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Als Ingolstadt noch tanzte

Foto: Gernot NIckel

Diskotheken, Plattenläden, Musiker und Treffpunkte prägten einst das Nachtleben der Stadt. Heute wirkt die Innenstadt am Abend oft erstaunlich still.

Die Tage erreichte mich auf der Plattform X eine Nachricht, die ein Thema anspricht, das in Ingolstadt immer wieder diskutiert wird: das Nachtleben der Stadt. „Und wann setzt Ingolstadt mal auf attraktive Angebote für junge Menschen in der Innenstadt? Ab 20 Uhr ist die Innenstadt leer und alle jungen Leute fahren nach München, Regensburg und Nürnberg zum Feiern, weil es bei uns nix mehr gibt“, schreibt ein Nutzer.

Die Kritik ist nicht neu. Auch beim damaligen Kommunalwahl-Hearing in der Fronte wurde angesprochen, dass vielen jungen Menschen heute eine lebendige Weggeh-Kultur fehlt.

Ein Blick zurück zeigt jedoch: Ingolstadt war einmal eine Stadt mit einer erstaunlich vielfältigen Szene.

Früher gab es eine ganze Reihe von Diskotheken und Treffpunkten, die für viele zum festen Bestandteil des Wochenendes gehörten. Namen wie das New York, Wonderland, Aschenbrödel, Amadeus, Cadillac, Highway oder das Cho und und…. stehen für eine Zeit, in der man zum Feiern nicht in andere Städte fahren musste. Das Nachtleben fand vor der eigenen Haustür statt.

Doch die Szene bestand aus mehr als nur Diskotheken. Wer sich für Musik interessierte, ging in einen Plattenladen. Dort entdeckte man neue Bands, hörte in Schallplatten hinein und sprach über Konzerte, Neuerscheinungen und die nächste gute Platte. Diese Läden waren weit mehr als Geschäfte – sie waren Treffpunkte für eine ganze Generation.

Auch lokale Musiker prägten die Szene. Bands wie Rockabella & The Giddyups, Sex Bizarre, Cycodad, Vectom, Tequila Cats…..spielten in Clubs, auf kleinen Bühnen oder bei Veranstaltungen. Live-Musik gehörte selbstverständlich zum kulturellen Leben der Stadt. Wer unterwegs war, traf bekannte Gesichter – vor Kneipen, in Bars oder auf Konzerten.

Die alten Fotos aus dieser Zeit erzählen genau davon: von Plattenläden voller Schallplatten, von Musikern auf der Bühne, von jungen Leuten, die sich vor Lokalen treffen. Es war keine große Metropole – aber eine lebendige Szene, in der Musik, Begegnungen und Nachtleben eng miteinander verbunden waren.

Viele dieser Orte existieren heute nicht mehr. Diskotheken haben geschlossen, Plattenläden sind (fast) verschwunden, und auch manche Bühne ist verstummt. Das Ausgehverhalten hat sich verändert, Musik wird heute gestreamt statt im Laden entdeckt, und auch die Rahmenbedingungen für Clubs sind schwieriger geworden.

Bleibt die Frage: Ist eine Stadt überhaupt verantwortlich dafür, dass es ein Nachtleben gibt?

Diskotheken und Clubs entstehen nicht durch Beschlüsse im Rathaus. Sie entstehen dort, wo Menschen Ideen haben, Risiken eingehen und Orte finden, an denen sich eine Szene entwickeln kann. Gleichzeitig entscheidet eine Stadt aber auch über die Rahmenbedingungen – über Räume, Genehmigungen und darüber, ob eine Innenstadt am Abend lebt oder früh zur Ruhe kommt.

Die alten Fotos zeigen jedenfalls, dass es einmal anders war. Diskotheken, Plattenläden, Bands und Treffpunkte gehörten selbstverständlich zum Stadtbild.

Heute fahren viele junge Menschen zum Feiern nach München, Regensburg oder Nürnberg.

Die Bilder aus der Vergangenheit erinnern daran, dass Ingolstadt einmal seine eigene Szene hatte.

Und sie stellen eine einfache Frage:
Warum eigentlich nicht wieder?

Ein besonderer Dank gilt Gernot Nickel, der mit seinem außergewöhnlichen Fotoarchiv aus der damaligen Zeit – mit rund 3000 Bildern – diesen Rückblick überhaupt erst möglich gemacht hat.

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