Eröffnung des Marita-Beissel-Hauses der Johanniter
Wo früher Gäste im traditionsreichen Wirtshaus „Zum Jagdschloss“ einkehrten, ist nun ein Ort entstanden, an dem Menschen Unterstützung, Orientierung und Gemeinschaft finden sollen. Mit der Eröffnung des Marita-Beissel-Hauses haben die Johanniter-Unfall-Hilfe zusammen mit der Eigentümerfamilie Mittl einem altehrwürdigen Gebäude in Ingolstadt-Ringsee eine neue Bestimmung gegeben. Nach mehreren Monaten Umbau präsentiert sich die ehemalige Gaststätte heute als modernes Begegnungs-, Lern- und Hilfezentrum.

Zur offiziellen Eröffnung begrüßten die Vorstände des Regionalverbands Oberbayern, Ulrich-Joachim Müller und Alexandra Reinhardt, zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der Blaulichtfamilie. Die neue Dienststelle soll ihrem Namen gerecht werden: Menschen dienen, sie begleiten und in unterschiedlichsten Lebenslagen unterstützen.


Das neue Haus ist dabei, so Müller, weit mehr als ein Kurs- oder Schulungsstandort. Vielmehr entsteht hier ein zentraler Anlaufpunkt für Familien, Seniorinnen und Senioren, Kinder, Jugendliche und Menschen, die vor persönlichen oder sozialen Herausforderungen stehen. Das Stammhaus der Einrichtung befindet sich im Landkreis Weilheim-Schongau, mit der neuen Außenstelle schlagen die Johanniter nun ein weiteres Kapitel in der Region Ingolstadt auf.Die Erwartungen an den neuen Standort sind groß. Gleichzeitig stehen die Verantwortlichen vor einer Herausforderung: Viele Menschen verbinden die Johanniter noch immer in erster Linie mit Rettungsdienst, Krankentransport oder Erste-Hilfe-Kursen.
Mehr als Rettungswagen und Erste Hilfe
„Aus Liebe zum Leben“
Dass das Spektrum inzwischen deutlich breiter geworden ist, dürfte selbst manchen Besucher der Eröffnungsfeier überrascht haben. Genau hier setzt das neue Haus an. Es soll Angebote bündeln, Wege verkürzen und Menschen zusammenbringen. Ob Beratung, Betreuung oder konkrete Hilfestellung – die neue Einrichtung versteht sich als offenes Haus für die Region. Wie vielfältig die Arbeit der Johanniter inzwischen geworden ist, zeigt ein Blick auf die zahlreichen Angebote, die künftig auch von Ringsee aus koordiniert werden. Ziel ist es, bestehende Hilfen leichter zugänglich zu machen und Menschen möglichst frühzeitig die passende Unterstützung zu vermitteln. Gleichzeitig soll das Haus Raum für Begegnungen schaffen und unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen miteinander in Kontakt bringen.
Zwar gehören Rettungsdienst und Krankentransporte weiterhin zum Kerngeschäft der Johanniter, doch längst hat sich die Organisation zu einem breit aufgestellten sozialen Dienstleister entwickelt. In Oberbayern engagieren sich dafür rund 500 Ehrenamtliche gemeinsam mit hauptamtlichen Mitarbeitenden. Sie tragen dazu bei, dass Hilfsangebote in unterschiedlichsten Bereichen zuverlässig und wohnortnah bereitgestellt werden können. Ihr Einsatz bildet eine wichtige Grundlage dafür, dass die Johanniter ihr Angebot kontinuierlich weiterentwickeln und auf gesellschaftliche Anforderungen reagieren können.
Mit der Eröffnung des neuen Marita-Beissel-Hauses wird deutlich, wie vielfältig das Angebot inzwischen ist. Neben den bekannten klassischen Aufgaben reichen die Leistungen von Pflege- und Seniorenangeboten über Kinder- und Jugendhilfe bis hin zur offenen Ganztagsbetreuung und Kindertagesstätten. Auch Schulungen in Brandschutz, Gewaltprävention oder Deeskalation gehören mittlerweile dazu.
Besonderes Interesse dürfte das Angebot des Hausnotrufs wecken. Während die Basisversion Sicherheit in den eigenen vier Wänden über den Festnetzanschluss des Telefons oder eine SIM-Karte bietet, funktioniert die Komfortvariante deutschlandweit. Hilfe kann damit auch unterwegs per Knopfdruck angefordert werden – ein Plus an Sicherheit und Selbstständigkeit, gerade für ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit werden die Kosten der Grundleistung übernommen.


„Es macht sich ein Gefühl breit, dass es gut ist“
So beschrieb Vorstand Ulrich-Joachim Müller bei der Eröffnung die Stimmung rund um das neue Haus. Dahinter steht mehr als ein neues Gebäude. Es geht um den Anspruch, Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen zu begleiten und zu stärken.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden. Werdende Mütter sowie Mütter mit kleinen Kindern erhalten feste Ansprechpartner, die sie im Alltag begleiten, beraten und bei Erziehungsfragen unterstützen. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Prinzip: Selbstvertrauen stärken, Eigenständigkeit fördern und Familien langfristig stabilisieren.
Auch Kinder und Jugendliche sollen in der Einrichtung nicht nur Betreuung finden, sondern auch Orientierung, Geborgenheit und verlässliche Bezugspersonen. Ziel ist es, junge Menschen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit und Verantwortung zu begleiten.
Kommentar
Und wer kümmert sich morgen?
Auch an weiteren Angeboten der Johanniter, wie der Trauerbegleitung „Lacrima“ bei einem Verlust eines Elternteils oder eines Geschwisters wird deutlich, wie wichtig soziale Unterstützung jenseits von Rettungsdienst und Notfallhilfe geworden ist. Kinder und Jugendliche, die einen nahestehenden Menschen verlieren, benötigen oft professionelle Begleitung – ein Angebot, das für betroffene Familien von großem Wert sein kann.
Mit der Eröffnung wirft der neue Standort in Ringsee aber auch grundlegende Fragen auf. Wie lassen sich solche Hilfen langfristig finanzieren? Wird es auch künftig genügend Ehrenamtliche geben, die soziale Arbeit mittragen? Und wer übernimmt die wachsenden Aufgaben in Pflege und Betreuung, wenn schon heute vielerorts Fachkräfte fehlen?
Das Marita-Beissel-Haus liefert darauf keine fertigen Antworten. Es macht aber sichtbar, wie groß der Bedarf an Unterstützung geworden ist – und wie wichtig es sein wird, dafür auch künftig ausreichend Menschen und Ressourcen zu gewinnen.
Fotos: Hartmann Sabine
