Rotary setzt ein Zeichen für den Stellenwert von Kultur in der Stadtgesellschaft
Der Hintergrund für den neuen Rotary-Kulturpreises ist unerquicklich: Die Stadt Ingolstadt steckt in einer schweren Haushaltskrise und spart ausgerechnet dort, wo Einschnitte vergleichsweise wenig bringen, aber enorme Schäden anrichten können – im Kulturbereich. Für freie kulturelle Einrichtungen sind die Kürzungen mitunter existenzbedrohend. Besonders, da manche Vereine bereits im Vorjahr Kürzungen ihrer städtischen Zuschüsse von bis zu 60 Prozenthinnehmen mussten. Was im Haushalt als Einsparung erscheint, bedeutet für manche gewachsene kulturelle Strukturen Überlebenskampf. Betroffen sind oft Vereine, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden und heute unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens in Ingolstadt sind.
Deswegen hat der Rotary Club Ingolstadt auf Initiative seiner Präsidentin Marianne Mang für zunächst drei Jahre einen Kulturpreis in Höhe von 5.000 Euro ausgelobt. Er soll gezielt Projekte der organisierten freien Kulturszene in Ingolstadt unterstützen. Der Preis richtet sich an kulturelle Einrichtungen und gemeinnützige Vereine. Dass der Bedarf groß ist, zeigte die Resonanz: Acht Kultureinrichtungen bewarben sich mit ihren Projekten.


Über die Vergabe entschied eine Expertenjury, der Kulturreferent Marc Grandmontagne, sein Vorgänger Gabriel Engert sowie Dr. Simone Schimpf als externes Mitglied angehörten. Ausschlaggebend waren nicht nur die künstlerische Qualität der Bewerbungen, sondern auch ihre gesellschaftliche Wirkung, ihre Bedeutung für das kulturelle Leben der Stadt und ihr Nutzen für die freie Szene.
Bei der ersten Preisverleihung am 16. März 2026 entschied sich die Jury für zwei Vereine, die beide aus bürgerschaftlichem Engagement hervorgegangen sind: das Altstadttheater Ingolstadt und den Kunstverein Ingolstadt. Beide erhielten jeweils 2.500 Euro. Gefördert werden damit zwei konkrete Vorhaben: Das Altstadttheater will trotz knapper Mittel auch 2026 wieder eine Open-Air-Produktion realisieren, der Kunstverein Ingolstadt seine im Vorjahr gestartete Sommerreihe „Albergo diffuso“ mit Ausstellungen an verschiedenen Orten fortsetzen.
Leni Brem-Keil, künstlerische und geschäftsführende Leiterin des Altstadttheaters, und Karin Derstroff, Vorsitzende des Kunstvereins Ingolstadt, bedankten sich mit persönlichen und zugleich hoffnungsvollen Worten für die Auszeichnung.
Der Rotary Club Ingolstadt wurde 1960 gegründet und engagiert sich seither in verschiedenen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Der Kulturpreis mag nur ein Pflaster auf eine große finanzielle Wunde sein. Doch er ist mehr als Symbolik: Er setzt ein klares Zeichen gegen den kulturpolitischen Kahlschlag und für die Einsicht, dass Kultur kein verzichtbarer Luxus ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil von Demokratie, Stadtgesellschaft und Zusammenhalt – und womöglich auch ein Weckruf an andere, hier ebenfalls Verantwortung zu übernehmen.
