Wenn Oldies Oldies auflegen bedeutet das für Viele – drei Stunden pures Glück

Hans und Gabi Mussnig sowie der DJ der Oldies für Oldies, Detlef Franke

Getreu dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ beschlossen vor 13 Jahren einige frischgebackene Ruheständler, ihren neuen Lebensabschnitt gemeinsam aktiv zu gestalten. Aus den unterschiedlichsten Unternehmungen, die sie einmal monatlich durchführten, entwickelte sich schon bald eine Idee, die bis heute Bestand hat: gemeinsam Musik hören, tanzen und gesellige Stunden verbringen.

Diese Idee ging in erster Linie von Jean-Pol Martin aus. Der 1943 in Paris geborene Pädagoge war zunächst Gymnasiallehrer für Französisch und Deutsch, bevor er von 1980 bis 2008 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt lehrte und dort zuletzt eine Professur inne hatte. In der Lehrerbildung hinterließ er bleibende Spuren. Vielen Pädagogen ist er bis heute als Begründer des Konzepts „Lernen durch Lehren“ bekannt, das international unter der Bezeichnung „Learning by Teaching“ Verbreitung fand.

Hans Mussnigs eigentliche Leidenschaft galt der Musik. Der 1946 geborene Kärntner war zwar gelernter Audi-Mitarbeiter und 33 Jahre lang in der Automobilindustrie tätig, doch besonders deutsche Schlager, italienische Lieder und Volksweisen hatten es ihm angetan. Mehr als vier Jahrzehnte trat Mussnig als Alleinunterhalter auf – in einem Gebiet, das von Bad Kissingen bis nach Österreich reichte. Mit seinem umfangreichen Repertoire sorgte er bei Hochzeiten, Faschingsveranstaltungen und vielen anderen Festen für Stimmung und begeisterte sein Publikum. So lag es nahe, dass er die musikalische Umsetzung der Idee gerne übernahm. 

Beide Initiatoren waren es gewohnt, nicht lange zu reden, sondern anzupacken. So wurde die Idee, Musik und Tanz anzubieten, kurzerhand umgesetzt – zunächst noch ganz bescheiden im Neuburger Kasten: mit einem Laptop, einem kleinen Verstärker und einer überschaubaren Gruppe von Teilnehmenden.

Doch Jean-Pol Martin, temperamentvoll wie eh und je, wollte bald mehr: mehr Schwung, mehr Energie und daher auch etwas weniger „Schnulzen“. Zwar freuten sich die Besucherinnen und Besucher bereits damals über das neue Angebot, doch da war noch Luft nach oben. Also machte sich Jean-Pol kurzerhand auf Facebook auf die Suche und veröffentlichte den Aufruf: „Discjockey für Oldies gesucht.“

Detlef Franke (Jahrgang 1951), geboren in Berlin, musste nicht lange überlegen, als die Anfrage an ihn herangetragen wurde. Viele Jahre hatte er bei Radio IN als Moderator gearbeitet, unter anderem mit dem Schwerpunkt Oldies, bevor er – wie er selbst sagt – seinen Platz für Jüngere räumte und anschließend 15 Jahre als Gruppenleiter bei der Lebenshilfe tätig war. 

Detlef meldete sich sofort. Nach einem kurzen Abstimmungsgespräch stand er bereits bei der nächsten Veranstaltung mit seiner Musikanlage im Diagonal, wohin die Gruppe inzwischen vom Neuburger Kasten umgezogen war.

Detlef brachte nicht nur moderne Technik mit, sondern auch seinen musikalischen Schatz: Rund 10.000 Songs aus seiner Radiozeit lagern bei ihm zu Hause. Stolz sagt er, dass es wohl kaum einen Hit aus den 50er- und 60er-Jahren gibt, der nicht Teil seiner Sammlung ist. Entsprechend kann der Oldie-Fan bei jeder Veranstaltung aus dem Vollen schöpfen – und das tut er mit großer Begeisterung.

Auch privat engagiert sich Detlef mit Herzblut: Der Hundebesitzer und -liebhaber unterstützt die internationale Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ und setzt sich besonders dafür ein, Hunden eine zweite Chance und ein neues Zuhause zu ermöglichen.

Manche Besucher nehmen sogar längere Weg in Kauf.

Sein Programm ist so bunt wie das Publikum: Walzer, Medleys, Beatles oder Rolling Stones – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Anfangs kamen deutlich mehr Frauen als Männer. Deshalb war vor allem Musik willkommen, zu der man auch allein tanzen konnte. Inzwischen sind viele Männer hinzugekommen. Heute wird getanzt, wie es gefällt: allein oder zu zweit. Inzwischen gehört auch regelmäßig eine Line-Dance-Einlage dazu – Hauptsache, die Freude an Musik und Bewegung steht im Mittelpunkt.  

Wie gut das Konzept ankommt, zeigt sich längst nicht mehr nur in Ingolstadt. Manche Besucher nehmen regelmäßig weite Anfahrtswege in Kauf. Es kommen tatsächlich auch Paare zum Beispiel aus Landshut, Freising oder Kelheim, nur um gemeinsam das Tanzbein zu schwingen.

Der Zuspruch ist inzwischen so groß, dass man problemlos für doppelt so viele Gäste auflegen könnte. Es kann auch schon mal passieren, dass nicht alle Besucher im Diagonal Platz finden. Dorthin waren die aktiven Silver Ager dank des freundlichen Entgegenkommens des damaligen Wirts Reinhard Digo Norbertus mit ihrer Veranstaltung inzwischen umgezogen. Das Lokal bot und bietet bis heute die passende Atmosphäre.

Seit inzwischen 13 Jahren heißt es dort an jedem ersten Sonntag im Monat von 16 bis 19 Uhr: „Oldies für Oldies“. Die Veranstaltungsreihe ist aus dem kulturellen Leben Ingolstadts kaum noch wegzudenken und steht mittlerweile unter der Schirmherrschaft des Kulturreferats.

Die drei Organisatoren, die zudem tatkräftig von Hans Ehefrau Gabi unterstützt werden, haben gemeinsam verschiedene Krisen gemeistert – darunter die Corona-Pandemie, die zu einer längeren Unterbrechung zwang, ebenso wie den Wechsel der Wirtsleute. Ihr Zusammenhalt ist ungebrochen.

In einem Alter, in dem sich viele längst ins Private zurückziehen, denken diese Senioren nicht ans Aufhören. Sie wissen, dass sie sich aufeinander verlassen können, und stehen zuverlässig füreinander ein – selbst dann, wenn es einem von ihnen einmal gesundheitlich nicht ganz so gut geht.Und so hoffen sie, noch viele Jahre, solange es ihre Kräfte und ihre Gesundheit erlauben, weiterhin mit großem Engagement und ansteckender Begeisterung zu ihren beliebten „Oldies für Oldies“-Nachmittagen einladen zu können. 

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