Ein großes Schild, eine klare Regelung. Doch in Ingolstadts verkehrsberuhigter Altstadt scheint so mancher Autofahrer seine ganz eigene Straßenverkehrsordnung zu kennen.
Es gibt Schilder, die übersieht man leicht. Und dann gibt es Schilder, die sind so groß, dass man sie eigentlich gar nicht übersehen kann. Sollte man meinen.
An der Einfahrt von der Donaustraße in Richtung Schutterstraße hängt so ein Exemplar. Unübersehbar prangt darauf: „Verkehrsberuhigte Altstadt“. Darunter das bekannte rote Einfahrt-verboten-Schild. Frei sind Linienbusse, Taxen, Radfahrer und E-Scooter.
Eigentlich eine klare Ansage. Eigentlich.
Denn wer hier mit dem Fahrrad unterwegs ist, könnte gelegentlich glauben, er habe die Verkehrsregeln falsch verstanden. Da wird man von Autos überholt, da wird abgebogen, durchgefahren und munter seine Runde gedreht.
Und während man selbst brav in die Pedale tritt, fragt man sich: Was macht das Auto eigentlich hier?
Vielleicht ist das Schild einfach zu hoch angebracht. Vielleicht schaut der moderne Autofahrer grundsätzlich nur noch aufs Navi.
Und wenn das freundlich verkündet „In 50 Metern rechts abbiegen“, dann wird eben rechts abgebogen. Was interessiert da schon ein überdimensionales Verkehrszeichen?
Möglicherweise wird das rote Einfahrt-verboten-Schild auch als unverbindliche Empfehlung verstanden. So nach dem Motto: Schön, dass ihr darauf hinweist, aber ich muss da jetzt trotzdem durch.
Man könnte natürlich einwenden, dass Verkehrszeichen nicht zur Verschönerung des Stadtbildes aufgestellt werden.
Und dass „frei“ eben nicht bedeutet, dass sich jeder frei aussuchen darf, ob er sich angesprochen fühlt.
Aber vielleicht unterschätzen wir auch einfach die Kreativität mancher Verkehrsteilnehmer.
Bleibt nur die Frage: Hängt das Schild tatsächlich zu hoch – oder liegt die Hemmschwelle, es zu ignorieren, inzwischen einfach zu niedrig?
