100 Tage De Lapuente: Sparen, aber nicht am Zusammenhalt

Ingolstadts Sport- und Sozialbürgermeister zieht Bilanz – soziale Herausforderungen, mehr Austausch mit Vereinen und ein neuer Tag des Sports stehen im Fokus

Gut 100 Tage ist Christian De Lapuente als Bürgermeister im Amt. Als Sport- und Sozialbürgermeister verantwortet er zwei Bereiche, die angesichts der angespannten Haushaltslage besonders gefordert sind. Der städtische Haushalt ist derzeit nicht genehmigt, die finanziellen Spielräume sind entsprechend begrenzt. Trotzdem will De Lapuente wichtige soziale Strukturen erhalten, Vereine und Ehrenamt stärken und beim Sport neue Akzente setzen.

Dabei macht er deutlich, dass notwendiges Sparen nicht dazu führen dürfe, funktionierende gesellschaftliche Strukturen zu verlieren. „Gerade jetzt dürfen wir nicht zulassen, dass aus finanziellen Einschränkungen gesellschaftliche Einschränkungen werden“, so De Lapuente.

Mehr Anfragen in der Obdachlosenhilfe

Die angespannte wirtschaftliche Situation macht sich auch im sozialen Bereich bemerkbar. De Lapuente berichtet von spürbar mehr Anfragen bei der Obdachlosenhilfe. Er rechnet damit, dass diese Aufgabe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiter an Bedeutung gewinnen könnte. Die Stadt müsse Menschen unterstützen, die selbst- oder unverschuldet in Obdachlosigkeit geraten.

Auch Jobcenter und Stadtteiltreffs spielen für ihn eine wichtige Rolle. Das Jobcenter bleibt in kommunaler Trägerschaft. De Lapuente sieht darin die Möglichkeit, flexibler zu reagieren und Menschen möglichst schnell wieder in Arbeit zu bringen.

An den Stadtteiltreffs will die Stadt ebenfalls festhalten. Sie seien mehr als ein Kostenfaktor: Dort entstehen Begegnung, Netzwerke und ehrenamtliches Engagement. Auch das Bürgerhaus sieht De Lapuente als wichtige Anlaufstelle für das Ehrenamt.

Bund und Freistaat stärker in die Pflicht nehmen

Ein weiterer Schwerpunkt für die kommenden Monate ist die Finanzierung sozialer Aufgaben. De Lapuente sieht Handlungsbedarf bei Aufgaben, die durch Entscheidungen von Bund oder Freistaat entstehen, deren Finanzierung aber bei den Kommunen landet.

Gemeinsam mit dem Sozialreferenten sollen verschiedene Bereiche systematisch überprüft und Vorschläge für den Stadtrat erarbeitet werden. Wo Aufgaben durch Bund oder Freistaat entstehen, sollen diese nach seiner Vorstellung stärker in die finanzielle Verantwortung genommen werden.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, soziale Leistungen zurückzufahren. Ziel sei vielmehr, deren Finanzierung langfristig auf eine solide Grundlage zu stellen.

„Vereine sind unser Fundament“

Eine besondere Rolle spielen für De Lapuente die Ingolstädter Vereine und das Ehrenamt. Sie bringen Menschen zusammen, schaffen Gemeinschaft und übernehmen wichtige gesellschaftliche Aufgaben.

Trotz knapper Kassen unterstützt die Stadt das Vereinsleben nach seinen Worten weiterhin umfangreich. Gleichzeitig will De Lapuente stärker nach Lösungen suchen, die nicht automatisch zusätzliches Geld kosten. Bürokratische Hürden könnten abgebaut, Abläufe vereinfacht, Kontakte vermittelt und Vereine besser miteinander vernetzt werden.

„Nicht jede gute Lösung kostet Geld. Manchmal braucht es vor allem jemanden, der zuhört und gemeinsam nach einem Weg sucht“, sagt De Lapuente.

Regelmäßig raus in die Vereinsheime

Den direkten Austausch mit den Vereinen will der Bürgermeister deshalb intensivieren. Für November ist ein gemeinsames Treffen mit den Ingolstädter Sport- und Schützenvereinen geplant.

Danach sollen in regelmäßigen Abständen weitere Gespräche folgen – jeweils in einem anderen Vereinsheim. So sollen unterschiedliche Vereine und Sportarten ihre Anliegen einbringen und sich gleichzeitig stärker untereinander vernetzen können. Auch der Austausch mit dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) soll intensiviert werden.

Tag des Sports soll 2027 kommen

Ein konkretes neues Projekt ist für 2027 vorgesehen: De Lapuente möchte einen „Tag des Sports“ in der Ingolstädter Innenstadt auf den Weg bringen. An einem Samstag sollen sich Sportvereine präsentieren, ihre Angebote vorstellen und Besucher zum Mitmachen einladen.

Gleichzeitig sollen dort die sportlichen Erfolge des Jahres 2026 gewürdigt werden. Damit würde auch die Sportlerehrung stärker aus dem Rathaus in die Öffentlichkeit rücken.

„Ich möchte einen Tag schaffen, an dem der Sport mitten in unserer Stadt sichtbar wird“, erklärt De Lapuente.

Auch die Sportstätten bleiben eine Herausforderung. Viele Hallen und Anlagen werden älter. Trotz der schwierigen Haushaltslage müsse deshalb gezielt dort investiert werden, wo es notwendig ist.

Wildpark bleibt erhalten

Zu De Lapuentes Verantwortungsbereich gehören auch Baggersee und Wildpark. Beim Baggersee steht derzeit die Umsetzung des Sicherheitsgutachtens im Mittelpunkt. Notwendige Vorgaben sollen umgesetzt, die Auswirkungen für die Bürger aber möglichst gering gehalten werden.

Beim Wildpark hat sich die Stadt trotz der angespannten Finanzlage für den Weiterbetrieb entschieden. Für De Lapuente ist er ein wichtiger frei zugänglicher Erholungsraum und zugleich ein Ort der Naturbildung. Anforderungen an Tierschutz und Tierwohl machten dort in den vergangenen Jahren allerdings auch Investitionen notwendig.

„Meine Tür steht offen“

Positiv bewertet De Lapuente auch die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtspitze. Das Verhältnis zu Oberbürgermeister Dr. Michael Kern und Bürgermeister Franz Wöhrl bezeichnet er als gut und vertrauensvoll. Unterschiedliche Sichtweisen seien dabei kein Nachteil, sondern könnten die gemeinsame Arbeit bereichern.

Für die kommenden Monate setzt der Sport- und Sozialbürgermeister vor allem auf den direkten Austausch mit Vereinen, Ehrenamtlichen, sozialen Initiativen und Bürgern.

„Meine Tür steht offen“, sagt De Lapuente. Kritik sei ebenso willkommen wie gute Ideen. Nach gut 100 Tagen ist seine Bilanz damit vor allem ein Ausblick: Trotz knapper Kassen sollen soziale Strukturen erhalten, das Ehrenamt gestärkt und der Sport in Ingolstadt sichtbarer werden.

Foto: Archiv IN-direkt/De Lapuente

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