Monatsrückblick Januar 2001
Der Januar 2001 startet in der Region mit frostigen Temperaturen – und auch einigen frostigen Nachrichten:
In Ingolstadt zeigt sich der Monat widersprüchlich. Am Nordbahnhof müssen Reisende über rutschige Holztreppen und Schotterwege zu den Gleisen, während das alte Empfangsgebäude zwischen Abriss und Sanierung steht. Der Einzelhandel spürt großen Andrang – Wöhrl öffnet zum Winterschlussverkauf bereits extra wegen des zu erwartenden Ansturms um 07:00 Uhr. Zugleich entsteht mit der neuen, von Erika und Erich Kellerhals gestifteten Kulturstiftung ein wichtiges Förderinstrument für den Ankaufsetat der Ingolstädter Museen. Audi verzeichnet starke Besucherzahlen im museum mobile und arbeitet früh mit einem eigenen Großrechner am „Währungsumbau“ zum Euro. Die Gesundheitsversorgung verbessert sich durch das Praxisnetz „GO IN“, das abends und am Wochenende eine ambulante Notfallversorgung anbietet. Unterdessen verschwindet wegen der BSE-Krise Rindfleisch fast vollständig von den Speisekarten; selbst Weißwürste aus Putenfleisch tragen Sicherheitshinweise.
Eichstätt wagt mit „Kunst im Bau“ in der JVA ein ungewöhnliches Kulturprojekt, während mit der Schließung des Burg-Theaters eine mehr als 80-jährige Kinoära endet: Die in der Gefängniskapelle präsentierten Collagen und Malereien sowie bemalte Stelen im Hof sollen den Haftalltag aufbrechen und persönliche Gespräche zwischen Künstlern und Inhaftierten ermöglichen. Gleichzeitig wirkt die Schließung des traditionsreichen, bereits 1912 eröffneten Burg-Theaters besonders symbolträchtig, da es bereits acht Jahre vor der offiziellen Einspeisung elektrischen Stroms in der Domstadt betrieben wurde. Mit dem letzten Film „3 Engel für Charlie“ geht ein Stück städtischer Kulturgeschichte endgültig verloren.
In Neuburg wird das Hallenbad zur unfreiwilligen Großbaustelle. Undichtigkeiten, feuchte Bereiche und Schäden aus dem Zusammenspiel von über 20 Firmen verursachen Nachbesserungen von mindestens einer Million Mark. Zugleich bereitet sich die Stadt auf das größte Winterschwimmen Europas vor: über 2000 Teilnehmer aus rund 200 Orten steigen in die 3–4 Grad kalte Donau – eine Tradition seit den 1970er-Jahren.
Auch Manching und der Landkreis Pfaffenhofen stehen im Zeichen des Wandels. Erika Görlitz wird Staatssekretärin im Verbraucherministerium – ihre Aufgabe: das Vertrauen in die Lebensmittelsicherheit wiederherzustellen. Nach wie vor sorgt aber die BSE-Krise für Aufregung: Trotz anderslautender Etikettierung tauchen Produkte auf, die als „reines Schweinefleisch“ deklariert sind, aber offenbar Rindfleisch enthalten. Pfaffenhofen selbst zeigt Innovationskraft: Der gut angenommene Rufbus wird zur Dauerlösung und bietet Mobilität für nur eine Mark.
Bayern & Deutschland
Im Freistaat sorgt Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping für Aufsehen: 50 Kasernen sollen bundesweit schließen, 15 davon in Bayern. Zugleich beginnt der stetige Aufstieg der erneuerbaren Energien – von damals 67 Megawatt Windkraft auf heute 2,7 Gigawatt. Wirtschaftlich setzt man auf Technikoptimismus: Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu erwartet vom 2 Mrd. Mark schweren Transrapid-Vertrag in China Rückenwind für eine Münchner Strecke.
Deutschlandweit schreiben die Streitkräfte Geschichte: Erstmals treten Frauen den Dienst an der Waffe an, während 22.000 männliche Wehrpflichtige eingezogen werden. Staatssekretärin Schulte schätzt, Gleichstellung werde erst in 25–30 Jahren erreicht sein…
Und bei sozialen Themen zeigt sich die Zeitlosigkeit politischer Debatten: Die Baukonjunktur steckt 2001 in der Krise, Arbeitgeber fordern niedrigere Rentenniveaus – Diskussionen, die bis heute fortbestehen oder schon wieder aktuell sind.
Foto: Donauschwimmen-Stadt Neuburg
