezirksausschusses Mitte ist deshalb ein wichtiges Signal. Das Gremium fordert die Stadtverwaltung auf, Maßnahmen gegen den Poserverkehr zu prüfen und bestehende Regeln konsequenter durchzusetzen. Entscheidend wird nun sein, ob daraus auch konkrete Verbesserungen entstehen.
Die Ingolstädter Innenstadt ist ein Ort zum Leben, zum Genießen und zum Begegnen. So sollte sie auch bleiben – und keine Rennstrecke für diejenigen, die Rücksicht mit Schwäche verwechseln.

