Die Katzenpension „Miezhaus“ ist auch eine Rettungsstation für Katzen
Im „Miezhaus“ von Anja Hauck in Ingolstadt finden Katzen nicht nur während des Urlaubs ihrer Halter eine Unterkunft. Die Betreiberin des Katzenhotels nimmt auch Fundtiere, Notfälle und kranke Tiere auf – und verbindet Katzenpension, Pflegestelle und Vermittlung unter einem Dach. Was auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher Name klingt, ist für die Betreiberin des „Miezhauses“ Programm: In ihrem Katzenhotel beherbergt sie natürlich ausschließlich Katzen. Viele Tiere bleiben dort, wenn ihre Besitzer in den Urlaub fahren, erkranken oder für längere Zeit verhindert sind. Auch in schwierigen Lebenslagen übernimmt sie die Versorgung – etwa dann, wenn ein Gefängnisaufenthalt oder eine Zwangsräumung anstehen. Für gesunde Katzen gelten feste Tagespreise: Eine Katze kostet 15 Euro, zwei Katzen zusammen 26 Euro pro Tag. Weitere Tiere sowie Katzen mit besonderem Pflegebedarf oder Dauergäste werden individuell berechnet.
Behutsame Eingewöhnung statt Zwangsgemeinschaft
Je nach Wunsch können Einzelzimmer gebucht werden. Bei verträglichen Tieren öffnet die Betreiberin nach einigen Tagen die Türen zwischen den Zimmern. Durch Glastüren können sich die Katzen zuvor sehen und über Gerüche kennenlernen. Erst wenn dieser vorsichtige Kontakt ruhig verläuft, dürfen sie einander näherkommen. Die ersten Begegnungen begleitet die Betreiberin persönlich; zusätzlich überwachen Kameras die Räume. Weil keine der Katzen das Hotel als eigenes Revier beansprucht, seien Zusammenführungen dort häufig leichter als im tatsächlichen Zuhause eines einzelnen Tieres.
Pflegestelle für Katzen in Not
Wenn Plätze frei sind, nimmt die Betreiberin auch Katzen in Not auf. Sie arbeitet unter anderem mit dem Eichstätter Tierschutzverein sowie mit privaten Tierschutzgruppen im Raum Ingolstadt zusammen. Insbesondere kranke oder verletzte Tiere finden bei ihr eine Pflegestelle. Sie kann Medikamente verabreichen, Spritzen geben, Verbände wechseln und auch Tiere mit aufwendigem Pflegebedarf versorgen. Die nötige Erfahrung hat sie sich über viele Jahre im Ingolstädter Tierheim angeeignet. Hauptberuflich ist sie Friseurin. Während der Corona-Zeit, als sie ihren Beruf vorübergehend nicht ausüben durfte und der Zugang zum Tierheim eingeschränkt war, entstand die Idee für die eigene Katzenpension. Der Dachboden des Hauses wurde ausgebaut, eine erfahrene Betreiberin eines anderen Katzenhotels half bei den ersten Schritten. Anschließend absolvierte sie die erforderlichen Prüfungen und erhielt nach einer Kontrolle der Räume sowie ihrer praktischen Arbeit die Genehmigung des Veterinäramts.


Chippen allein reicht nicht
Ein zentrales Anliegen ist Anja Hauck die Kennzeichnung von Katzen. Ein implantierter Chip helfe allerdings nur, wenn das Tier anschließend bei einem Haustierregister wie Tasso oder Findefix registriert werde. Gerade bei Freigängern seien außerdem Kastration und Registrierung besonders wichtig. Wird eine Fundkatze abgegeben, prüft sie zunächst den Chip, sucht nach Vermisstenmeldungen und nimmt Kontakt zu Tierheimen auf. Über regionale Netzwerke können zudem Helfer mit Chiplesegeräten vermittelt werden. Eine Kranken- oder Operationsversicherung für Tiere könne ebenfalls sinnvoll sein, betont die Betreiberin. Alternativ sollten Halter ausreichend Geld für Notfälle zurücklegen. Behandlungen, Operationen und Zahnsanierungen können schnell mehrere Tausend Euro kosten. Wer eine Katze aufnimmt, übernimmt nicht nur Verantwortung für Futter und Zuwendung, sondern auch für ihre medizinische Versorgung.
Streitpunkt Schutzgebühr
Die häufig erhobene Schutzgebühr für Fundkatzen erzürnt gerne die Gemüter. „Die sollen doch froh sein, dass sich jemand kümmern will!“, heißt es. Dabei ist zu bedenken, dass vermittelte Katzen in der Regel gechippt und kastriert abgegeben werden. Die Schutzgebühr liegt bei Anja Hauck meist bei rund 150 Euro und soll einen Teil der zuvor angefallenen Tierarztkosten ausgleichen. Hinzu kommen Ausgaben für Futter, Streu und die Behandlung kranker Tiere. Spenden fließen deshalb unmittelbar in die Versorgung der Katzen. Vor einer Vermittlung prüft die Betreiberin das künftige Zuhause, lässt sich Fotos oder Videos zeigen und hält auch danach Kontakt zu den neuen Haltern. Tiere, die bereits seit Jahren zusammenleben, vermittelt sie möglichst nur gemeinsam.
Schwarze Katzen warten besonders lange auf ein neues Zuhause
Besonders schwer haben es nach ihrer Erfahrung schwarze und getigerte Katzen. Sie warten häufig länger auf ein neues Zuhause als Tiere mit auffälliger Zeichnung. Umso wichtiger seien seriöse Vermittlungsgruppen und öffentlich zugängliche Plattformen, auf denen vermisste, gefundene und zu vermittelnde Tiere schnell bekannt gemacht werden können. Geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken erreichen dagegen nicht immer jene Menschen, die gerade dringend Hilfe benötigen. Für Ingolstadt und Umgebung gibt es zahlreiche Facebook-Gruppen, die sich um Wohl oder Wiederfinden von Tieren kümmern wie beispielsweise „Tiere vermisst in Ingolstadt und Region 10 (IN, PAF, ND, SOB, EI)“.
