Schwarze Luftballons erinnern an Suizidopfer

Mit einer Mahnwache an der Konrad-Adenauer-Brücke beteiligten sich am Samstag zahlreiche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus Ingolstadt und der Region 10 an der bundesweiten Aktion „10 Städte, 1000 Luftballons“. Viele Passanten blieben stehen, informierten sich am Infostand und suchten das Gespräch mit den Fachleuten.

Im Mittelpunkt der Aktion stand das Thema Suizidprävention. Mehrere hundert schwarze Luftballons mit weißen Kreuzen erinnerten symbolisch an Menschen, die durch Suizid gestorben sind. Nach dem Ende der Mahnwache wurden die Ballons von der Brücke abgenommen und in der Piuskirche symbolisch zum Gedenken an die Verstorbenen niedergelegt.

Die Ingolstädter Psychotherapeutin Anne Egger-Büssing erklärte im Gespräch mit IN-direkt, dass Suizid noch immer ein häufig verstecktes Thema sei, obwohl es sehr viele Menschen betreffe. „Ungefähr 10.000 bis 11.000 Personen pro Jahr versterben durch Suizid. Und diese Personen hinterlassen natürlich ein Vielfaches von Menschen – Angehörige, Freunde, Nachbarn und Kollegen –, die von dem Thema betroffen sind“, sagte Egger-Büssing.

Am Infostand informierten die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über Suizidalität, Hilfsmöglichkeiten und die Bedeutung einer frühzeitigen psychotherapeutischen Unterstützung. Ziel war es außerdem, Berührungsängste gegenüber einer Psychotherapie abzubauen. Anne Egger-Büssing erläuterte interessierten Besuchern auch die möglichen Auswirkungen der beschlossenen Änderungen auf psychotherapeutische Praxen und die Versorgung der Patienten.

Der Ingolstädter Psychotherapeut Tobias Lackner, Vertreter des Aktionsbündnisses Psychotherapie, unterstrich die Bedeutung der ambulanten Versorgung. „Ambulante Psychotherapie ist eine wirksame Maßnahme und muss auch in Zukunft erhalten bleiben“, sagte er. Mit Blick auf die zukünftige Versorgung erklärte Lackner: „Wir befürchten katastrophale Bedingungen und hoffen und wünschen uns eine Änderung.“

Die Mahnwache sollte damit nicht nur an die jährlich rund 10.000 bis 11.000 Menschen erinnern, die in Deutschland durch Suizid sterben, sondern auch das Bewusstsein für psychische Erkrankungen stärken und auf die Bedeutung einer gut erreichbaren psychotherapeutischen Versorgung aufmerksam machen.

Hintergrund: Kritik an den Änderungen für die Psychotherapie

Der Bundestag hat am Freitag, 10. Juli 2026, das Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. Die Bundesregierung begründet die Reform mit der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen und dem Ziel, die Beitragssätze zu stabilisieren.

Aus Sicht der Psychotherapeuten sind vor allem die Änderungen bei der Vergütung ambulanter psychotherapeutischer Leistungen problematisch. Ab 2027 sollen bislang außerhalb der begrenzten Gesamtvergütung vergütete Leistungen wieder in die sogenannte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung einbezogen werden. Dabei handelt es sich um ein begrenztes Honorarvolumen, das für die ambulante Versorgung zur Verfügung steht.

Psychotherapeutische Berufsverbände und das Aktionsbündnis Psychotherapie befürchten, dass diese Budgetierung den wirtschaftlichen Spielraum der Praxen deutlich einschränkt. Nach ihrer Einschätzung könnte dies dazu führen, dass weniger Behandlungsplätze angeboten werden, sich die Wartezeiten weiter verlängern und besonders kleinere Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten.

Kritisiert wird zudem die Streichung der gesetzlich vorgeschriebenen Angemessenheitsprüfung für die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Dieser Mechanismus sollte bislang sicherstellen, dass zeitgebundene psychotherapeutische Behandlungen angemessen vergütet werden. Aus Sicht der Psychotherapeuten entfällt damit ein wichtiger Schutz für eine wirtschaftlich tragfähige Honorierung ihrer Arbeit.

Für bereits zum Jahresende 2026 beantragte, genehmigte und noch laufende Einzel- und Gruppentherapien ist eine Übergangsregelung vorgesehen. Diese Behandlungen sollen im Jahr 2027 zunächst nicht von Honorarbegrenzungen oder Honorarminderungen betroffen sein. Das Aktionsbündnis sieht darin jedoch keine langfristige Lösung für die ambulante psychotherapeutische Versorgung.

Die Psychotherapeuten warnen davor, dass sich durch die beschlossenen Änderungen das Behandlungsangebot verringern und der Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe weiter erschweren könnte. Nach Auffassung des Aktionsbündnisses werden sich die neuen Rahmenbedingungen nicht nur auf die Praxen, sondern letztlich auch auf Menschen auswirken, die dringend einen Therapieplatz benötigen.

Wie wichtig ist uns als Gesellschaft ein schneller und verlässlicher Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe?

Artikel teilen:

Verlinkte Themen: