La Cage aux Folles – Glitzer mit Tiefgang 

„Ein Käfig voller Narren“ ist die deutsche Fassung von „La Cage aux Folles“ beziehungsweise des gleichnamigen Theaterstücks und Musicals. Die Geschichte stammt ursprünglich vom französischen Autor Jean Poiret.

Bekannt wurde der Stoff vor allem durch die französisch-italienische Verfilmung von 1978 und das amerikanische Remake „The Birdcage“ von 1996 mit Robin Williams, Nathan Lane und Gene Hackman. Im Zentrum stehen zwei Männer, die seit vielen Jahren ein Paar sind: Georges, Besitzer eines Nachtclubs in Saint-Tropez, und Albin, der dort als extravagante Drag-Künstlerin „Zaza“ auftritt. Die Handlung gerät ins Chaos, als Georges’ Sohn ankündigt, die Tochter eines ultrakonservativen Politikers heiraten zu wollen. Um beim Besuch der künftigen Schwiegereltern einen „anständigen“ Eindruck zu machen, versuchen die beiden, ihre Lebensrealität zu verstecken – was natürlich grandios und äußerst unterhaltsam scheitert.

Bedeutsam ist der Stoff vor allem deshalb, weil das homosexuelle Paar nicht tragisch oder kriminell gezeichnet wird. In den 1970er-Jahren war das keineswegs selbstverständlich, sondern gerade in konservativen Kreisen durchaus ein Wagnis. Berühmt und bis heute berührend ist vor allem Albins Song „I Am What I Am“ – ein selbstbewusster Appell an Toleranz, Würde und das Recht, die eigene Identität offen zu leben 

Nun hat man in Ingolstadt aktuell die Gelegenheit, das Gastspiel aus Detmold zu erleben. Neben der Freude an der farbenfrohen, lebensprühenden Inszenierung ist vor allem die liebevolle Beziehung des in die Jahre gekommenen Paares Georges und Albin schön herausgearbeitet. Albin, der schillernde Star „Zaza“ auf der Bühne, kämpft privat mit der Angst vor Alter und Einsamkeit. Diese Angst wird noch verstärkt, als Georges möchte, dass Albin während des Besuchs der erzkonservativen künftigen Schwiegereltern seines Sohnes verschwindet. Für die „Ziehmama“ ist das eine tiefe Kränkung.

Im Laufe der Geschichte wird nicht nur Georges, sondern auch dem Ziehsohn bewusst, wie sehr sie Albin verletzt und was sie ihm zugemutet haben. Gerade diese Erkenntnis und die damit verbundene Reue machen den emotionalen Kern der Aufführung aus: Die jahrzehntelang gewachsene, liebevolle Beziehung dieser besonderen Familie wird nicht zerstört, sondern am Ende geheilt und vertieft.

Eine sehr gelungene Aufführung, die nicht nur das Auge erfreut, sondern dank grandioser Sänger und Schauspieler sowie eines starken Orchesters einen rundum unterhaltsamen Abend garantiert.

„La Cage aux Folles“ ist noch bis Donnerstag im Stadttheater zu sehen.

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