Es geht um mehr als nur ein Fest
2025 feierten die Ingolstädter das 40-jährige Jubiläum ihres Bürgerfestes. Was 1985 als Fest der Bürger für Bürger begann, veränderte sich im Lauf der Jahre deutlich: „Noch größer, noch toller“ wurde zum Leitmotiv – begleitet von wachsender Kommerzialisierung. Das Bürgerfest geriet zunehmend in die Kritik: ein „Fress- und Sauffest“, die Musik komme immer mehr „aus der Dose“. Im Kulturamt war man schließlich überzeugt, das Fest sei kaum noch zu retten. 2011 sollte es deshalb durch den „Sommerlenz“ an der Donau ersetzt werden und – im Wechsel mit dem Herzogsfest – nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Mit dem heftigen Widerstand der Bevölkerung hatte man allerdings nicht gerechnet: Die Donau-Idee verschwand rasch wieder.
Nach Corona hätte turnusmäßig eigentlich das Herzogsfest stattfinden sollen. Doch das Argument, dass die Altstadtwirte nach den Pandemie-Jahren dringend wieder Einnahmen bräuchten, setzte sich durch – und das Bürgerfest wurde ein überwältigender Erfolg. Nach zwei Jahren Abstinenz konnten die Menschen wieder zusammenkommen und feiern. Damit war das Herzogsfest faktisch erledigt; das Bürgerfest sollte wieder jährlich stattfinden.
Bis die hohe Schuldenlast der Stadt zu vielen – teils sehr schmerzhaften – Einschnitten zwang. Auch das jährliche Bürgerfest soll dem Sparzwang zum Opfer fallen und nur noch im zweijährigen Rhythmus stattfinden. Für viele ist das nicht akzeptabel. Dagegen formiert sich Widerstand – mit Karl Ettinger und den Innenstadtfreunden an der Spitze.
Back to the Roots
„Wir lassen uns unser Bürgerfest nicht nehmen“
Das Bürgerfest ist in Ingolstadt das größte Fest der Stadt: viel Musik unterschiedlicher Stilrichtungen, Feierlaune sowie Essen und Trinken. Alljährlich fiebern Tausende diesem gesellschaftlichen Ereignis entgegen. Es ist das Fest, bei dem man Bekannte trifft, die man eben nur dort trifft. Deswegen will Karl Ettinger das Bürgerfest auf alle Fälle erhalten und nimmt es mutig auf sich, es privat gemeinsam mit den Innenstadtfreunden auf die Beine zu stellen. Selbstverständlich kann das Projekt nicht in der gewohnten Dimension stattfinden, aber eigentlich kann das nur zum Vorteil gereichen, denn von der ursprünglichen Idee ist wenig übrig geblieben. Vieles ist der Kommerzialisierung zum Opfer gefallen; aus der Mitte der Bürgerschaft kommt nur noch wenig. Die Strukturen haben sich verändert: Die stets steigenden Kosten und der Aufwand waren für viele Vereine nicht mehr zu stemmen, sodass das Engagement zahlreicher Sport- und Kulturvereine sowie Landsmannschaften, die anfangs aktiv mitwirkten, zurückging.

Einladung zur Mitwirkung an alle
Genau hier setzt die Idee „Back to the Roots“ an: Das Bürgerfest soll wieder mehr Mitmach-Fest werden. Karl Ettinger und der Präsident der Innenstadtfreunde, Oli Munz, laden deshalb alle ein, das Fest gemeinsam zu gestalten. Beide führen bereits Gespräche mit Interessierten – so zum Beispiel mit der Gastronomie, die an einer Realisierung stark interessiert ist. Eingeladen sind aber ausdrücklich alle Ingolstädter. Möglichkeiten zur Mitwirkung gibt es viele: mit einem eigenen Stand, mit Musik-, Tanz- und Mitmachgruppen oder durch Unterstützung im Hintergrund. Dringend gesucht werden zudem Sponsoren – selbst kleine Beträge helfen.
Interessierte werden gebeten, sich direkt bei Karl Ettinger zu melden: 0179 2019956.
Im vergangenen Jahr engagierten sich die Innenstadtfreunde beim Bändchenverkauf, mit dem ein Teil der Refinanzierung des Festes erreicht werden sollte. Auch wenn nicht überall alles reibungslos lief, war es ein brauchbarer Probelauf: Schwachstellen wurden sichtbar – und daraus will man in diesem Jahr lernen.
Sicherheitsauflagen als größte Herausforderung
Wiederholte Attentate auf öffentliche Feste zwingen zu umfangreichen Sicherheitsauflagen und tragen zur enormen Kostensteigerung bei. Auch für das geplante Bürgerfest ist das eine der größten Herausforderungen. Die Initiatoren haben sich daher in anderen Städten umgesehen: Wie kann man Sicherheitsanforderungen kreativ erfüllen, ohne dafür Zehntausende Euro investieren zu müssen – und dennoch Sicherheit gewährleisten? Sie sind überzeugt dafür eine tragfähige Lösung gefunden zu haben. Nun bleibt abzuwarten, ob das Konzept genehmigt wird.
Geplant ist das Fest für das zweite Juliwochenende, von Freitag bis Samstagabend. Das Areal rund um das Kreuztor ist gesetzt; wie weit es sich darüber hinaus ausdehnen kann, ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. Zudem hofft man, das Afrikafest an der Schleifmühle wieder einbinden zu können. Man hofft auf eine wohlwollende Stadtverwaltung, die der Realisierung des geliebten Festes so weit wie möglich entgegenkommt, damit die Bürger trotz klammer Kassen gemeinsam feiern können.
Kommentar:
Es gibt keinen Schatten ohne Licht
Der Sparzwang der Stadt muss nicht das Ende der Fahnenstange sein – er kann auch eine Gelegenheit sein, das Bürgerfest zu entschleunigen und wieder zu dem zu machen, als was es vor gut 40 Jahren begonnen hat: weg vom reinen Kommerz, zurück zum Fest der Bürger für Bürger. Ein Fest, bei dem man nicht nur konsumiert, sondern mitgestalten kann; ein Fest, dessen Charme wieder stärker aus der Mitte der Ingolstädter Bürgerschaft kommt – und bei dem man sich für das Gelingen mitverantwortlich fühlt. Neben neuen Ideen darf man auch zurückblicken, um zu sehen, was damals alles geboten wurde, und vielleicht sind es auch ganz einfache Dinge, wie seinerzeit Schnittlauch- und Schmalzbrote. Das Gelingen hängt auch davon ab, dass sich viele engagieren, statt alles nur in sozialen Medien zu kommentieren. Dafür machen sich Karl Ettinger und die Innenstadtfreunde stark und mobilisieren hoffentlich viele kreativ Begeisterte, damit das Bürgerfest wieder das wird, als was es gedacht war: ein Fest von Bürgern für Bürger. (HaGa)
Fotos: Banai Markus
