Farbe, die Freude bringt

Valentin Kinkeldei bringt mit seiner Kunst Farbe in die Welt.

Das Leben geht manchmal seltsame Wege. Eine der ersten und wohl prägendsten Begegnungen mit der Kunst hatte der vierjährige Valentin Kinkeldei aus Castrop-Rauxel beim Besuch des Museums für Konkrete Kunst. Seine Eltern hatten ihn in die Ausstellung „Raw Materials“ mitgenommen, die Werke aus alltäglichen Industrieprodukten wie Gips, Rohren, Holzbrettern und Nägeln zeigte. Valentin war kaum wegzubekommen: Mit einem Eimer, den er sich über den Kopf stülpte, kreierte er sein erstes eigenes Kunstwerk im Museum.

Mit sechs Jahren wurde Valentin in Bochum an einer Schule für geistige Entwicklung eingeschult. Dort lernte er den Künstler und ehemaligen Theatermaler Zarko Radic kennen. Unter dessen Anleitung und mit Unterstützung seiner Lehrerin Christel Trösken, die später die Galerie „Kunst Anne Bude“ eröffnete, lernte er, Emotionen auf die Leinwand zu bringen und mit Bleistift und Lineal umzugehen.

Mit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 begann Valentin, täglich DIN-A4-Blätter mit Bleistift und Lineal zu gestalten. Da seiner Mutter die grauen Bleistiftbilder deprimierend erschienen, schlug sie ihm vor, Buntstifte zu verwenden. Seitdem entstehen farbenfrohe Werke, mit denen er nicht nur seine Familie begeistert, sondern auch einen inklusiven Kunstwettbewerb gewonnen hat

Seit 2022 gestaltet Valentin seine Motive auf 25 mal 25 Zentimeter großen Leinwänden. Zunächst zeichnet er sie mit Lineal, Bleistift und Zirkel vor. Anschließend malt er sie mit Acrylfarben aus und zeichnet die Kanten mit Edding nach. Für jedes Bild benötigt er drei bis vier Tage. In Castrop-Rauxel erhält seine Kunst zunehmend Aufmerksamkeit: Er stellt in der Galerie seiner ehemaligen Lehrerin, einem Brillengeschäft und einer Pizzeria aus. Seine Werke erscheinen auch in einem Kalender. Inzwischen verkauft er Bilder und Weihnachtskarten.

Am 12. September kehrte Valentin nach Ingolstadt und ins Museum für Konkrete Kunst zurück. Museumsdirektorin Dr. Rohde eröffnete dort seine große Ausstellung „Kunst im Quadrat“. Kurator Dr. Matthias Listl hat dafür 256 Bilder zu einem Kaleidoskop von 4,45 mal 4,45 Metern zusammengestellt.

Der junge Mann mit Down-Syndrom, der seit seinem siebten Lebensjahr begeistert Klavier spielt, möchte mit seiner Kunst Farbe in die Welt bringen und Menschen Freude schenken. Mit seinem farbenprächtigen Werk in der Tränktorstraße macht er diesen Wunsch sichtbar: Der Fröhlichkeit seiner farbenprächtigen Bilder kann man sich kaum entziehen.  (Ha-Ga)

Artikel teilen

Lesen Sie auch

Mehr zu