70 Jahre Narrwalla

Jubiläum zwischen Bühnenjubel und Budgetdruck

Manuel Oberle, Präsident der Ingolstädter Faschingsgesellschaft Narrwalla, nimmt das Jubiläum zum Anlass für einen dankbaren Blick zurück auf sieben Jahrzehnte Erfolgsgeschichte. Als Erstes nennt er die Gemeinschaft – nicht nur im Verein, sondern auch mit den Menschen, vor denen Narrwalla auftritt. Man fühle sich stets sehr angenommen; das zeige sich auch daran, dass die Veranstaltungen regelmäßig ausverkauft seien. Der Zulauf ist groß, und man sieht: Die Menschen haben Lust zu feiern. Darauf ist man stolz. Wie groß der Zuspruch ist, zeigt sich auch beim Nachwuchs: Narrwalla hat keine Sorgen, im Gegenteil. Es gibt mehr Interessierte als Plätze, sogar mit Warteliste.

Eine Faschingssaison bedeutet nicht nur hartes Training, viel Arbeit an der Choreografie und zahlreiche Auftritte, sondern ist auch mit enormen Kosten verbunden. Sie entstehen vor allem durch die technische Infrastruktur: In Räumen wie dem Stadttheater ist sie zwar vorhanden, muss aber bezahlt werden. Miet- und Lizenzgebühren belaufen sich Jahr für Jahr auf rund 20.000 Euro. Bei Auftritten im Freien müssen Bühne und Bühnentechnik gemietet, aufgebaut und betreut werden; dazu kommen die Ausgaben für Sicherheitsauflagen. Bei Open-Air-Terminen kommen zudem Transport, Stromversorgung und oft eine Schlechtwetter-Option hinzu. Ein besonders hoher Posten sind jedes Jahr die Kostüme, die maßgeschneidert und entsprechend teuer sind.

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen

Diese Kosten lassen sich durch Auftritte nicht amortisieren. Narrwalla tritt nicht nur auf großen Bällen auf – von denen es inzwischen weniger gibt –, sondern auch in Kindergärten und Seniorenheimen; dort sind die nötigen Preise zur Kostendeckung selbstverständlich nicht angebracht.  Das entspricht auch nicht ihrem Selbstverständnis eines gemeinnützigen Vereins. Das wird auch dadurch deutlich, dass ihr erster Amtsauftritt traditionell der Empfang beim Oberbürgermeister ist, bei dem das Prinzenpaar Spenden an gemeinnützige Einrichtungen überreicht. Damit will man auch die große Verbundenheit mit der Stadt zeigen. 

Jubiläum feiern heißt aber auch, nach vorn zu blicken. Im Zeitalter klammer Kassen ist dieser Blick getrübt – vor allem, weil Faschingsauftritte immer Defizite verursachen. Diese konnten bisher übers Jahr durch ehrenamtliches Engagement im Rahmen von Veranstaltungen wie Bürgerfest, Weinfest, Takttraumfestival oder Donaufest kompensiert werden. Einige Formate gibt es allerdings nicht mehr, die Einnahmequellen brechen weg; entsprechend muss man neue Wege finden, um die Defizite aufzufangen. Oberle betont: Narrwalla habe es immer wieder geschafft, Formate ins Leben zu rufen, die sich später tragen. Aus dieser Erfahrung heraus zeigt er sich zuversichtlich, auch künftig die Reichweite nutzen zu können: Immerhin zieht Narrwalla jährlich etwa 70.000 Menschen in die Stadt – und in diesen vielen Begegnungen werde die Verbundenheit immer wieder bestätigt. (HaGa)

Fotos: Schuhmann Jürgen

Artikel teilen:

Verlinkte Themen: