Neue Ehrentitel: Entscheidung Ende Oktober

Ingolstädter CSU und Freie Wähler fordern feste Vergabekriterien

In der Stadtratssitzung Ende Oktober geht es u.a. um neue Kriterien für die Vergabe von Ehrentiteln. Auslöser ist die Debatte um den Titel „Altoberbürgermeister“ für Christian Scharpf nach einer verkürzten Amtsperiode. Zudem stehen mögliche Ehrungen für die beiden Ex-Bürgermeisterinnen aus der vergangenen Wahlperiode an. Die Freien Wähler betonen, ihr Vorstoß richte sich nicht gegen einzelne Personen. Beide Fraktionen wollen nachvollziehbare Regeln: Die CSU stellt ein transparentes Verfahren in den Vordergrund, die Freien Wähler zusätzlich höhere inhaltliche Anforderungen.

Kommentar: Bürgerjury statt politische Selbstbeschenkung

Ehre, wem Ehre gebührt – aber wer entscheidet darüber? Wenn Politiker ehemaligen Politikern Titel verleihen, wirkt das schnell wie Selbstbeschenkung auf Kosten der demokratischen Glaubwürdigkeit. Das Amt war Auftrag, kein Adelsprädikat. Wer gewählt wurde, durfte gestalten, wurde bezahlt und stand in öffentlicher Verantwortung. Daraus einen dauerhaften Ehrentitel abzuleiten, macht in meinen Augen aus Pflichterfüllung ein Privileg.

Auch der Begriff an sich gehört auf den Prüfstand. Im Namen vermeintlicher Ehre werden Menschen ausgegrenzt, bedroht und sogar getötet. Kommunale Ehrentitel sind damit nicht gleichzusetzen. Doch beide beruhen auf der Vorstellung, Ehre könne von einer Gruppe verliehen, verteidigt oder aberkannt werden. Eine Demokratie sollte sich stärker an gleicher Würde als an Rang und symbolischer Erhöhung orientieren.

Deshalb reicht es nicht, die Titelvergabe mit neuen Kriterien zu reparieren. Die ehrlichere Frage lautet: Braucht es diese Titel überhaupt noch? Anerkennung für außergewöhnliche Leistungen ist richtig und wichtig. Sie sollte konkret begründet, unabhängig entschieden und nicht bevorzugt an ehemalige Amtsträger vergeben werden. Sonst bleibt vom großen Wort „Ehre“ am Ende vor allem eines übrig: politische Eitelkeit mit Urkunde.

Als besonders beschämend und absurd empfinde ich die Situation, dass mögliche neue Ehrentitelträgerinnen, im Gespräch sind die beiden EX-Bürgermeisterinnen Dorothea Deneke-Stoll (hat bereits abgewunken) und Petra Kleine (schaut noch a bisserl zu) an den Kriterien mitwirken oder gar für ihre besonderen Verdienste werben sollen, bekrittelt und beäugt vom Rest des Stadtrates, u.a. von den beiden Ehrentitelträgern, Altoberbürgermeister Christian Lösel und Altbürgermeister Albert Wittmann, die sich beide jung genug fühlen, um beim Wort „alt“ zusammenzuzucken. Wenn schon neue Kriterien, dann doch sicher dieses: die zu ehrenden Personen dürfen nicht dem verleihenden Gremium angehören.

Entscheidend scheinen mir aber nicht die Kriterien, sondern der demokratische Zweck eines Ehrentitels? Wenn eine Auszeichnung vor allem den politischen Lebenslauf verlängert, Tradition pflegt oder gegenseitige Anerkennung im Rathaus organisiert, ist sie schwer zu rechtfertigen. Wenn die Stadt dagegen außergewöhnlichen Einsatz sichtbar machen will, wären zeitgemäßere Formen denkbar: eine öffentliche Würdigung konkreter Leistungen, eine befristete Auszeichnung ohne Amtszusatz oder eine Entscheidung außerhalb des Stadtrates etwa unter maßgeblicher Beteiligung einer unabhängigen Bürgerjury oder einer digitalen Bürgerbefragung. Digital? Nun ja, wenn es echte Kriterien gäbe, könnte hier auch die KI ihres Amtes walten. Hier gibt es ja bereits Ansätze, die die unberechenbare Politik durch vernunftgetriebenes Handeln ersetzt.

Hintergrund INFO: Ehrenbürger und kommunale Ehrentitel in Ingolstadt

Die Verleihung der Ingolstädter Ehrenbürgerwürden und der Ehrenbezeichnungen stellt sich chronologisch wie folgt dar: Nach dem Ende seiner Amtszeit im Jahr 2002 wurde Peter Schnell, der Ingolstadt von 1972 bis 2002 als Oberbürgermeister geleitet hatte, als Altoberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt geführt. Seine Ehrenbürgerwürde erlosch mit seinem Tod am 3. November 2024. 2009 wurde Hermann Regensburger zum Ehrenbürger der Stadt Ingolstadt ernannt. 2015 folgte die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Leopold Stiefel. Im Jahr 2020 verlieh die Stadt mehreren früheren kommunalen Wahlbeamten Ehrenbezeichnungen: Dr. Christian Lösel erhielt den Titel „Altoberbürgermeister“, Brigitte Fuchs den Titel „Altbürgermeisterin“ sowie Sepp Mißlbeck und Albert Wittmann jeweils den Titel „Altbürgermeister“. 2022 wurde Horst Seehofer zum Ehrenbürger der Stadt Ingolstadt ernannt. Im Jahr 2025 erhielt schließlich Dr. Christian Scharpf die Ehrenbezeichnung „Altoberbürgermeister“.

Die Ehrenbürgerwürde ist die höchste Auszeichnung der Stadt Ingolstadt und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich in außerordentlicher Weise um die Stadt verdient gemacht haben. Die Bezeichnungen „Altoberbürgermeister“, „Altbürgermeisterin“ und „Altbürgermeister“ sind dagegen Ehrenbezeichnungen für frühere kommunale Wahlbeamte und beziehen sich unmittelbar auf das jeweils zuvor ausgeübte Amt.

Quelle: Offizielle Übersichten der Stadt Ingolstadt zu den kommunalen Auszeichnungen und zu den Ehrenbezeichnungen ehemaliger Ober- und Bürgermeister (abgerufen im Oktober 2026).

Foto: Symbolbild KI

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