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Auf Spurensuche jüdischen Lebens in Ingolstadt

Am 15. April luden die „Schutterhexen“ und die „Omas gegen Rechts“ ins Backstage ein, um gemeinsam mit Mike und Elisabeth Ross auf Spurensuche zu gehen. Dabei ging es um die Geschichte von Mike Ross’ Großeltern, Max Rosenbaum und seiner Ehefrau. Das Ehepaar war 1925 mit ihrem Sohn Martin von der Oberpfalz nach Ingolstadt gezogen. Max Rosenbaum war Kantor in der Synagoge in der Theresienstraße. Der Sohn Martin besuchte die Oberrealschule, das heutige Christoph-Scheiner-Gymnasium, und begann 1931 in Würzburg zu studieren. 1936 schloss er sein Medizinstudium ab und ging zur Promotion in die Schweiz.

Doch mit der zunehmenden politischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung unter dem Nationalsozialismus wurden seine Möglichkeiten immer weiter eingeschränkt. 1938 gelang ihm die Flucht in die USA. Nur zwei Monate nach seiner Ankunft nahm er eine Stelle in einem kleinen städtischen Krankenhaus auf, wo er als Arzt arbeitete. Ein Jahr später wechselte er in ein großes Privatkrankenhaus in Chicago und änderte seinen Namen in „Dr. Ross“.

Martin Ross kümmerte sich auch um die Flucht seiner Eltern und besorgte ihnen ein Visum für Kuba, damit auch sie Deutschland verlassen konnten. Doch als das Schiff „Die Hoffnung“ Kuba erreichte, war kein Land bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. Die Familie musste wieder umkehren.

Im November 1941 wurde das Ehepaar Rosenbaum nach Riga deportiert. Aufgrund der Überfüllung des Ghettos wurde der Transport jedoch nach Kowno (Kaunas) in Litauen umgeleitet. Dort, am 25. November 1941, wurden Max und seine Frau ermordet.

Martin Ross baute in den USA eine neue Familie auf und hielt dennoch immer wieder Kontakt zu seiner Heimatstadt Ingolstadt. Sein Sohn Mike befindet sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth aktuell auf Spurensuche nach seinen Großeltern und besuchte auch Ingolstadt. Zu diesem Anlass wurden Interessierte zur Spurensuche eingeladen. Der Auftakt begann mit dem bekannten Musikstück „Donna Donna“, während eine Namensliste an all die jüdischen Ingolstädter erinnerte, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Die „Schutterhexen“ begleiteten die Gedenkveranstaltung mit Klezmer-Musik aus der Band Easy Klezmer von Giora Feidmann. Da es für ihre spezielle Besetzung keine Notenliteratur gibt, arrangieren sie die Stücke selbst. Sie begleiteten mit den ausgewählten Musikstücken eine umfangreiche fotografische Dokumentation des Lebens der Familie Rosenbaum in Ingolstadt.

Der amerikanische Gast, Mike Ross, erinnerte an seinen Vater und beantwortete die Fragen der Zuhörenden. Die Veranstaltung fand ihren gemeinsamen Abschluss mit dem israelischen Volkslied Shalom chaverim. (HaGa)

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