Anlässlich des 750-jährigen Jubiläums der Franziskanerinnen in Ingolstadt öffneten die Schwestern die Klosterpforten, um den Menschen Einblick in die Werke der Künstlerin Sr. Euphemia zu gewähren. Die Ordensschwester, die noch vielen Schülerinnen in Erinnerung ist, wurde 1906 in München geboren. Nach dem Besuch der Lehrerinnenbildungsanstalt des Klosters Gnadenthal (1921–1924) besuchte sie die Akademie für angewandte Kunst in München. Von 1928 bis 1979 unterrichtete sie als Kunsterzieherin an den Gnadenthal-Schulen – lediglich unterbrochen während der Kriegszeit von 1941 bis 1945. In dieser Zeit musste sie zunächst Soldatenmäntel flicken und später im städtischen Krankenhaus helfen.



Neben dem Kunstunterricht widmete sich die Ordensfrau intensiv der Bibel und interpretierte das Gelesene in Ölgemälden auf Leinwand. Ihr künstlerisches Schaffen war jedoch weit umfassender. So gestaltete sie 1951 das Präfektorium der Schwestern und thematisierte die Wände rundum mit den Aufgaben des Klosters, ein geistliches Leben zu führen. Zwei Frauen treten dabei einen Weg durch alle Stationen an: eine Nonne und eine weitere Frau, die die Weisheit verkörpert. So werden die menschliche Seele und die göttliche Weisheit zu einer Einheit – getragen von einer inneren Heiterkeit, die sich in Musizieren, Spiel und Tanz manifestiert. Die Künstlerin nannte diesen Raum den „Wonnegarten des Heiligen Geistes“ – so heißt er bis heute.
Bemerkenswert sind auch die Nadelmalereien – so zum Beispiel „Das Paradies“, das Sr. Pia nach dem Entwurf von Sr. Euphemia anfertigte.



Nach dem Krieg entdeckte man in der Klosterkirche Wandbildrelikte. Sr. Euphemia wollte den ursprünglichen Zustand der Kirche wiederherstellen. Das Denkmalamt war von ihrer Arbeit im „Wonnegarten“ sehr angetan, sodass sie die Erlaubnis erhielt, die Kirchenmalerei zu erneuern – freilich in ihrer eigenen Interpretation. Übrigens: Der Anblick war sicherlich ungewöhnlich, eine Ordensschwester hoch oben auf der Leiter beim Malen zu sehen.



Die Kunstwerke im Kloster Gnadenthal können nochmals am 31. Januar 2026 von 14.00 bis 16.30 Uhr besichtigt werden. (HaGa)
