Starkbieranstich bei Nordbräu

„Demokratie ist nichts für Weicheier!“

Der Starkbieranstich gestern Abend im Kastaniengarten von Nordbräu war gekennzeichnet von Herz, Haltung und alter Geschichte. Brauereiinhaberin Eva Wittmann begrüßte die Ehrengäste– sehr persönlich und charmant – und erinnerte an die Anfänge der Traditionsbrauerei, die heuer ihr 333-jähriges Jubiläum feiert. Vorgestellt wurden auch ihre Kinder Simon und Christina, längst feste Größen im Familienbetrieb. Sichtlich bewegt dankte Wittmann ihrem Team für die „grandiose“ Unterstützung während ihrer erst kürzlich abgeschlossenen Rehaphase. Und richtete dabei einen intensiven Appell ans Publikum: Bitte mehr regionales Bier trinken – der Absatz schwächelt, der Durst möge, nun ja, patriotischer werden.

Anzapfen und Derblecken

Als nächster schritt Oberbürgermeister Michael Kern zur Tat: Drei satte Schläge, kein Tropfen daneben – das erste Eisbock-Fass war mit Unterstützung von Wirt Raimund Kuppe bereit zum Ausschank.

Gleich anschließend Bühne frei für Andreas Huber, dessen Fastenpredigt – getextet von Melanie Arzenheimer – hintersinnig und ironisch daherkam, nie plump, aber treffsicher.

Dem OB empfahl Huber einen Grundkurs im Meckern samt Aufbaukurs im Stänkern, um sich im Stadtrat robuster zu positionieren. Während des Vortrags hagelte es reihenweise Sparvorschläge für die wohl noch über viele Jahre klamme Stadt: Den Weihnachtsmarkt feiertagsbedingt früher schließen und mit dem Faschingsauftakt koppeln – Synergieeffekt!

Zur CSU-„Mission IN-possible“ fehle nur noch Landtagsabgeordneter Alfred Grob als Tom-Cruise. Als Chefmeteorologe zur Verkündung des aktuellen Parteienklimas wurde Johann Stachel vorgeschlagen – ein „lebendes Tiefdruckgebiet“. Das Ingolstädter Kammerorchester zusätzlich als Partyband auf dem Bürgerfest einsetzen, das Theater statt einer Sanierung nach Pompeji-Art erstmal zuschütten und Ex-OB Christian Scharpf solle Olympia aufgrund der vielen vorhandenen und einigermaßen brauchbaren Sportstätten nach Ingolstadt holen („Freunderl, du bist uns noch was schuldig!“). Die städtebaulich umstrittene Dönerbude vor dem „barocken“ Modehaus Xaver Mayr würde den Touristenhunger locker stillen. Als neues Souvenir schlug Huber den „Ingolstädter Jammerlappen“ vor, Verkauf durch die Touristinfo.

Da die Sparbemühungen auch überall sichtbar sein sollen, könnte im Audi-Kreisel ein Bobby Car den dortigen Audi TT ersetzen. Das Museum für Konkrete Kunst und Design werde als Teil des Wasserstern-Zoos ein Tropenhaus und beim Wildtiergehege werden die Wildsauen zu Mietsäuen.

Für den DonauTower und seine noch immer fehlende Gastronomie schlägt Huber eine Drohnenlinie vom Kavalier Dalwigk vor, Name „Chicken Wings“ statt „Euro Wings“ – alternativ: Schanzer Haxen Heli.

Der Lohn für Arzenheimer und Huber: Tosender Applaus Und noch ein persönlicher Dank an Redner und Autorin von Eva Wittmann. Sie schloss eindringlich: „Holen Sie sich wirtschaftlichen Sachverstand in den Stadtrat!“ Aber auch der Mittelstand benötige wiederum Hilfe von politischer Seite.

Nach Bayernhymne und Menü endete ein Abend, der gleichermaßen erheiterte wie nachdenklich machte – Starkbier kann eben beides.

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