Stadttheater Ingolstadt: Festsaal schließt 2027 – Wiedereröffnung ungewiss

Die Generalsanierung des Hämerbaus ist vorerst nicht finanzierbar. Nun sucht die Stadt nach einer pragmatischen Lösung, um zumindest den Festsaal und wichtige Teile des Gebäudes zu erhalten. Doch die Diskussion im Ausschuss für Kultur und Bildung zeigt, wie viele technische Fragen noch offen sind.

Der Festsaal des Ingolstädter Stadttheaters soll zum 31. Juli 2027 schließen. Wann er wieder öffnen könnte, ist völlig unklar. Die ursprünglich geplante Generalsanierung des Hämerbaus lässt sich angesichts der angespannten Haushaltslage derzeit nicht finanzieren. Stattdessen prüft die Stadt, ob sich das Gebäude mit gezielten Maßnahmen zumindest teilweise weiter nutzen lässt. Wie schwierig dieser Weg werden könnte, zeigte sich bei der Diskussion im Ausschuss für Kultur und Bildung am Dienstag.

Baureferent Matthias Franz berichtete ausführlich über den Zustand des mehr als 60 Jahre alten Gebäudes. Zu den größten Problemen zählen die Elektrik und der Brandschutz. Mehr als 20 elektrische Verteiler müssen erneuert werden. Die dazugehörigen Leitungen stammen teilweise noch aus der Bauzeit. Ob sie weiterhin verwendet werden können oder ebenfalls ausgetauscht werden müssen, ist bislang offen. Ein probeweiser Austausch soll darüber Aufschluss geben. Anschließend ist eine mehrwöchige Überprüfung vorgesehen. Bis zum Jahresende erhofft sich die Verwaltung belastbarere Erkenntnisse.

Auch beim Brandschutz besteht erheblicher Klärungsbedarf. Das Gebäude wurde auf Grundlage unterschiedlicher Genehmigungen errichtet und verändert. Ein Brandschutzkonzept aus dem Jahr 2011 wurde nur in Teilen vollständig umgesetzt. Hinzu kommen offene Fragen zur Stromversorgung der Sprinkleranlage und zur Löschwasserversorgung. Bei einer Untersuchung der Lüftungsanlage wurden zudem Schimmelpilzsporen in der Luft festgestellt. Deren Ursache muss noch geklärt werden. Schäden am Beton sind ebenfalls bekannt. Eine unmittelbare Gefahr, die allein deshalb eine sofortige Schließung erforderlich machen würde, sieht Franz nach seinen Ausführungen derzeit nicht.

Damit steht die Verwaltung vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss zunächst feststellen, welche Arbeiten für einen sicheren Weiterbetrieb tatsächlich notwendig sind. Erst danach lassen sich der finanzielle Aufwand und ein realistischer Zeitplan bestimmen. Während die bisherige Generalsanierung mit rund 180 Millionen Euro zuzüglich weiterer Kostenrisiken veranschlagt wurde, gibt es für die nun untersuchten Alternativen noch keine belastbare Kostenberechnung.

Wie groß die Unsicherheit ist, machte eine Nachfrage aus dem Ausschuss deutlich. Stadtrat Fred Over wollte wissen, ob sich der für Ende Juli 2027 vorgesehene Schließungstermin des Festsaals noch verschieben könnte. Franz hielt eine Änderung für ausgeschlossen. Die entscheidende Frage sei vielmehr, was anschließend geschehe. Over äußerte die Sorge, dass aus der geplanten Schließung eine lange Unterbrechung werden könnte und der Festsaal möglicherweise über Jahre nicht mehr zur Verfügung stehe.

Deutliche Kritik kam auch von Stadträtin Dorothea Deneke-Stoll. Sie verwies darauf, dass der Sanierungsbedarf des Hämerbaus seit vielen Jahren bekannt sei. Umso ernüchternder sei es, dass grundlegende technische Fragen nach der langen Planungszeit weiterhin ungeklärt seien. Sie bemängelte, dass die Stadt von einem Problem zum nächsten gerate. Gerade deshalb brauche es endlich eine tragfähige Perspektive für den Festsaal, den die Stadtgesellschaft dringend benötige.

