Stadträtin Nadine Praun (SPD) im Interview
Die neue Stadträtin Nadine Praun ist 30 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines kleinen Mädchens; geboren wurde sie in München, kam aber schon im Alter von zwei Jahren nach Ingolstadt, wo sie Kindergarten und Schule besuchte und das Abitur machte (Gnadenthal). Sie spielte kurz mit dem Gedanken, Psychologie zu studieren, entschied sich dann aber Lehrerin für Deutsch, Geschichte und Politik und Gesellschaft zu werden. Heute unterrichtet sie in Ingolstadt.
Frau Praun, wie sind Sie zur Politik gekommen?
Nadine Praun: Ich hatte mich bereits sehr früh für Politik interessiert. Ausschlaggebend für meinen Eintritt in die SPD waren aber die rechtsradikalen Anschläge im Herbst 2019 und Frühjahr 2020 in Halle und Hanau. Da habe ich mir gesagt: Jetzt musst Du etwas tun.
Warum gerade die SPD?
Ich hatte schon im Studium losen Kontakt zu den Jusos. Aber ich war auch auf Veranstaltungen anderer Parteien und habe die Grundsatzprogramme gelesen. Als Geschichtslehrerin hat mir die Geschichte der SPD imponiert – beispielsweise Willy Brandt. Bei meinem Eintritt war Kevin Kühnert Juso-Chef – er hat mich angesprochen.
Nun ziehen Sie für die SPD den Ingolstädter Stadtrat ein. Was haben Sie bisher in der SPD gemacht?
Nach meinem Eintritt habe ich die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, in Ingolstadt wieder ins Leben gerufen. Inzwischen bin ich auch im Kreisvorstand der SPD und auf oberbayerischer Ebene aktiv. Bei der letzten Bundestagswahl habe ich für die Partei kandidiert.
Was werden Ihre bevorzugten Tätigkeitsgebiete im Ingolstädter Stadtrat sein?
Natürlich steht mir die Schulpolitik als Lehrerin sehr nahe. Auf kommunaler Ebene geht es da beispielsweise um Jugendsozialarbeit, die Ausstattung, um Inklusion und den Zustand der Schulgebäude.
Kurze Zwischenfrage: Wie stehen Sie zu einem Handyverbot in Schulen und zur altersmäßigen Beschränkung bei der Nutzung sozialer Medien?
Ein bundes- oder landesweites Handy-Verbot ist meines Erachtens zu kurz gegriffen und wird die eigentlichen Probleme nicht lösen. Ich glaube auch, dass die Schulen eigene Mittel und Wege gefunden haben, um das Problem der Handynutzung in den Griff zu bekommen. Daher bin ich nicht für ein allgemeines Handyverbot an Schulen. Was eine Altersgrenze für soziale Medien betrifft, so verstehe ich die Idee dahinter durchaus. Allerdings ist die technische Seite der Alterskontrolle nicht so trivial und viele soziale Medien sind heute eigentlich schon altersbeschränkt. Junge Menschen haben auch ein Recht auf digitale Teilhabe und Information. Soziale Medien können genauso bei Erwachsenen zu Suchtproblemen oder zur Anfälligkeit für Desinformation führen. Wir müssen bei den Konzernen ansetzen und diesen striktere Vorgaben machen.
Welche anderen Themen möchten Sie noch im Stadtrat aufgreifen?
Beispielsweise Jugendpolitik. Öffentlicher Raum sollte für Jugendliche, aber nicht nur für diese, sondern für alle freundlich gestaltet werden und zum Aufenthalt einladen. Es muss zentrale Orte geben, an denen sich Jugendliche aufhalten und jugendgerecht verhalten können, ohne dass es gleich heißt, sie würden stören. Wichtig ist natürlich auch das Jugendparlament. Hier möchte ich die Partizipation der jungen Leute weiter ausbauen.
Was sagen Sie zum Thema Finanzen der Stadt?
