49 Jahre Herzblut für Herrnbräu
Vom Lehrling zum Vorstand: Gerhard Bonschab prägte fast ein halbes Jahrhundert die Ingolstädter Brauerei. Bei seiner Verabschiedung im Wirtshaus am Auwaldsee wurde deutlich, wie sehr er auch die Menschen und das gesellschaftliche Leben seiner Heimatstadt geprägt hat.
Es gibt Menschen, die ein Unternehmen führen. Und es gibt Menschen, die zu einem Unternehmen gehören wie der Name auf dem Firmenschild. Gerhard Bonschab ist einer von ihnen. 49 Jahre lang war Herrnbräu ein wesentlicher Teil seines Lebens. Am Freitagabend wurde der langjährige Vorstand im Wirtshaus am Auwaldsee mit zahlreichen Wegbegleitern, Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Freunden in den Ruhestand verabschiedet. Es wurde gelacht, manche Anekdote erzählt und vor allem eines deutlich: Hier verabschiedete sich nicht nur ein erfolgreicher Manager, sondern ein Mensch, der über Jahrzehnte hinweg Spuren hinterlassen hat.
1977 begann Bonschab seine Ausbildung bei der Ingolstädter Brauerei. Was damals mit Schreibmaschine, Lochkarten und den ersten Schritten der elektronischen Datenverarbeitung begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Karriere. Vom Sachbearbeiter über verschiedene Leitungsfunktionen in der Logistik und im Vertrieb führte sein Weg bis an die Unternehmensspitze. Gemeinsam mit Franz Katzenbogen lenkte er über zwei Jahrzehnte die Geschicke der traditionsreichen Brauerei.
Dass Herrnbräu heute trotz schwieriger Marktbedingungen als eigenständige Ingolstädter Brauerei besteht, ist auch sein Verdienst. Unternehmensübernahmen, Umstrukturierungen, Investitionen und ein sich verändernder Biermarkt verlangten immer wieder neue Entscheidungen. Bonschab setzte dabei auf persönliche Kontakte, regionale Verbundenheit und den direkten Draht zu seinen Kunden. Für Aufsichtsratsvorsitzenden Ludwig Schlosser war er vor allem eines: ein Vertriebler aus Leidenschaft. Einer, der nicht nur Bier verkaufen wollte, sondern mit Überzeugung hinter seinem Produkt stand.
Immer ein offenes Ohr und den Kopf voller Ideen
Was Gerhard Bonschab besonders auszeichnete, war seine Nähe zu den Menschen. Ob Mitarbeiter, Betriebsrat, Gastronom oder Geschäftspartner: Er hatte ein offenes Ohr für ihre Anliegen, nahm Sorgen ernst und suchte gemeinsam nach Lösungen. Auch wenn die Meinungen auseinandergingen, blieb er gesprächsbereit. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und ein respektvoller Umgang waren für ihn keine leeren Worte, sondern gelebter Alltag.
Gleichzeitig war Bonschab jemand, der nicht nur Bestehendes verwaltete. Er brachte neue Ideen ein, dachte über gewohnte Abläufe hinaus und hatte den Mut, Veränderungen anzustoßen. Wenn er von einer Sache überzeugt war, setzte er sich mit Nachdruck dafür ein. Gerade bei der Weiterentwicklung der Volksfeste und der Vermarktung der Brauerei bewies er immer wieder Gespür für neue Möglichkeiten. Tradition bewahren und gleichzeitig offen für Neues bleiben – für Bonschab war das kein Widerspruch.
Auch Betriebsratsprecher Johann Binder erinnerte an die gute Zusammenarbeit, selbst wenn schwierige Themen auf dem Tisch lagen. Man habe miteinander gesprochen und Lösungen gefunden. Ein Chef, der die Menschen im Unternehmen kannte und dem die Zukunft der Brauerei ebenso am Herzen lag wie die Mitarbeiter.
Ein Leben zwischen Brauerei, Bierzelten und Menschen
Wer Gerhard Bonschab kennt, weiß, dass sein Arbeitsplatz selten nur das Büro war. Ob Volksfest, Barthelmarkt, Bürgerfest, Gastronomiebetrieb oder Vereinsveranstaltung: Er war dort, wo Menschen zusammenkamen. Und er blieb oft länger, als ursprünglich geplant. Sein langjähriger Vorstandskollege Franz Katzenbogen erinnerte sich mit einem Schmunzeln an gemeinsame Besuche bei Wirten, die sich durchaus über viele Stunden erstrecken konnten. Hinter diesen Geschichten steckte allerdings weit mehr als Geselligkeit. Für Bonschab gehörte der persönliche Kontakt zum Geschäft. Aus Kunden wurden über die Jahre Bekannte, aus Geschäftspartnern nicht selten Freunde.
Fast 35 Jahre arbeiteten Katzenbogen und Bonschab zusammen. Sie diskutierten, rangen um Entscheidungen und waren keineswegs immer einer Meinung. Doch persönliche Streitigkeiten gab es nach ihren übereinstimmenden Schilderungen nie. Der eine hatte die Finanzen im Blick, der andere wollte investieren und neue Möglichkeiten erschließen. Am Ende stand stets das gemeinsame Ziel, die Brauerei voranzubringen. Eine Partnerschaft, die von gegenseitigem Vertrauen und Respekt getragen wurde.
