Tausende Handelsbeschäftigte zum Streik aufgerufen
Nach dem enttäuschenden Auftakt der Tarifverhandlungen im bayerischen Handel ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Beschäftigte aus über 130 Betrieben am Donnerstag, den 21.05.2026 zum Streik auf. Betroffen sind Betriebe in allen Regierungsbezirken. Aufgerufen werden Beschäftigte aus ausgewählten Betrieben der Unternehmen Alliance Healthcare, Amazon, Edeka, eurotrade Flughafen, H&M, Ikea, Kaufland, Lidl, Marktkauf, MediaMarkt, Metro, netto, Norma, Rewe, Penny, Selgros, Sonepar, Stahlgruber, V-Markt und Zara. Die Streikenden treffen sich zu einer zentralen Kundgebung in Nürnberg.
Seit April werden eigenständige Tarifverhandlungen in Bayern für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel, im Groß- und Außenhandel und im genossenschaftlichen Großhandel geführt. In allen drei Tarifgebieten lehnten die Arbeitgeber die Forderungen nach mehr Entgelt ab und unterließen es dabei, ein eigenes Angebot zur Entgelterhöhung vorzulegen.
„Das Verhalten der Arbeitgeber ist unverschämt. Egal ob bei Mieten, Lebensmitteln, Energiekosten oder Mobilitätskosten, überall sind in den letzten Jahren die Preise explodiert, nicht zuletzt durch die aktuellen Krisen. Die immer weiter steigenden Umsätze und hohen Gewinne bei den Konzernen, werden vielfach durch massive Preiserhöhungen erzielt. Für die Beschäftigten eine dramatische Entwicklung, die mittlerweile existenzbedrohend ist. Das Verhalten der Arbeitgeber zeigt, dass jeder Euro erkämpft werden muss,“ erklärt Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Einzelhandel, Groß- und Außenhandel sowie im genossenschaftlichen Großhandel.
„Der überwiegende Teil der Beschäftigten im bayerischen Handel ist akut von Altersarmut bedroht. Beschäftigte mit niedrigen Einkommen sind von den drastischen Preissteigerungen, die die Handelskonzerne teilweise selbst herbeigeführt haben, besonders betroffen. Viele Beschäftigte sind in einer existenziellen Krise und wissen nicht mehr, wovon sie die notwendigen Ausgaben bezahlen sollen,“ ergänzt Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Großhandel.
Die Streikenden reisen mit über 45 Bussen zu einer zentralen Streikkundgebung nach Nürnberg an, wo auch Silke Zimmer, ver.di Bundesvorstandsmitglied und die ver.di Landesbezirksleiterin Luise Klemens sprechen werden. Die Streikkundgebung be ginnt um 11:00 Uhr und endet um ca. 12.00 Uhr. Ab 12 Uhr wird es einen Demonstrationszug mit den Streikenden durch die Nürnberger Innenstadt geben.
Internetadresse: www.handel.bayern.verdi.de
Durch die Streikaktionen kann es zu Einschränkungen im Service, in der Mail: thomas.guerlebeck@verdi.de Belieferung und der Warenbereitstellung der genannten Unternehmenkommen. ver.di bittet die Kundinnen und Kunden schon jetzt um ihr Verständnis. Ziel der Aktionen sind die Arbeitgeber und nicht die Kundinnen und Kunden.
Hintergrundinformation:
ver.di fordert für die Beschäftigten im bayerischen Einzel- und Versandhandel:
• Erhöhung der Löhne und Gehälter um 222 €
• Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 150€ pro Monat
• Erhöhung der Löhne und Gehälter der unteren Beschäftigtengruppen auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 € in der Stunde.
• Laufzeit der Tarifverträge soll 12 Monate betragen
ver.di fordert für die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Aussenhandel:
• Tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte um 7 %
• Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 150 €
• Die Laufzeit der Tarifverträge muss 12 Monate betragen
Untermauert wurden diese Forderungen durch eine breite Beschäftigtenbefragung, an der sich knapp 4.000 Kolleginnen und Kollegen aus dem bayerischen Einzelhandel und dem bayerischen Groß- und Außenhandel beteiligten. Dort geben 73 % der Befragten aus dem Einzelhandel an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Groß- und Außenhandel liegt der Anteil bei 70%. 88 % im Einzel- und 86% im Großhandel schätzen ein, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt.
Die Tarifverhandlungen im Großhandel werden am 22.05.2026, im genossenschaftlichen Großhandel am 01.07.2026 und im Einzelhandel am 16.06.2026 fortgesetzt.
Pressestelle ver.di Ingolstadt