Die aktuelle Haushaltssituation ist herausfordernd. Man darf sie aber nicht zur permanenten Entschuldigung werden lassen, dass wir nur noch verwalten und kein Leben in der Stadt mehr generieren. Natürlich ist es absolut richtig, die Wirtschaft zu diversifizieren und Unternehmen anzusiedeln. Aber das sind ja alles Projekte, die nicht von heute auf morgen das Geld reinbringen.
Trotz aller Geldnot müssen wir schauen, dass hier Menschen weiterhin gerne leben. Dazu gehört beispielsweise, dass die Vereine unterstützt werden, dass kulturelle Angebote vor Ort vorhanden sind, dass so was wie Prävention und Hilfsangebote gegeben sind, dass die Kitas gut ausgestattet sind und so weiter. Diese Bereiche sind mir auch sehr wichtig. Da müssen wir Verantwortung übernehmen und bessere Wege finden als den Rotstift anzusetzen.
Wo suchen Sie denn Verbündete für ihre politischen Ziele? Haben Sie Kontakte zur anderen Parteien?
Über die Jusos haben wir Kontakte eigentlich mit allen Jugendorganisationen der demokratischen Parteien. Und darüber hinaus habe ich persönlich auch Kontakte zu anderen Parteien, insbesondere natürlich zu den progressiven, aber auch zu Personen aus der CSU.
Gibt es irgendetwas, was Ihnen im Hinblick auf die künftige Arbeit im Stadtrat Sorgen bereitet? Vielleicht das Klima?
Es gab bei der letzten Wahl unverkennbar einen Ruck ins rechte Lager. Das macht mir natürlich Sorgen. Ziel ist, dass die Zusammenarbeit unter Demokraten gut bleibt und der neue Stadtrat an den positiven Veränderungen seit 2020 festhält.
Aus der konservativen Ecke werden natürlich nach dem Wahlergebnis Ansprüche gestellt werden. Können Sie sich vorstellen Hans Stachel zum dritten Bürgermeister zu wählen?
Schwierig.
Würde es Ihnen leichter fallen, wenn die SPD den zweiten Bürgermeister stellen würde und dieser mit den Stimmen der Freien Wähler gewählt werden würde?
Mir wäre zum Beispiel wichtiger, dass nicht wieder drei Männer Bürgermeister sind. Und wir sollten nicht nur über Posten reden, sondern über Inhalte und wie wir diese Stadt gestalten möchten.
Weil wir gerade bei den Inhalten sind. Zum Schluss noch ein paar Privatfragen: Welchen Inhalt hat Ihr Kühlschrank, also was ist da immer vorhanden?
Joghurt!
Und welchen Genussmitteln können Sie schlecht widerstehen?
Sauren Gummibärchen.
Wen würden Sie gern zu einem fiktiven Abendessen einladen. Es können Freunde, aber auch Traumgestalten oder verstorbene Personen sein?
Ich würde gern Jane Goodall am Tisch haben. Dann Marc-Uwe Kling; das ist ein Autor, der mit Büchern wie „Die Känguru-Chroniken“ bekannt wurde. Natürlich würde ich meinen Mann einladen, damit er diese Menschen auch kennenlernt. Auch Willy Brandt wäre mein Gast. Und schließlich wäre Luise Otto-Peters dabei. Sie hat die erste Frauenbewegung in Deutschland initiiert.
Das klingt sehr nach Emanzipation. Wie sieht es denn da bei Ihnen zu Hause aus? Räumt Ihr Mann den Geschirrspüler ein und wird er dabei Ihren Ansprüchen gerecht?
Ich bin sehr viel unpräziser beim Einräumen des Geschirrspülers als mein Mann. Ich will so viel wie möglich reinkriegen, er will das Geschirr sicher durch den Waschgang bringen. Das kann ein Konfliktthema werden, aber nicht, weil er ihn nie einräumt.
Ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Interview. (hk)

