GLOSSE – Oh du fröhlicher August!

Der Sommer ist noch nicht vorbei, doch im Supermarkt beginnt bereits die stille Nacht.

Es ist Ende August. Der Sommer ist noch da, tagsüber ist es warm, auf den Terrassen sitzt man draußen und die Winterjacke darf noch ein wenig Urlaub im Kleiderschrank machen.

Doch im Supermarkt ist man längst weiter.

Dort ist Weihnachten.

Lebkuchen. Dominosteine. Spekulatius. Reihe um Reihe. Während man gedanklich noch zwischen Biergarten und Freibad pendelt, verkündet das Süßwarenregal: Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Lebkuchen geboren.

Man muss dem Handel zugutehalten: Er ist vorbereitet. Schließlich kommt Weihnachten jedes Jahr vollkommen überraschend am 24. Dezember. Da ist es nur vernünftig, bereits vier Monate vorher die ersten Dominosteine in Stellung zu bringen.

Man weiß ja nie.

Vielleicht bricht im Oktober eine schwere Spekulatiuskrise aus. Vielleicht werden Zimt und Nelken knapp. Vielleicht steht man am ersten Advent plötzlich mit leeren Händen da und muss etwas Unvorstellbares tun: Weihnachtsgebäck erst in der Weihnachtszeit kaufen.

Das Risiko kann nun wirklich niemand eingehen.

Überhaupt scheinen die Jahreszeiten im Supermarkt mittlerweile weniger mit dem Kalender als mit der Frage zu tun zu haben, welches Schokoladenhohlkörperwesen gerade Saison hat.

Denn kaum sind Weihnachten und Silvester vorbei, stehen tatsächlich schon die ersten Osterhasen im Regal. Dazwischen liegen gefühlt drei Tage, an denen Schokolade einfach nur Schokolade sein darf.

Dann hoppelt der Hase los.

Nach Ostern kommen Grillkohle und Sonnencreme, und während draußen noch der Sommer läuft, übernimmt Ende August wieder der Lebkuchen.

Ein perfekt funktionierender Kreislauf.

Und vielleicht ist die Sache ja viel einfacher, als wir denken. Vielleicht werden die übrig gebliebenen Schoko-Weihnachtsmänner nach den Feiertagen gar nicht weggeräumt. Vielleicht verschwinden sie kurz hinter einer geheimnisvollen Tür im Supermarkt, werden eingeschmolzen und kommen wenige Wochen später mit langen Ohren wieder heraus.

Aus Nikolaus wird Hase. Aus Hase irgendwann wieder Nikolaus.

Nachhaltigkeit kann so einfach sein.

Und während wir noch überlegen, ob wir Ende August wirklich schon Lebkuchen brauchen, arbeitet der Handel vermutlich längst am nächsten Problem:

Wo stellen wir im September eigentlich die Osterhasen hin?

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