AUDI Greenovation talk im brigk

Audi Talk

Ein Abend zwischen Alarmruf und Hoffnungsschimmer

Die Vortragsreihe „Let’s talk Greenovation“ der Audi Stiftung für Umwelt ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Nach Stationen in München, Kiel und Hamburg machte das Format wieder im brigk in Ingolstadt Halt. Schon nach der Begrüßung durch Moderator Matthias Roßmann war klar: Dieser Abend würde keine leichte Kost bieten. Unter dem Leitgedanken, globale Umweltfragen an den Schnittstellen von Technik, Innovation und Naturschutz zu beleuchten, zeichneten die Referenten ein ebenso faszinierendes wie beunruhigendes Bild vom Zustand unseres Planeten.

Professor Dr. Matthias Glaubrecht von der Universität Hamburg ließ dabei kaum Zeit zum Durchatmen. Folie um Folie verdeutlichte die Folgen menschlichen Handelns. Satellitenaufnahmen zeigten eindrucksvoll, wie stark die Biosphäre inzwischen vom Menschen geprägt und umgestaltet wurde. Besonders eindringlich schilderte Glaubrecht den Menschen als maßgeblichen Treiber globaler Veränderungen. Während die Erde langfristig auf eine neue Kaltzeit zugesteuert wäre, habe der rasante Anstieg des CO₂-Gehalts diesen natürlichen Verlauf grundlegend verändert. Die Folgen seien längst sichtbar. Gleichzeitig werde trotz des weltweiten Ausbaus erneuerbarer Energien mehr fossile Energie genutzt als jemals zuvor. Doch der Klimawandel ist nur ein Teil der Krise. Noch gravierender sei der Verlust der biologischen Vielfalt. Mehr als eine Million Tier- und Pflanzenarten gelten inzwischen als bedroht, manche Forschende gehen von deutlich höheren Zahlen aus. Entscheidend sei dabei nicht allein das Aussterben einzelner Arten, sondern vor allem der Verlust ihrer Lebensräume. Glaubrecht verdeutlichte dies am Beispiel des Tigers: Rund 5.600 Tiere leben noch in freier Wildbahn, gleichzeitig werden mehr als 5.000 Tiger in privaten Haushalten der USA gehalten. Nicht die Art verschwindet zwangsläufig – wohl aber ihr natürlicher Lebensraum. Hinzu kommt, dass schätzungsweise 80 bis 90 Prozent aller Arten wissenschaftlich noch gar nicht erfasst sind. Dabei erbringen Ökosysteme Leistungen, die für den Menschen unverzichtbar sind: Sie sichern Nahrung, beeinflussen Klima und Wasserhaushalt und bilden die Grundlage zahlreicher Medikamente. Wie empfindlich diese Zusammenhänge sind, zeigte das Beispiel der Kakaopflanze, deren Bestäubung weltweit von lediglich zwei spezialisierten Stechmückenarten abhängt.

Mit jeder Folie wurde die Stimmung im Saal nachdenklicher. Das internationale Ziel, bis 2030 rund 30 Prozent der schutzwürdigen Flächen weltweit unter Schutz zu stellen, erscheint vor diesem Hintergrund weniger als ambitionierte Vision denn als notwendige Mindestanforderung.

Für etwas Zuversicht sorgte anschließend Thomas Aumer vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz. An konkreten Beispielen zeigte er, dass gezielte Schutzmaßnahmen Erfolge erzielen können. So wuchs die Population der Großen Hufeisennase in Bayern innerhalb von zwei Jahrzehnten von sieben auf über 1.000 Tiere. Die Zahl der Brutpaare der Wiesenweihe stieg im selben Zeitraum von rund 50 auf etwa 200. Elektrozäune schützen dabei die Gelege vor Füchsen und Wildschweinen. Dabei kommt zunehmend moderne Technik zum Einsatz. Sender liefern neue Erkenntnisse über das Verhalten von Brachvögeln, akustische Messungen unterstützen das Fledermausmonitoring, künstliche Intelligenz hilft bei der Erforschung der Europäischen Sumpfschildkröte. Naturschutz und Innovation sind längst keine Gegensätze mehr.

Trotz dieser ermutigenden Beispiele blieb am Ende eine Frage im Raum: „Was können wir tun?“ Glaubrechts Antwort fiel ebenso schlicht wie treffend aus: „Wir sind nicht nur Teil des Problems, damit aber auch Teil der Lösung.“

Ein Satz, der die Besucherinnen und Besucher wohl noch lange begleitet. Wenn auch der zweite Teil des Abends Hoffnung machte, so gingen etliche nach eigenem Bekunden mit einem unguten Gefühl nach Hause. Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis des Abends: Die Probleme sind bekannt, viele Lösungsansätze ebenfalls. Entscheidend bleibt, welchen Beitrag jede und jeder Einzelne leisten will, damit aus Wissen und Erkenntnis konkretes Handeln wird.

Foto: v.l.n.r.: Thomas Aumer, Matthias Roßmann, Matthias Glaubrecht

Artikel teilen:

Verlinkte Themen: