Der Graf von Monte Christo

Alljährlich ist der Abschluss des Theatersaison – die Freilichtaufführung im Turm Baur –  ein absolutes Highlight, zu der sich auch einige einfinden, für die es die einzige Theatervorstellung im Jahr ist. Am 25. Juni war die Premiere „Der Graf von Monte Christo“ von Alexander Dumas, der im 19. Jahrhundert zunächst als Fortsetzungsroman zwei Jahre lang die Menschen im Atem hielt. Der Klassiker gilt als Meisterwerk der Weltliteratur, der treffend die französische Gesellschaft nach den Napoleonischen Kriegen zeichnete und nicht zuletzt durch wiederholte Verfilmungen noch mehr Popularität erlangte. 

Es geht um den jungen Edmond Dantès, der kurz davor steht, Kapitän zu werden und seine Verlobte Mercédès zu heiraten. Doch drei Männer schmieden aus Neid, Ehrgeiz und Eigennutz eine Intrige gegen ihn und er wird ohne Gerichtsverfahren in der Festung Château d’If eingekerkert. Im Gefängnis begegnet Dantès dem alten Abbé Faria, der ihn ausbildet und ihm das Geheimnis eines gewaltigen Schatzes auf der Insel Monte Cristo verrät. Nach einer spektakulären Flucht findet Dantès den Schatz, nimmt die Identität des geheimnisvollen Grafen von Monte Christo an und kehrt nach Frankreich zurück, um seine Feinde zur Rechenschaft zu ziehen. Die Spannende Handlung  bietet zahlreiche überraschende Wendungen, sorgfältig ausgearbeitete Figuren und eine Handlung, die sich über viele Jahre, zahlreiche Schauplätze  und über mehr als 1000 Romanseiten erstreckt. 


Auch wenn der Roman alles hat, woraus der Stoff eines Bühnenstückes ist – spannende Handlung, starke Figuren, emotionale Konflikte und dramatische Wendungen, gilt es die Anzahl der Figuren und der Handlungsorte drastisch zu reduzieren. 

Dem Regisseur Ronny Jakubasch gelang es vorzüglich die Handlungsorte auf der Bühne im Turm Baur – vor allem dank Pascal Seibickes genialer Drehbühne  die Handlungsorte kompakt zu integrieren. Die Drehbühne war wohl eine der größten Herausforderungen dieser Inszenierung, die mit Bravour gemeistert wurde: die beleuchtete Treppe unterstrich immer wieder die Stimmung der aktuellen Situation. Auf der Rückseite, unter der Treppe befand sich der Kerker, in dem Dantès 14 Jahre seines Lebens verbrachte. Die Drehbühne wurde immer wieder durch Manpower von den Schauspielenden in Bewegung gesetzt und erlaubte so einen fließenden Szenenwechsel. Überhaupt waren die Akteure stets in Bewegung: Hanna Peter verpasste allen eine einheitliche Grundgarderobe: schwarzer Body mit weißen Punkten. Der Wechsel der Personen erfolgte durch die schnellen Ergänzung der Garderobe, die im Laufe des Spieles stets – manchmal im rasanten Tempo – erfolgte. 
Im erste Teil der Inszenierung überzeugte mit einem durchgängig herausragenden Ensemble. Die Schauspielerinnen und Schauspieler brillierten nicht nur schauspielerisch, sondern auch mit eindrucksvollen Gesangseinlagen und meisterten den Wechsel zwischen mehreren Rollen mit großer Souveränität. Stellvertretend für das gesamte Ensemble soll Enrico Spohn als Graf von Monte Christo hervorgehoben werden. Welche Rolle man ihm auch anvertraut: Er versteht es immer, sein Publikum  absolut zu begeistern. Auch an diesem Abend überzeugte er mit großer darstellerischer Bandbreite – vom naiven jungen Seemann über den gebrochenen Gefangenen bis hin zum geheimnisvollen Grafen. Auch seine Gesangseinlagen, die im ersten Teil zur Auflockerung beitrugen, begeisterten sehr. 

Nach der Pause verliert die Inszenierung an Leichtigkeit zu Gunsten einer schon fast hektischen Szenenabfolge mit einfach zu vielen verschiedenen Figuren. Hier wäre es wohl besser die Anzahl der Protagonisten noch drastischer zu reduzieren und sich noch noch mehr ausschließlich auf den inneren Wandel Edmond Dantès‘ und der moralischen Frage, wann wird der Wunsch nach Gerechtigkeit zu zerstörerischer Rache, zu konzentrieren. 

Trotz dieser kleinen Schwäche bleibt die Inszenierung ein gelungener Abschluss der Theatersaison – nun muss nur noch das Wetter mitspielen, damit möglichst viele Besucher in den Genuss dieses besonderen Theaterabends kommen. (HaGa)

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