Die Stadtspitze setzt dagegen auf einen pragmatischen Weg. Anstelle einer umfassenden Sanierung soll untersucht werden, welche technischen Anlagen und Gebäudeteile mit vertretbarem Aufwand instand gesetzt werden können. Bürgermeister Franz Wöhrl sprach sich dafür aus, die vorhandenen Möglichkeiten und Stärken der Stadt zu nutzen. Dazu könnte auch die Unterstützung von Ingolstädter Unternehmen, Handwerksbetrieben und erfahrenen Fachleuten gehören. Voraussetzung ist allerdings, dass zunächst feststeht, welche Arbeiten erforderlich sind.

Auch Stadtrat Stefan Huber setzte auf die praktische Erfahrung des Handwerks. Er regte an, Fachleute aus Ingolstadt zusammenzubringen, um gemeinsam nach umsetzbaren Lösungen zu suchen. Dabei fiel auch der augenzwinkernde Vergleich mit Daniel Düsentrieb. Die Idee dahinter: Neben aufwendigen Planungen könnten handwerkliches Wissen und kreative technische Ansätze helfen, einzelne Probleme zu lösen.

Während die Zukunft des Festsaals noch ungeklärt ist, muss der Theaterbetrieb bereits unter veränderten Bedingungen funktionieren. Das Theater am Glacis dient seit dieser Spielzeit als Ersatz für das Große Haus. Doch mit der neuen Bühne allein ist es nicht getan. Kulturreferent Marc Grandmontagne erläuterte, dass für einen dauerhaften Betrieb weitere Räume und Einrichtungen benötigt werden. Dazu zählen Lagerflächen für Kulissen, Werkstattmöglichkeiten für kurzfristige Arbeiten und Aufenthaltsräume für die Beschäftigten. Als mögliche Lösungen werden unter anderem Container oder eine kleinere Halle geprüft.

Bis zum Sommer 2027 müssen hierfür tragfähige Lösungen gefunden werden. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie lange die bestehenden Werkstätten im Hämerbau noch genutzt werden können. Auch das Junge Theater benötigt eine Perspektive, nachdem seine bisherige Spielstätte im Hämerbau weggefallen ist. Eine Möglichkeit könnte das Haus E am Brückenkopf bieten. Ob sich das Gebäude entsprechend herrichten lässt und welche Kosten damit verbunden wären, ist allerdings noch offen.

Stadtrat Matthias Schickel lobte in der Diskussion, wie konstruktiv und pragmatisch die Beschäftigten des Theaters mit der schwierigen Situation umgehen. Gleichzeitig kritisierte er die Bedingungen im Umfeld des Glacis-Theaters. Es fehlten unter anderem Fahrradabstellplätze, zudem seien Teile des Geländes unzureichend beleuchtet und wenig einladend. Besonders für ältere Besucher müssten die Wege sicher und gut zugänglich sein. Auch hier besteht aus Sicht des Ausschusses Verbesserungsbedarf.

Offen ist zudem, welche Fördermittel für eine schrittweise Sanierung zur Verfügung stehen könnten. Grundsätzlich kommen staatliche Zuschüsse infrage. Über deren Umfang lässt sich aber erst sprechen, wenn konkrete Maßnahmen und belastbare Kosten vorliegen.

Die Diskussion machte deutlich, dass der Erhalt des Festsaals politisch weiterhin gewollt ist. Zwischen diesem Ziel und seiner Umsetzung liegen jedoch zahlreiche ungeklärte technische und finanzielle Fragen. Der Schließungstermin rückt näher, während ein Zeitplan für die Wiedereröffnung fehlt. Ob der pragmatische Ansatz dem Hämerbau eine neue Perspektive eröffnet, müssen die kommenden Untersuchungen zeigen.

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