Wo Sandra zupackt, kehrt Lebensmut zurück
Es gibt Ereignisse, die ein Leben nachhaltig verändern. Für Sandra Ehrenthaler war dies die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 – eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der Bundesrepublik mit 135 Todesopfern und rund 9.000 zerstörten Gebäuden. Nur fünf Tage zuvor hatte sie die bis dahin idyllische Region noch privat besucht. Aus Erfahrung wusste sie, dass gut gemeinte, aber unsortierte Sachspenden die Helfer vor Ort zusätzlich belasten können. Deshalb fragte sie die Betroffenen direkt nach ihrem Bedarf und organisierte gezielt die passenden Hilfsgüter. Aus dieser spontanen Initiative entstand schon wenig später der Verein „Paten für Katastrophenopfer e. V.“, dessen 2. Vorsitzende Sandra Ehrenthaler heute ist.
Als 2024 das Hochwasser Manching und Baar-Ebenhausen traf, war es für Sandra Ehrenthaler – die von allen schlicht Sandra genannt wird – selbstverständlich, in ihrer Heimatregion zu helfen. Zugleich wollte sie etwas von der großen Hilfsbereitschaft zurückgeben, die den Menschen im Ahrtal entgegengebracht worden war. Zu den ersten wichtigen Anschaffungen gehörten Trocknungsgeräte. Trotz der schwierigen Versorgungslage gelang es ihr mit ihrer liebenswerten Hartnäckigkeit, diese zu beschaffen und den Betroffenen zur Verfügung zu stellen.

Mit persönlicher Hilfe kehrt oft Magie ins Haus zurück
Die Erfahrung zeigt ihr, dass die meisten Menschen, die Hilfe wirklich brauchen, nur selten darum bitten. Manchmal greift Sandra deshalb einfach durch und erhält anschließend dankbare Rückmeldungen: „Bei uns ist wieder Magie im Haus.“ oder „Wir haben wieder Lebensmut gefasst.“
Bei einem älteren, gehbehinderten Mann musste zunächst eine dicke Schlammschicht freigeschaufelt werden. Als Sandra Ehrenthaler sich bei ihm umsah, wirkte alles trostlos und spartanisch, weil der Mann bereits zuvor einen schweren Schicksalsschlag erlitten hatte. Kurzerhand ging sie für ihn einkaufen. Neben den dringend benötigten Dingen brachte sie mit einem Blumenstrauß und einer Tischdecke auch ein Stück Normalität und Farbe in seinen tristen Alltag.
Sandra Ehrenthaler ist sich der großen Verantwortung bewusst und geht entsprechend sorgfältig mit den ihr anvertrauten Spenden, aber auch mit den Ressourcen der Helfenden um. Deshalb besucht sie die Betroffenen bis heute regelmäßig zu Hause, um ihnen mit Rat und vor allem mit Tat zur Seite zu stehen. Viele Kontakte bestehen noch immer, denn oft zeigt sich erst Monate später, was tatsächlich fehlt – von der Weihnachtskrippe bis zur Winterjacke.
Neben materieller Hilfe braucht auch die Seele Unterstützung
Bis zum 31. Januar 2025 galt in Bayern eine vereinfachte Regelung für finanzielle Unterstützung aus dem Unwettererlass. Danach musste der Verein seine Geldspenden in der Region einstellen. Im Stich gelassen werden die Menschen deshalb aber nicht. Viele Schäden sind noch immer nicht behoben, zahlreiche Betroffene waren nicht versichert und benötigen weiterhin Hilfe. Allein eine Kellersanierung kostet zwischen 20.000 und 50.000 Euro – eine Summe, die viele ohne Versicherung nicht aufbringen können.
Neben der materiellen Hilfe ist auch persönliche Zuwendung wichtig. Eine WhatsApp-Gruppe, über die Sandra Ehrenthaler mit 25 betroffenen Familien in Kontakt steht, zeigt, wie eng sie die Menschen bis heute begleitet. Trotz der engen Beziehungen wahrt der Verein konsequent die Würde und Privatsphäre der Betroffenen und verzichtet bewusst darauf, persönliche Schicksale für Spendenaufrufe oder Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu nutzen.
Dem Verein geht es nicht allein um die Wiederherstellung der Wohnungen, sondern auch um die der Seele. Dank ihres Organisationstalents ermöglicht Sandra Ehrenthaler den Familien immer wieder gemeinsame Unternehmungen. Sie schenken den Betroffenen einige unbeschwerte Stunden, geben neue Kraft und ermöglichen besonders den Kindern ein Stück Normalität.
In den vergangenen vier bis fünf Jahren wurden bereits mehr als 2,5 Millionen Euro an Spenden weitergegeben. Dass Sandra Ehrenthaler und ihre Mitstreitenden derart hohe Summen sammeln können, liegt vor allem daran, dass die Menschen genau sehen, wohin und wofür die Gelder verwendet werden.
Mit Kreativität werden weitere Spenden gesammelt
Und da der Bedarf nach wie vor besteht, wird Sandra Ehrenthaler nicht müde, weitere Spendengelder zu sammeln. Ihr Einfallsreichtum kennt dabei kaum Grenzen – vom Bayerischen Adventssingen im Liebfrauenmünster bis zu Benefizveranstaltungen. Ein Höhepunkt war eine Kabarett-Gala im Maritim Hotel, deren 1.000 Karten innerhalb von zwei Tagen restlos ausverkauft waren. So gelingt es Sandra Ehrenthaler und ihrem Team immer wieder Hilfe für die Betroffenen mit attraktiven Veranstaltungen für die Besucher zu verbinden.
Aktuell steht bereits das „Kronkorkenfest 2026“ – die Feier zum fünfjährigen Vereinsjubiläum – am 24. Oktober auf dem Programm: ein Bayerischer Abend mit Live-Musik, ausgewählten Schmankerln und weiteren Überraschungen. Gefeiert wird im Gasthof Ledl in Gaimersheim. Karten sind im Vorfeld unter sandra@paten-fuer-katastrophenopfer.de erhältlich.

