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30 Liter Farbe – und plötzlich bleibt man stehen

Sechs Tage, rund 30 Liter Farbe und eine große blaue Hauswand: Landmarks Nr. 11 an der Ecke Münchener Straße/Bahnhofstraße ist fertig. Die Wiener Urban-Art-Künstlerin Frau Isa hat dort ein neues Mural geschaffen. Und während seiner Entstehung zeigte sich, dass ein solches Projekt weit mehr verändern kann als nur eine Fassade.

Wer in den vergangenen Tagen an der viel befahrenen Kreuzung vorbeikam, konnte zusehen, wie sich die zunächst blaue Hauswand Stück für Stück verwandelte. Erst waren es nur Linien, dann kamen immer mehr Farben und Figuren hinzu. Nach sechs Tagen war das großformatige Werk vollendet.

Gestaltet wurde Landmarks Nr. 11 von der Wiener Urban-Art-Künstlerin und Kinderbuchillustratorin Frau Isa. Ihr Stil ist von Vintage-Ästhetik, Nostalgie und Pastellfarben geprägt. Menschen und Tiere spielen in ihren Arbeiten immer wieder eine Rolle – Motive, mit denen viele Betrachter unmittelbar etwas anfangen können. Auch das neue Ingolstädter Mural trägt diese Handschrift.

Diesmal spielt die Baugenossenschaft eine besondere Rolle

Hinter Landmarks steht der Stadtjugendring Ingolstadt. Bei der inzwischen elften Ausgabe gibt es jedoch eine Besonderheit: Die großflächigen Kunstwerke entstanden bislang üblicherweise an Gebäuden der GWG. Diesmal gehört das Haus der Baugenossenschaft Ingolstadt Hauptbahnhof eG.

Die Baugenossenschaft ging auf die GWG zu, stellte ihre Fassade für das Projekt zur Verfügung und unterstützte die Umsetzung auch finanziell. Damit gab sie den entscheidenden Anstoß dafür, dass Landmarks Nr. 11 genau an diesem markanten Standort entstehen konnte.

Für die künstlerische Seite ist Kurator Rafael Gerlach verantwortlich, der unter anderem Kontakte zu Künstlern herstellt und an der Auswahl beteiligt ist. Daniel „Malun“ Lange leitet das Projekt und kümmert sich um Planung und Organisation. Gemeinsam wählten Gerlach und Lange für Landmarks Nr. 11 die Wiener Künstlerin Frau Isa aus. Zu den Mitinitiatoren von Landmarks gehört auch Stefan Moser, ehemals beim Stadtjugendring.

Wenn aus Zuschauen Gespräche werden

Wie viel Aufmerksamkeit das neue Mural schon während seiner Entstehung auf sich zog, zeigte sich in den vergangenen sechs Tagen. Immer wieder blieben Menschen stehen, beobachteten Frau Isa bei der Arbeit und kamen mit ihr ins Gespräch. Manche wollten ganz genau wissen, wie ein solches riesiges Wandbild überhaupt entsteht. Eine immer wieder gestellte Frage: Arbeitet die Künstlerin dabei mit Schablonen?

Auch eine Mutter mit ihrem kleinen Kind blieb stehen und bestaunte das entstehende Bild. Auf die Frage „Gefällt es euch?“ kam die spontane Antwort: „Oh ja, sehr!“

Solche kleinen Begegnungen gab es in diesen Tagen immer wieder.

Schweinebraten statt anonymer Großstadt

Und manchmal wurde aus einem kurzen Gespräch sogar mehr. Im gemeinschaftlichen Innenhof, wo Bewohner und Baugenossenschaft zusammenkommen, wurden Frau Isa und Daniel „Malun“ Lange eines Mittags kurzerhand zum Schweinebraten eingeladen – Kaffee inklusive.

Der Innenhof selbst passt fast zur Geschichte des Murals. Zwischen den Häusern gibt es einen Spielplatz, Gemüsebeete und Flächen zum gemeinsamen Aufenthalt. Ein Ort, an dem Nachbarschaft gelebt wird – und an dem die Menschen in diesen Tagen Anteil daran nahmen, was draußen an ihrer Hauswand entstand.

So wurde aus der Arbeit an einer Fassade für einige Tage auch ein kleines Gemeinschaftsprojekt. Künstler und Bewohner kamen miteinander ins Gespräch, man schaute vorbei, bot Kaffee an und verfolgte, wie sich das Bild von Tag zu Tag veränderte.

Kunst, an der kaum einer vorbeikommt

Auch der Standort trägt seinen Teil dazu bei. Die große Fassade an der Ecke Münchener Straße/Bahnhofstraße ist kaum zu übersehen. Tausende Autofahrer passieren die Kreuzung, dazu kommen Radfahrer und Fußgänger. Das fertige Mural ist bereits aus einiger Entfernung sichtbar und verändert damit einen markanten Punkt im Stadtbild.

Unterstützt wird das Landmarks-Projekt unter anderem von: Sparkasse Ingolstadt, GWG, Baulift, Nordbräu, Stadt Ingolstadt/Kulturreferat und Molotow.

Nach sechs Tagen ist Landmarks Nr. 11 vollendet. Geblieben ist eine Hauswand, an der man nicht mehr so einfach vorbeischaut.

Und vielleicht ist genau das die schönste Bilanz dieser sechs Tage: 30 Liter Farbe haben nicht nur eine blaue Fassade verändert. Sie haben Menschen zum Stehenbleiben, Hinschauen und miteinander Reden gebracht.

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