Noch ist Leben drin
Die Stadt hat ein Defizit von 66 Millionen Euro – mit spürbaren Folgen für Angebote und Investitionen. Besonders betroffen sind Kultur, Sport, Brauchtum, Jugendarbeit und zahlreiche Vereine, deren Zuschüsse um mindestens 40 Prozent gekürzt werden. Da liegt die bange Frage nahe, ob in der Stadt bald nicht nur abends die Gehwege hochgeklappt werden.
Vielleicht muss man künftig genauer hinschauen. Aber oft wächst die Wertschätzung für das, was nicht selbstverständlich ist. IN-direkt hat für Sie eine Auswahl interessanter Veranstaltungen zusammengestellt – als Einladung, sie nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch zu besuchen. Denn nur was angenommen wird, kann auf Dauer bestehen.
Reinheitsgebot und die Kreatur – zwei die Ingolstadt mitprägen
Zwei prägende Ereignisse, für die die Stadt bekannt ist, rücken in den Vordergrund und werden jeweils mit einem Fest bedacht. So findet vom 24. bis 26. April am Theaterplatz das „Fest zum Reinen Bier“ anlässlich der Verkündung des Reinheitsgebots statt, das 1516 als erstes landesweites Lebensmittelgesetz auf einem bayerischen Landständetag in Ingolstadt verkündet wurde.
Voriges Jahr kehrte Mary Shelleys berühmte Kreatur an den Ort zurück, an dem sie geschaffen wurde, um alsbald wieder zu verschwinden. Rund um den Geburtstag der Autorin am 30. August wird vom 28. bis 30. August der Frage nachgegangen: Wohin ist die Kreatur geflüchtet?
Nicht nur über die Geschichte dieser beiden Ereignisse können Sie sich auch bei zahlreichen interessanten Stadtführungen, die das ganze Jahr über angeboten werden, weiter informieren.
Und sie feiern doch noch
Kultur, Vereine und Veranstaltungen geraten unter Druck – halten aber noch dagegen
Die angespannte Kassenlage der Stadt wird auch im Veranstaltungskalender spürbar. Vieles in Ingolstadt fällt dem Rotstift der zwingenden Einsparungen zum Opfer. Auch das beliebte Bürgerfest hat die Stadt offiziell gestrichen. Ganz abgeschrieben ist es allerdings noch nicht: Wenn alles gut geht, könnte es dank privater Initiative am zweiten Juliwochenende doch noch stattfinden.


Fest steht dagegen, dass Kinder und Familien sich auch in diesem Jahr auf die Kinderfeste in der Stadt freuen dürfen. Am 18. April lädt der In-City-Kindertag wieder in die Innenstadt ein. Anlässlich des Weltkindertags am 20. September ist zudem für den 12. September ein weiteres Kinderfest geplant.
Auch bei den Audi-Sommerkonzerten steht das junge Publikum besonders im Fokus. Die Kinderoper „Holle!“, die als Produktion der Salzburger Festspiele nach Ingolstadt kommt, ist eines der drei Angebote für junge Konzertbesucher. Hinzu kommen die beliebten Klassik-Open-Air-Konzerte im Klenzepark am 26. und 27. Juni, die alljährlich tausende Besucher anlocken. Begleitend dazu findet an den Donnerstagen im Juli wieder das „Festival-Café“ in der Bar Marinella statt.
Am 8. Mai feiert die Kunst und Kultur Bastei mit der Eröffnung der Ausstellung und einer Modeschau „OUT OF THE BOX“ ihr 20-jähriges Jubiläum.


Ein kleines Fest für die ganze Stadt ist traditionell auch der Ingolstädter Halbmarathon am 9. Mai, der längst nicht nur Sportler an die Strecke lockt.
Vom 22. bis 31. Mai folgt das Pfingstvolksfest, verbunden mit einem verkaufsoffenen Sonntag am 31. Mai.
Manches Highlight muss man vielleicht etwas suchen
Im Sommer stehen weitere Höhepunkte auf dem Programm: Werner Schmidbauer macht am 2. August mit „Momentnsammler unterwegs“ im Turm Baur Station und lädt zu einer musikalischen Reise durch 50 Liederjahre ein. Am 5. August folgt dort die Italienische Nacht mit „I Dolci Signori“, die bereits 2024 begeistert gefeiert wurden.
Familien dürften sich außerdem bereits jetzt auf den 19. September freuen: Dann kommt mit „DIKKA“ das rappende Nashorn nach Ingolstadt.
Ein wichtiges Signal für die Vielfalt der 140 verschiedenen Nationen, die in Ingolstadt friedlich leben, bleibt das Fest der Kulturen am 24. und 25. Juli im Klenzepark. Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage wird dort allerdings erstmals eine Standgebühr von jeweils 250 Euro erhoben.
Großes Interesse weckt jedes Jahr auch der „Tag der offenen Schanz“ am 7. Juni. Zahlreiche historische Anlagen werden dann für Besucher geöffnet und zeigen, wie vielfältig die alten Bauwerke bis heute genutzt werden.
Kulturinteressierte dürfen sich zudem auf die Ingolstädter Tanztage vom 9. bis 16. Mai sowie auf die Literaturtage vom 16. bis 28. April freuen.
Offen ist derzeit noch, wie es mit den Altstadtkinos weitergeht. Sollten sie schließen müssen, bliebe als filmisches Sommerangebot immerhin das Freilichtkino im Turm Baur, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen mit ein paar besonderen Highlights feiert. Zuvor lädt das Stadttheater dort vom 19. Juni bis 6. Juli zur Freilichtaufführung „Der Graf von Monte Christo“ ein.
Und dann gibt es noch einige Kleinode, die es zu entdecken gilt: So treffen sich donnerstags an den Sommerabenden Tanzbegeisterte am Carraraplatz, um gemeinsam Tango zu tanzen.
Und die Jazzfreunde Ingolstadt laden regelmäßig zur offenen Jazz-Bühne in die Neue Welt ein.
Kommentar:
Sozialer Kitt in Krisenzeiten
Wenn das Geld knapp wird, trifft der Rotstift oft zuerst das, was angeblich verzichtbar ist: Feste, Kultur, Vereine, gemeinsame Veranstaltungen. Doch genau das ist ein gefährlicher Irrtum. Gerade in Krisenzeiten braucht eine Stadt mehr als funktionierende Verwaltung und ausgeglichene Tabellen. Sie braucht Orte, an denen Menschen sich begegnen, miteinander reden, gemeinsam lachen, feiern und Anteil nehmen. Dort entsteht das, was keine Sparliste ersetzen kann: Zusammenhalt. Wer alles zusammenstreicht, was Menschen verbindet, spart nicht klug, sondern kurzsichtig. Denn eine Stadt braucht die Gemeinschaft. Natürlich muss gespart werden. Aber nicht um den Preis, dass das öffentliche Leben verödet. Wer den sozialen Kitt zerstört, riskiert am Ende weit mehr als ein Haushaltsloch

