Eine Festung wird lebendig

Tag der offenen Schanz lockt Besucherströme an die Stationen des Fördervereins Bayerische Landesfestung

Noch bevor die letzten Vorbereitungen abgeschlossen waren, standen am Fort Prinz Karl bereits die ersten Besucher vor dem Tor.

Während die Ehrenamtlichen des Fördervereins Bayerische Landesfestung noch Wege absicherten, Hinweisschilder aufstellten und letzte organisatorische Arbeiten erledigten, warteten bereits zahlreiche Interessierte auf Einlass. Die erste Besuchergruppe wurde deshalb früher als geplant durch das Fort geführt. Aus den ersten Wartenden wurde im Laufe des Tages ein regelrechter Besucheransturm.

An nahezu allen vom Förderverein betreuten Stationen herrschte reger Betrieb. Besonders groß war das Interesse am Scherbelberg-Bunker. Zeitweise reichten die Warteschlangen bis hinunter zum Parkplatz am Hallenbad. Viele Besucher nahmen Wartezeiten von bis zu einer Stunde in Kauf, um einen Blick in die sonst verschlossene Anlage werfen zu können. Nach vorsichtigen Schätzungen besuchten zwischen 600 und 700 Menschen den Bunker. Die tatsächliche Zahl dürfte aufgrund des anhaltenden Andrangs deutlich höher gelegen haben.

Auch das Fort Prinz Karl zog zahlreiche Besucher an. Das einzige vollständig erhaltene und nicht gesprengte Fort der Landesfestung bot vielen Gästen die seltene Gelegenheit, ein Stück Ingolstädter Festungsgeschichte aus nächster Nähe zu erleben. Allein hier wurden rund 330 Besucher gezählt, wobei die tatsächliche Zahl leicht höher gelegen haben dürfte

Großen Zuspruch erfuhren zudem die Fronte Rechberg, die Flankenbatterie 92 sowie die historische Brückenpoterne am Scheiner-Gymnasium. Gerade an der Fronte Rechberg lässt sich die tatsächliche Besucherzahl nur schwer erfassen, da der Bereich über den gesamten Tag hinweg zugänglich war und verschiedene Führungen sowie Teilführungen angeboten wurden.

Auch die Kugelbastei weckte großes Interesse. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, die historischen Kasematten zu besichtigen. Die von Georg Stern im Jahr 1565 errichtete Anlage zählt zu den ältesten erhaltenen Teilen der Festung. Für viele Ingolstädter war der Besuch zugleich eine Reise in die eigene Erinnerung, da sich dort einst die bekannte Diskothek Wonderland befand.

Wer an diesem Tag die Warteschlangen am Scherbelberg-Bunker, die gut besuchten Führungen im Fort Prinz Karl oder die zahlreichen Gäste an den übrigen Stationen erlebte, musste nicht auf genaue Zahlen warten, um den Erfolg der Veranstaltung zu erkennen.

Beeindruckend waren dabei nicht nur die Besucherzahlen, sondern vor allem die Neugier der Gäste. Die Fragen drehten sich um die Entstehung der Festung, ihre militärische Bedeutung und die bauliche Entwicklung der Anlagen. Besonders häufig interessierten sich die Besucher jedoch für die Menschen, die einst hinter den Mauern lebten und ihren Dienst verrichteten.

Wie sah ihr Alltag aus? Unter welchen Bedingungen waren die Soldaten untergebracht? Wie verlief das Leben in einem Fort? Solche Fragen beschäftigten viele Besucher und prägten zahlreiche Gespräche während der Führungen.

Gerade im Fort Prinz Karl zeigte sich, wie groß das Interesse an den persönlichen Schicksalen der Menschen von damals ist. Die Besucher wollten nicht nur die Bauwerke sehen, sondern auch die Geschichten dahinter kennenlernen.

Für den Vorsitzenden des Fördervereins Bayerische Landesfestung, Maximilian Schuster, war dies die wichtigste Erkenntnis des Tages.

„Wir wurden an allen von uns betreuten Stationen regelrecht überrannt. Das zeigt uns, dass die Menschen Geschichte erleben wollen. Sie möchten die Orte sehen, an denen sie stattgefunden hat, und verstehen, wie die Menschen damals gelebt haben.“

Dass die Begeisterung für die Festung generationenübergreifend ist, zeigte sich auch am Fort Prinz Karl. Dort unterstützte Paula, das jüngste Mitglied des Fördervereins, die Ehrenamtlichen mit großer Freude und erlebte den Besucherandrang hautnah mit.

Der Tag der offenen Schanz bot darüber hinaus zahlreiche weitere Stationen und Angebote im gesamten Stadtgebiet. Der Förderverein Bayerische Landesfestung betreute dabei mehrere zentrale Anlagen, an denen der große Andrang besonders deutlich spürbar war.

Als sich die Helfer nach 18 Uhr in der Wasserrose trafen, um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen, kehrte langsam Ruhe ein. Zwischen den historischen Festungsmauern, mitten im Grünen Gürtel der Stadt, wurde über Erlebnisse, Begegnungen und die vielen interessierten Gespräche des Tages gesprochen.

Die Beine waren müde, die Stimmen teilweise etwas rau. Doch an den Tischen überwog vor allem eines: Begeisterung.

Begeisterung über die enorme Resonanz. Begeisterung über die vielen neugierigen Fragen. Begeisterung darüber, dass sich Menschen jeden Alters für die Geschichte ihrer Stadt interessieren.

Der Tag der offenen Schanz hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Festung weit mehr ist als ein historisches Bauwerk. Sie ist ein Ort voller Geschichten.

Und diese Geschichten wollen die Menschen hören, erleben und verstehen.

Für die Ehrenamtlichen des Fördervereins Bayerische Landesfestung steht deshalb schon jetzt fest: Die Vorfreude auf den nächsten Tag der offenen Schanz ist groß.

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