Der Wintertag auf dünnem Eis

Am Auwaldsee und am Ingolstädter Baggersee zeigt sich, wie schnell gefrorene Gewässer zur trügerischen Selbstverständlichkeit werden – trotz klarer Warnungen von Berufsfeuerwehr und Wasserwacht. Eisstockschützen stehen in Gruppen auf der Fläche, Kinderwagen werden geschoben, Fahrräder über den See bewegt. Niemand scheint sich zu fragen, ob das hier noch Freizeit oder schon Leichtsinn ist.

Einen Tag zuvor, am Ingolstädter Baggersee, fährt ein Mann mit dem Fahrrad quer über das Eis. Kein Zögern, kein Absteigen, kein Testen. Er fährt einfach. Das Eis hält. Und genau darin liegt das falsche Signal.

Denn was hält, gilt plötzlich als sicher. Aus einer riskanten Einzelentscheidung wird Normalität. Wer danach auf den See geht, tut das nicht trotz, sondern wegen solcher Bilder.

Berufsfeuerwehr und Wasserwacht warnen eindringlich davor, zugefrorene Seen zu betreten, solange keine ausdrückliche Freigabe vorliegt. Für Naturgewässer gibt es solche Freigaben in der Regel nicht. Die Tragfähigkeit des Eises ist unberechenbar, selbst nach mehreren Frostnächten. Wer das Eis dennoch betritt, handelt auf eigene Verantwortung – und setzt im Ernstfall auch mögliche Helfer einem erheblichen Risiko aus.

Auffällig ist, wie selbstverständlich Kinder Teil dieser Szene sind. Kinderwagen, Anhänger, kleine Fahrräder auf einer Fläche, deren Sicherheit niemand verlässlich beurteilen kann. Gerät jemand ins Eis, ist schnelle Hilfe kaum möglich. Jeder Rettungsversuch wird zur Gefahr für weitere Beteiligte.

Das Problem ist nicht der Frost. Das Problem ist die Haltung: Solange nichts passiert, wird das Risiko kleingeredet. Der See wird zur Abkürzung, zur Spielfläche, zum Beweis, dass „schon nichts sein wird“.

Bis etwas ist.

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