Mit dem Motto „Out of the Box“ hätte die Kunst und Kultur Bastei ihr 20-jähriges Jubiläum kaum treffender beschreiben können. Der anerkannte Träger offener Jugendarbeit steht seit zwei Jahrzehnten für unkonventionelles Denken, kreative Freiheit und den Mut, gewohnte Perspektiven zu verlassen. Entsprechend groß war der Andrang bei der Jubiläumsveranstaltung in der Harderbastei, die schier aus allen Nähten zu platzen schien.
Die Feier wurde zu einer eindrucksvollen Leistungsschau dessen, was der gemeinnützige Verein in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hat. Neben Bildender Kunst und Schneiderei spielt insbesondere die Musik eine wichtige Rolle. Aus der Straßenmusikgruppe „Stromlos“ entstand 2016 die Stromlos-Bigband, aus deren Reihen inzwischen mehrere Jazzförderpreisträger hervorgegangen sind. Nicht wenige sehen darin auch einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich Ingolstadt zunehmend als Jazzstadt etabliert hat.
Zur Jubiläumsfeier kamen nicht nur Kulturliebhaber, sondern vor allem viele Jugendliche und junge Erwachsene, die einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in der Kunst und Kultur Bastei verbracht hatten. Viele von ihnen erinnerten sich an unzählige Stunden voller Kreativität, Gemeinschaft und persönlicher Entwicklung – sei es in Kunstprojekten, der Schneiderei oder in der Musik. Für viele war die Einrichtung weit mehr als ein Kursangebot: Sie wurde zu einem sozialen Raum, in dem man lernen, ausprobieren und wachsen konnte.
Begonnen hatte alles vergleichsweise bescheiden. Nachdem Beate Diaos Vater seine Garage zu einem Kunstraum umgebaut hatte, entstanden dort die ersten Kurse für Kinder. Unterstützt von ihrer Familie entwickelte Diao daraus Schritt für Schritt die „Kunst und Kultur Garage“. Mit wachsendem Interesse zog das Projekt schließlich in größere Räume in die Harderbastei um. Im Laufe der Jahre kamen neue Bereiche wie Stelzenlauf, Chorgesang, Medienarbeit und Jazzmusik hinzu.
Der ehemalige Kulturreferent Gabriel Engert erinnerte in seiner Laudatio an die frühen Jahre der Zusammenarbeit. Vielen sei heute gar nicht mehr bewusst, dass die Kinder der Kunst und Kultur Garage gemeinsam mit dem Stadtmuseum unter anderem das Wappentier „Schanzi“ sowie den ersten Kulturkinderführer der Stadt entwickelten. Das Projekt wuchs schnell, sodass bald ein Umzug in größere Räume der Harderbastei nötig wurde. Im Laufe der Jahre kamen zahlreiche neue Bereiche hinzu, darunter Stelzenlauf, Schneiderei, Medienarbeit, Chorgesang und Jazzmusik. Möglich wurde diese Entwicklung nicht nur durch die Unterstützung vieler Ehrenamtlicher, sondern auch durch die Stadt.
Engert erinnerte sich auch an die ersten Begegnungen mit Beate Diao, die anfangs nicht ganz ohne Reibungen verliefen. Doch durch ihre „unglaublich überzeugende Arbeit“ sei es ihr gelungen, ihn nicht nur zu überzeugen, sondern „wirklich zu begeistern“.
In seiner Rede erinnerte er zudem an zahlreiche Projekte, die gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen entstanden waren: von „Galaktisch“ über den passenden Rahmen für die viertägige „Herr der Ringe“-Lesung während der Literaturtage bis hin zur Schwarz-Weiß-Ausstellung „Farblos“. Immer wieder habe die Kunst und Kultur Bastei niedrigschwellige Projekte geschaffen, die Kinder und Jugendliche unmittelbar erreichten. Die Erwähnung der genannten Projekte wurden vom Publikum mit immer wieder mit spontanem Jubel und langem Applaus quittiert – eine beeindruckende Demonstration der Erinnerung an eine wunderbare, prägende Zeit.
Überschattet wurde die Jubiläumsfeier allerdings von der Sorge um die Zukunft des Vereins. Die drastischen Kürzungen der städtischen Zuschüsse hingen während des gesamten Abends wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung. Immer wieder flossen Tränen – aus Trauer und Sorge darüber, dass ein über Jahrzehnte gewachsener Verein, der so vielen Menschen am Herzen liegt und mit großem Herzblut aufgebaut wurde, plötzlich vor dem gefürchteten Aus stehen könnte.
Trotz dieser schweren Gedanken hieß es schließlich: Bühne frei für eine beeindruckende und fantasievolle Modeschau. Alle Modelle waren aus Papier und Pappe gefertigt, wurden von den jungen Menschen stolz präsentiert und vom Publikum mit tosendem Applaus gefeiert. Anschließend ließ man es sich nicht nehmen, bei der Musik der Stromlos-Bigband bis tief in den Abend hinein Kunst und Kultur gebührend zu feiern. (HaGa)

























