Das Theater setzt auf Rückhalt aus der Stadtgesellschaft
Ingolstädter Finanzkrise trifft auch das Altstadttheater mit voller Wucht. Die Leiterin des Hauses, Leni Keil-Brem, erhielt die Hiobsbotschaft, dass die städtischen Fördermittel, die bereits im Vorjahr um 40 Prozent reduziert wurden, um 67 Prozent gekürzt werden. Diese Einschnitte konnten noch durch hohe Auslastung, den Förderverein sowie Spenden abgefedert werden, doch die aktuelle Kürzung stellt einen so massiven Eingriff in den Handlungsspielraum dar, dass das Theater nun vor dem Aus steht.
In den sozialen Medien wird immer wieder diskutiert, warum ein Theater überhaupt auf Förderung angewiesen ist. Keil-Brem verweist dabei auf die Grundstruktur des Theaterbetriebs: Das Altstadttheater ist ein offenes Kulturangebot für alle Menschen, damit das so bleibt, müssen die Eintrittspreise so gestaltet werden, dass sie bezahlbar bleiben. Da das Altstadttheater ausschließlich mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern arbeitet, müssen diese von ihrer künstlerischen Tätigkeit leben können.
Anders als im Laientheater entstehen dadurch entsprechende Personalkosten und auch wenn sich die Menschen damit keine „goldene Nase“ verdienen, müssen sie davon leben können. Deshalb ist es der jungen Theaterchefin wichtig, die künstlerisch Beteiligten fair zu entlohnen und nicht finanziell auszubeuten. Eine kostendeckende Preisgestaltung würde die Eintrittspreise für viele unerschwinglich machen.
Es soll ein Theater für alle und jeden Einzelnen bleiben
Wie wichtig es Leni ist, dass sich jeder einen Theaterbesuch leisten kann, zeigt sich auch daran, dass sie – trotz der finanziellen Notlage – regelmäßig ein Kartenkontingent an die Tafel spendet, um auch finanziell benachteiligten Menschen den Zugang zu Kultur zu ermöglichen und dies auch künftig fortführen möchte.
Keil-Brem ist bewusst, dass sie vor dem Hintergrund der desolaten finanziellen Lage kurzfristig keine Finanzmittel von der Stadt erwarten kann. Daher ist es besonders wichtig, Sponsoren zu gewinnen, die bereit sind, das kleine Privattheater zu fördern und so seinen Fortbestand zu sichern. Trotz ihrer momentanen Enttäuschung schöpft sie – gestützt auf die Erfahrungen der letzten Jahre sowie auf ihr treues Publikum und den engagierten Förderverein – Hoffnung, dass es genügend Menschen gibt, denen die Arbeit des kleinen Theaters in der Altstadt so sehr am Herzen liegt, dass sie bereit sind, sie finanziell zu unterstützen. Dies wäre nicht nur eine Hilfe in höchster Not, sondern zugleich das größte Kompliment für die geleistete Arbeit.
Sie hofft sehr, dass sich Menschen finden, die bereit sind, auch größere Summen zu investieren, um den Fortbestand des Altstadttheaters zu sichern – nicht nur für das Theater selbst, sondern auch für sich als Publikum. Denn gespielt wird für die Menschen, für die das Theater da ist. Wie sehr das gelingt, zeigt auch die erfreulich hohe Auslastung.
Das Programm umfasst jährlich fünf bis sechs Eigenproduktionen sowie unterschiedliche Gastspiele. Insgesamt finden pro Spielzeit etwa 100 bis 120 Vorstellungen statt. Mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler erhalten dabei regelmäßig Engagements. Pläne für Produktionen hat Leni viele, doch diese können erst umgesetzt werden, wenn die Finanzierung gesichert ist. Auch ein Stück über die aktuelle Situation in der Stadt und die damit verbundene Stimmung würde sie gern schreiben. Ihr großer Wunsch ist es, Einzelsponsoren zu finden, die eine Eigenproduktion finanzieren und damit die Umsetzung ermöglichen.Spenden an das Altstadttheater sind steuerlich absetzbar, da es als gemeinnütziger Verein anerkannt ist.
Foto: Leni Brem
