Rückenschmerzen, Bluthochdruck und Depressionen gehören zu den häufigen gesundheitlichen Problemen in Ingolstadt. Das zeigt der neue GesundheitsatlasPRO der AOK Bayern, der am Freitag, 9. Oktober, vorgestellt wurde. Die Auswertung soll der Stadt helfen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielte Präventionsangebote zu entwickeln.
Der GesundheitsatlasPRO wurde speziell für die 96 Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern entwickelt. Er untersucht zwölf relevante Krankheitsbilder und ermöglicht Auswertungen nach Alter und Geschlecht. Zehn-Jahres-Zeitreihen machen zudem langfristige Entwicklungen sichtbar. Die Grundlage bilden Daten von AOK-Versicherten aus Bayern, die statistisch auf die Gesamtbevölkerung der jeweiligen Region hochgerechnet werden. Damit sollen Kommunen besser erkennen können, wo Gesundheitsförderung und Prävention besonders wichtig sind.
Jeder Vierte leidet unter Rückenschmerzen
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Rückengesundheit. In Ingolstadt sind laut Gesundheitsatlas 28,3 Prozent der Bevölkerung von Rückenschmerzen betroffen. Besonders auffällig: Bereits bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Anteil bei 13,5 Prozent. Insgesamt schneidet Ingolstadt bei Rückenschmerzen etwas besser ab als der bayerische Durchschnitt.
Die AOK sieht deshalb vor allem bei Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwerbstätigen Ansatzpunkte für Prävention. Mehr Bewegung im Alltag, weniger langes Sitzen und eine gesunde Körperhaltung sollen helfen, Rückenbeschwerden vorzubeugen. Entsprechende Angebote könnten bereits in Kindergärten und Schulen beginnen und sich in Betrieben fortsetzen. Auch im höheren Alter spielt Bewegung eine wichtige Rolle, um Mobilität und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.
Bluthochdruck betrifft rund ein Viertel
Auch bei Erkrankungen, die durch den Lebensstil beeinflusst werden können, zeigen die Daten deutlichen Handlungsbedarf. 25,4 Prozent der Ingolstädter sind von Bluthochdruck betroffen. Bei Typ-2-Diabetes liegt der Anteil bei 9,9 Prozent, bei Adipositas, also starkem Übergewicht, bei 9,5 Prozent. Damit betrifft jede dieser beiden Erkrankungen ungefähr jeden Zehnten.
Mit zunehmendem Alter steigen die Erkrankungsraten deutlich an. Zwar liegen die Werte in Ingolstadt leicht unter dem bayerischen Durchschnitt, dennoch sieht die AOK die Notwendigkeit, gesunde Lebensgewohnheiten möglichst früh zu fördern. Dazu gehören ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Besonders Kinder, Jugendliche und Familien sollen dabei stärker angesprochen werden.
Depressionen: Mehr als jeder Zehnte betroffen
Ein weiteres wichtiges Thema ist die psychische Gesundheit. Laut Gesundheitsatlas sind 12,5 Prozent der Ingolstädter von Depressionen betroffen. Damit liegt die Stadt etwa auf dem bayerischen Durchschnitt. Die Auswertung zeigt außerdem, dass die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt.
Bei der Prävention richtet sich der Blick insbesondere auf Kinder, Jugendliche, Auszubildende und junge Familien. Die AOK setzt dabei auf die Stärkung der psychischen Widerstandskraft, den Umgang mit Stress und die Förderung von Medienkompetenz. Schulen, Ausbildungsbetriebe und Familien sollen dabei eine wichtige Rolle übernehmen.
Von der Analyse zu konkreten Angeboten
Der Gesundheitsatlas soll nicht nur Zahlen liefern, sondern auch als Grundlage für konkrete Maßnahmen dienen. Die AOK Bayern unterstützt bereits verschiedene Gesundheitsprojekte in Ingolstadt und möchte ihre Angebote an den ermittelten Bedürfnissen ausrichten.
Für Schulen gibt es beispielsweise das Programm „Schulranzen fit“, das die Rückengesundheit fördern soll. Weitere Präventionsangebote sind „clevergesund“ und „KLASSE2000“. Mit „#LEVELUP“ und dem Programm „STARK“ für Berufsschulen stehen zudem Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit zur Verfügung.
In der Arbeitswelt unterstützt die AOK Unternehmen mit Arbeitsplatzanalysen, Workshops, Coachings und dem Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Auch die Zusammenarbeit mit der Gesundheitsregionplus Ingolstadt spielt eine Rolle. Dazu gehören unter anderem Angebote zur Männergesundheit mit Vorträgen und Männeryoga sowie Maßnahmen zum Hitzeschutz. So wurden Hitzeschutztafeln am Ingolstädter Freibad und am Baggersee umgesetzt.
Weitere Angebote betreffen die Versorgung chronisch kranker Menschen, etwa durch das Behandlungsprogramm AOK-Curaplan für Diabetes sowie digitale Gesundheitsangebote für Menschen mit Bluthochdruck oder Diabetes. Auch die Pflege und das Thema Demenz werden berücksichtigt.
Gesundheitsförderung gezielter planen
Mit dem GesundheitsatlasPRO erhalten Kommunen ein Instrument, um gesundheitliche Entwicklungen über längere Zeiträume zu beobachten und Maßnahmen gezielter zu planen. Die Daten können beispielsweise zeigen, welche Altersgruppen besonders betroffen sind und bei welchen Erkrankungen ein erhöhter Präventionsbedarf besteht.
Für Ingolstadt zeichnen sich vor allem drei Handlungsfelder ab: mehr Bewegung und Rückengesundheit, die Vorbeugung von Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen sowie die Förderung der psychischen Gesundheit. Ziel ist es, gesundheitliche Probleme möglichst früh zu verhindern und den Menschen mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen.
