CSU – Offener Brief an Oberbürgermeister Dr. Michael Kern

Ingolstadt darf nicht vom Fernverkehr abgehängt werden

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Kern,

mit großer Sorge verfolgen wir Berichte über mögliche Veränderungen im deutschen Fernverkehr, die erhebliche Auswirkungen auf den Standort Ingolstadt haben könnten. Nach einer Analyse der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) drohen mehreren Städten Einschränkungen bei der Anbindung an den Fernverkehr, sollte die Deutsche Bahn durch die Vergabe besonders profitabler Strecken an private Wettbewerber wirtschaftlich weiter unter Druck geraten. Zu den betroffenen Bahnhöfen zählt nach dieser Analyse auch Ingolstadt. Der Bahnhof verfügt derzeit über rund 50 tägliche ICE- und IC-Halte. Für unsere Stadt ist ein Verlust von Fernverkehrsverbindungen nicht nur inakzeptabel, sondern auch schädlich.

Die starke ICE-Anbindung Ingolstadts ist das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Arbeit. Generationen von Verantwortungsträgern haben sich dafür eingesetzt, dass Ingolstadt an das deutsche Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen wird und von dessen Vorteilen profitiert. Stellvertretend stehen hierfür Ministerpräsident a.D. Horst Seehofer, der frühere Innenstaatssekretär Hermann Regensburger, Alt-Oberbürgermeister Peter Schnell sowie der Bundestagsabgeordnete Dr. Reinhard Brandl, der sich aktuell sogar für zusätzliche ICE-Halte in Ingolstadt einsetzt.

„Wer Ingolstadt beim ICE abhängt, hängt einen der stärksten Wirtschaftsstandorte Bayerns ab. Das werden wir nicht akzeptieren“, so Christopher Hofmann, Fraktionsvorsitzender der CSU, „Ingolstadt ist Heimat international erfolgreicher Unternehmen, ein bedeutender Wissenschafts- und Hochschulstandort sowie Wohn- und Arbeitsort für zehntausende Pendler. Die schnelle Anbindung an München, Nürnberg, Berlin, Hamburg oder Frankfurt ist kein Luxus, sondern ein entscheidender Standortfaktor für die wirtschaftliche Zukunft unserer Region. Besonders kritisch sehen wir die Gefahr, dass private Anbieter künftig vor allem die wirtschaftlich attraktivsten Strecken bedienen, während die Deutsche Bahn die Verantwortung für das Gesamtsystem trägt. Ein solcher Wettbewerb darf nicht dazu führen, dass mittelgroße Städte und Regionen an Bedeutung verlieren.“

Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen geht es auch um die strategische Bedeutung der Schiene für Deutschland. Die Deutsche Bahn ist Teil der kritischen Infrastruktur unseres Landes. Gerade in Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen muss das Ziel sein, die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs zu stärken und nicht weiter zu schwächen.

Auch der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel unterstreicht die Bedeutung der Anbindung für unsere Stadt:

„Die ICE-Anbindung ist kein Luxus, sondern ein zentraler Standortfaktor für Wirtschaft, Wissenschaft und Arbeitsplätze in unserer Stadt.“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir regen an, sowohl den Bundesminister für Verkehr als auch den Bayerischen Staatsminister für Wohnen, Bau & Verkehr anzuschreiben und auf die besondere Bedeutung der Fernverkehrsanbindung Ingolstadts hinzuweisen. 

Darüber hinaus bitten wir Sie, sich in dieser Angelegenheit eng mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Reinhard Brandl sowie dem Landtagsabgeordneten Alfred Grob abzustimmen und diese ebenfalls einzubinden. Gerade weil Dr. Reinhard Brandl sich seit Jahren für eine Stärkung der Fernverkehrsanbindung Ingolstadts einsetzt und Alfred Grob zu dieser Thematik bereits erste Gespräche und Abstimmungen mit dem Bayerischen Verkehrsminister geführt hat, muss Ingolstadt nun mit einer gemeinsamen Stimme auf kommunaler, Landes- und Bundesebene auftreten.

Ingolstadt darf nicht abgehängt werden, weil ein italienisches Unternehmen die Filetstücke des deutschen Fernverkehrs bedienen möchte. Wer von den wirtschaftlich attraktivsten Strecken profitieren will, muss auch Verantwortung für das Gesamtsystem übernehmen. Wir bitten Sie daher eindringlich, gegenüber Bund, Freistaat und Deutscher Bahn ein klares Zeichen für den Erhalt und die weitere Stärkung der Fernverkehrsanbindung Ingolstadts zu setzen. Die ICE-Anbindung unserer Stadt ist ein zentraler Standortfaktor und darf nicht zur Disposition stehen.

Für die CSU-Fraktion gez. Christopher Hofmann Fraktionsvorsitzender

Pressestelle CSU Stadtratsfraktion Ingolstadt

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