Dass Bonschab bei aller Verantwortung seinen Humor nie verlor, zeigte sich auch während der Abschiedsfeier. Moderator Johannes Langer nahm den langjährigen Brauereichef immer wieder augenzwinkernd aufs Korn. Auch Bonschabs besondere Vorliebe für die Farbe Grün sorgte für Heiterkeit. Schließlich war für ihn jeder grüne Sonnenschirm in einem Biergarten ein erfreuliches Zeichen, wenn darunter Herrnbräu ausgeschenkt wurde.
Ein Schanzer mit Herz und Haltung
Doch Gerhard Bonschab hat nicht nur die Brauerei geprägt. Sein Engagement reicht weit über das Unternehmen hinaus. Oberbürgermeister Dr. Michael Kern erinnerte an seine Verdienste um das gesellschaftliche und sportliche Leben Ingolstadts. Besonders die Volksfeste lagen Bonschab am Herzen. Auch in schwierigen Zeiten setzte er sich dafür ein, diese Tradition lebendig zu halten und für jüngere Generationen attraktiv zu gestalten.
Eine wichtige Rolle spielte Bonschab zudem bei der Entwicklung des Ingolstädter Fußballs. Er gehörte zu den Wegbereitern des FC Ingolstadt 04 und war an der Zusammenführung der Fußballabteilungen von MTV und ESV Ingolstadt beteiligt. Für sein jahrzehntelanges gesellschaftliches und sportliches Engagement erhielt er im April die Hans-Peringer-Medaille der Stadt Ingolstadt.
Kern würdigte besonders Bonschabs Gespür für Menschen und seine enge Verbindung zur Stadt. Denn wer wie er ständig mit Wirten, Vereinen und Bürgern im Gespräch ist, weiß auch, was die Menschen bewegt. Dieses Wissen und seine Erfahrungen brachte Bonschab immer wieder in den Austausch mit der Stadtpolitik ein. Dabei scheute er sich auch nicht, eigene Vorstellungen und Verbesserungsvorschläge anzusprechen.
Wie viel Vertrauen er sich über die Jahre erarbeitet hat, zeigte die Ansprache von Melanie Fritsch, die gemeinsam mit ihrem Mann Kevin das Wirtshaus am Auwaldsee betreibt. Sie erinnerte daran, wie Bonschab und Katzenbogen ihnen von Beginn an Vertrauen entgegenbrachten und sie auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unterstützten. Für die beiden Gastronomen war das keineswegs selbstverständlich. Gerade wenn es schwierig wurde, waren die Verantwortlichen der Brauerei nicht nur Geschäftspartner, sondern Menschen, auf die man zählen konnte. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit versprachen sie Bonschab einen eigenen Stammplatz in ihrem Wirtshaus. Ein kleines Geschenk mit großer Bedeutung.
Ohne Silvia wäre vieles nicht möglich gewesen
Bei aller Anerkennung für seine berufliche Lebensleistung wurde an diesem Abend auch einem Menschen besonders gedankt: seiner Frau Silvia. Sie begleitete ihn über Jahrzehnte zu unzähligen Veranstaltungen, Festen und geschäftlichen Terminen. Ludwig Schlosser bezeichnete sie scherzhaft als zweite, unbezahlte Vertriebskraft von Herrnbräu. Hinter dem Humor steckte eine ernst gemeinte Anerkennung. Denn ein Berufsleben mit langen Arbeitstagen, Abendterminen und Wochenenden auf Festen verlangt auch der Familie viel ab.
Bonschab selbst fand dafür persönliche Worte. Seine Frau und die Familie hätten diesen Weg mitgetragen und ihm über all die Jahre den Rücken freigehalten. Ohne diese Unterstützung wäre seine außergewöhnliche Laufbahn kaum möglich gewesen.
Ein Abschied, aber kein Lebewohl
In seiner eigenen Rede blickte Bonschab auf beinahe fünf Jahrzehnte Brauereigeschichte zurück. Auf wirtschaftlich erfolgreiche Jahre ebenso wie auf schwierige Zeiten, auf Übernahmen, Veränderungen und die Herausforderungen einer Branche, in der der Bierkonsum seit Jahrzehnten zurückgeht. Besonders stolz zeigte er sich darauf, dass die Brauerei kontinuierlich investiert habe und heute gut aufgestellt sei. Dies sei allerdings nie die Leistung eines Einzelnen gewesen, sondern das Ergebnis gemeinsamer Arbeit mit Mitarbeitern, Führungskräften und Aufsichtsrat.
Seinem Nachfolger Guido Grebe wünschte er eine glückliche Hand. Grebe wiederum sprach mit großem Respekt über die Lebensleistung seines Vorgängers und dessen Bedeutung für das Unternehmen. Er habe in der gemeinsamen Einarbeitungszeit gespürt, mit wie viel Herzblut, Engagement und Empathie Bonschab die Brauerei geführt habe.
Am Ende war es vor allem ein Abend des Dankes. Dank für 49 Jahre Einsatz, für Verlässlichkeit, für gute Ideen, für Freundschaften und für die vielen Begegnungen, die weit über das Berufsleben hinaus Bestand haben werden.
Gerhard Bonschab verlässt Herrnbräu als Vorstand. Aber aus dem gesellschaftlichen Leben Ingolstadts wird er sich wohl kaum verabschieden. Dafür kennt er zu viele Menschen, dafür ist er mit seiner Heimatstadt zu eng verbunden. Und vermutlich wird auch künftig irgendwo ein grüner Sonnenschirm seine Aufmerksamkeit wecken.
Denn eines dürfte sicher sein: Gerhard Bonschab geht in den Ruhestand. Ein Schanzer Original bleibt er.
Foto: Jürgen Schuhmann
