Tränen, Unverständnis und offene Fragen – Abschied von einem wichtigen Stück Stadtleben.
Das Hoffen und Bangen um die Ingolstädter Altstadtkinos fand leider kein gutes Ende. Am Mittwoch, 29. April, fand die letzte Vorstellung statt — und ich ließ es mir nicht nehmen, dieser beizuwohnen.
Der letzte gezeigte Film, „Vier minus drei“, ist zweifellos sehr bewegend. Doch was danach geschah, hatte nichts mehr mit dem Film allein zu tun: Einige der Anwesenden ließen ihrer Trauer und ihren Tränen freien Lauf, manche brachen sogar in Schluchzen aus.

Für eine Besucherin waren die Altstadtkinos im Laufe der Jahre zu einer Art Familie geworden. Sie verband mit ihren Kinobesuchen viele Erinnerungen — nicht nur an Filme, sondern auch an zwischenmenschliche Begegnungen, besonders mit dem Personal, bei dem sie sich mit einem kleinen Geschenk bedankte und verabschiedete. Eine andere Dame erzählte, dass sie ihre Besuche in ihrer Heimatstadt Ingolstadt tatsächlich jede Woche mit einem Besuch der Altstadtkinos verbunden habe. In ihrer jetzigen Heimat Dillingen gebe es ein solch besonderes Kinoprogramm leider nicht.
Es herrschte großes Unverständnis darüber, dass es nicht gelungen ist, die Altstadtkinos zu erhalten. Auch in den sozialen Medien wird dies überwiegend so gesehen. Denn gerade kleine oder programmatisch arbeitende Kinos leisten wichtige Kulturarbeit. Sie zeigen nicht nur Blockbuster, sondern auch Dokumentarfilme, europäische Produktionen, Kinder- und Jugendfilme, Filmklassiker oder Filme aus anderen Ländern. Damit tragen sie zur kulturellen Bildung bei und bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst, Debatte und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
Kinos machen Gesellschaft für ein paar Stunden im selben Raum erfahrbar. Gerade in Krisenzeiten — in denen sich Ingolstadt fraglos befindet — sind sie ein wichtiger gesellschaftspolitischer Kitt, auf den man keinesfalls leichtfertig verzichten sollte. (HaGa)
Fotos: HaGa
