Stadt, Audi, Uniper und weitere Partner wollen industrielle Abwärme besser nutzen und das Fernwärmenetz möglicherweise ausbauen.
Wie kann Ingolstadt künftig sicher, bezahlbar und umweltfreundlich mit Energie versorgt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich künftig sechs starke Partner aus Stadt, Industrie und Energieversorgung. Am Donnerstag, 8. Oktober, unterzeichneten Vertreter der Stadt Ingolstadt, der IFG Ingolstadt, der AUDI AG, der IN-Campus GmbH, der Uniper Kraftwerke GmbH und der Stadtwerke Ingolstadt im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses eine gemeinsame Absichtserklärung. Unter dem Projektnamen „Energieversorgung 2.0“ wollen sie neue Möglichkeiten für die Strom- und Wärmeversorgung in Ingolstadt und der Region untersuchen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der besseren Nutzung industrieller Abwärme. Dabei soll unter anderem geprüft werden, ob sich zusätzliche Wärme am Standort des Uniper-Kraftwerks in Großmehring erschließen und in das bestehende Fernwärmenetz einspeisen lässt. Auch ein möglicher Ausbau des Fernwärmenetzes einschließlich einer Querung der Donau steht auf der Agenda. Darüber hinaus wollen die Partner weitere Entwicklungsmöglichkeiten rund um das IN-Campus-Areal untersuchen.
Gemeinsam Lösungen für die Zukunft entwickeln
Oberbürgermeister Dr. Michael Kern betonte bei der Unterzeichnung die Bedeutung einer langfristig gesicherten Energieversorgung für Bürger und Unternehmen. „Eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung ist eine entscheidende Voraussetzung für die Lebensqualität in unserer Stadt und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts“, erklärte Kern. Deshalb sei es wichtig, vorhandene Potenziale bestmöglich zu nutzen und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.
Mit der Vereinbarung bringen Stadt, Industrie und Energieversorger ihre jeweiligen Kompetenzen zusammen. Kern bezeichnete die Unterzeichnung als Start eines strukturierten und ergebnisoffenen Prüfungsprozesses. Die Zusammenarbeit solle technologieoffen, wirtschaftlich vernünftig und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen erfolgen. Dabei verwies der Oberbürgermeister auch auf die komplexen regulatorischen Anforderungen in Deutschland.
Noch keine Entscheidung über konkrete Bauprojekte
Die Absichtserklärung ist zunächst eine Grundlage für weitere Untersuchungen und noch keine Entscheidung über konkrete Investitionen oder Baumaßnahmen. In den kommenden Monaten wollen die Partner prüfen, welche Vorhaben technisch machbar, wirtschaftlich tragfähig und rechtlich zulässig sind. Erst auf dieser Grundlage können Entscheidungen über mögliche Projekte getroffen werden.
Für Ingolstadt könnte insbesondere die stärkere Nutzung industrieller Abwärme eine wichtige Rolle spielen. Wärme, die bei industriellen Prozessen entsteht und bislang nicht vollständig genutzt wird, könnte künftig zur Versorgung weiterer Gebäude beitragen. Ob dies tatsächlich möglich ist und in welchem Umfang zusätzliche Haushalte oder Unternehmen davon profitieren könnten, müssen die Untersuchungen erst zeigen.
Mit „Energieversorgung 2.0“ wollen die sechs Partner die Voraussetzungen schaffen, um die Energie- und Wärmewende in Ingolstadt langfristig voranzubringen. Zugleich soll eine zukunftsfähige Energieinfrastruktur die Attraktivität der Region als Wirtschafts- und Industriestandort stärken.
Für die Bürger könnte die Zusammenarbeit langfristig Vorteile bringen. Sollte das Fernwärmenetz erweitert werden, könnten künftig weitere Wohngebiete und Unternehmen mit Fernwärme versorgt werden. Die Nutzung industrieller Abwärme könnte zudem dazu beitragen, fossile Energieträger einzusparen und die Wärmeversorgung umweltfreundlicher zu gestalten. Ob sich daraus auch finanzielle Vorteile für die Verbraucher ergeben, ist derzeit noch offen. Entscheidend wird sein, welche Lösungen technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll sind.
