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Neue Parkgebühren zwischen Notwendigkeit und Wut

Trotz der Erhöhung positioniert sich Ingolstadt weiterhin im moderaten Mittelfeld

Ingolstadt hat die Parkgebühren in vielen Tiefgaragen und Parkhäusern zum 1. September 2026 erhöht, zum Ärger vieler Ingolstädter.

Eine Kommune ist eigentlich nicht dafür da, sich in erster Linie als Parkhausbetreiberin, Gebührenschrauberin oder kreative Einnahmequellenfinderin zu inszenieren. Vorrangig hat sie sich um das zu kümmern, was das tägliche Leben der Bürgerinnen und Bürger trägt: funktionierende Straßen, sichere Wege, Kinderbetreuung, Schulen, bezahlbare Infrastruktur, saubere öffentliche Räume, verlässliche Verwaltung, Daseinsvorsorge, soziale Einrichtungen und eine lebenswerte Innenstadt. 

Wenn jede Veränderung aber am Ende bedeutet, dass es teurer, komplizierter oder unbequemer wird, darf man durchaus fragen: Wird hier wirklich gestaltet — oder nur verwaltet und abkassiert? 

Eine Kommune sollte Wandel erklären, ermöglichen, gerecht organisieren und nicht jede Kostensteigerung mit dem Etikett „Modernisierung“ in der frommen Erwartung versehen, dass die Bürgerschaft dafür dankbar applaudiert. 

Die Reaktionen aus der Bevölkerung auf die gestiegenen Parkgebühren in Ingolstadt sind dementsprechend gemischt. Die Gebühren sind nicht nur punktuell erhöht worden, sondern spürbar über mehrere Bereiche hinweg — bei Tageshöchstsätzen, Abend- und Sonntagspauschalen sowie bei etlichen Dauerparker-Tarifen. 

Begründet wird die Maßnahme mit massiver Kostensteigerung für Energie, Instandhaltung, der Erhöhung der Grundsteuer und der jüngsten Investition beziehungsweiseder Umstellung auf ein modernes, ticketloses Parksystem. Für viele Bürgerinnen und Bürger fühlt es sich aber schlicht nach dem nächsten Griff in die Tasche an. 

Verständnis vs. Verärgerung

In Bürgerbefragungen und Netzkommentaren zeigen sich die Autofahrer zwiegespalten. Viele ärgern sich über die steigenden Fixkosten für einen Stadtbesuch. Positiv aufgenommen wird dagegen, dass die erste halbe Stunde weiterhin komplett kostenfrei bleibt und dass die Tarife an den Pendler-Bahnhöfen sowie auf dem Volksfestplatz stabil geblieben oder gesenkt wurden. Gewerbetreibende in der Innenstadt befürchten traditionell, dass höhere Tarife den ohnehin unter Druck stehenden Einzelhandel zusätzlich schwächen. Sie sehen die Erhöhung als falsches Signal. Herbe Kritik gab es insbesondere für die Neueinführung der Abendpauschale am Hallenbad-Parkplatz (Jahnstraße). Dorthin zieht das Theater und die Teuerung wird von Kultur und Gastronomie als zusätzliche Belastung für den Abendbesuch gesehen.

Einordnung und persönliches Fazit

Vorrangig kümmert sich eine Kommune um alles, was vor Ort für ein funktionierendes Zusammenleben nötig ist — Verkehr, Straßen, Abwasser, Müll, Schulen, Kitas, Feuerwehr, Ordnung, Bauplanung, soziale Angebote, Kultur, Sportanlagen und öffentliche Infrastruktur. Ingolstadt ist bekanntermaßen in eine historische und in Bayern derzeit einzigartige Schieflage geraten. Die Kommune ist massiv unterfinanziert und die nun angesetzten Erhöhungen oder Streichungen von kostenlosem Parken bringen 1,5 Millionen Euro Mehreinnahmen – nicht viel bei einem strukturellen Defizit, das weit höher ist. Beim Wildpark kochten die Emotionen schon in ungeahnte Höhen, auch bei den Kitagebühren und bei den Sparmaßnahmen in der Kultur. Ja, man darf sich fragen, ob Verwaltung und Stadtrat nicht sehenden Auges in diese Lage geraten sind. Als ehemalige Stadträtin ist mein Urteil hart: die Katastrophe ist seit 4 Jahren sichtbar, die Reaktionen und der Sparwille durch die Bank minimal. Durch dieses bedauerliche Zusehen ist der Handlungsspielraum der Kommune massiv eingeschränkt und es müssen zwanghaft weniger Ausgaben und mehr Einnahmen her. 

Die Diskussionen um jede Erhöhung oder Streichung langweilen mich zutiefst, suggerieren eine Wahl und die Politik stolpert über sich selbst, weil sie zu viel härteren Maßnahmen greifen müsste, was aus Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen ausbleibt. Jüngstes Beispiel sind die Parkgebühren. Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten wie München, Nürnberg, Regensburg und Augsburg liegt Ingolstadt noch immer im moderaten unteren Mittelfeld, nur das die anderen Städte nicht in einer so fatalen finanziellen Lage sind. Was also soll das Geschrei? Ginge es nach mir, würde ich den Stundenpreis fürs Parken an das VGI-Tagesticket fürs Stadtgebiet Ingolstadt von 6,50 Euro anlehnen. Gut, wir können verhandeln! Dann schlage ich eben einen Stundenpreis fürs Parken von 3 Euro wie in München vor. Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren ist trotz Erhöhung viel zu attraktiv. Dabei gibt es unzählige zweirädrige Alternativen oder den ÖPNV. So bekommt man den Individualverkehr nicht in den Griff, auch nicht die Emissionen oder den verschwendeten Parkraum! Wie schön wäre die Schleifmühle ohne Autos. Die kostenlose erste halbe Stunde ist im bayerischen Vergleich übrigens ein echtes Alleinstellungsmerkmal in Ingolstadt, das in den meisten anderen Großstädten komplett gestrichen wurde. Wer nur schnell etwas abholen möchte, parkt in den IFG-Garagen weiterhin gratis. Für meinen Geschmack ist das mehr als genug Entgegenkommen. Ist doch SUPER oder eben gerade nicht! Schließlich wabern, variieren und steigen die Parkgebühren in Ingolstadt nicht wie die an der Zapfsäule für E10, Diesel & Co.

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