Offensive für Fassadenbegrünung
Im integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Ingolstadt von 2022 wurde ein Förderprogramm vorgeschlagen. Danach sollten ab 2024 Maßnahmen zur Dach- und Fassadenbegrünung gefördert werden, um Dachbesitzer*innen ein Anreiz zu bieten.
Dieses Förderprogramm gibt es bislang zwar nicht. „Aber die Grüne Fraktion sieht die Stadt Ingolstadt in der Pflicht, ihre Bürgerinnen und Bürger zu schützen und trotz massiver Haushaltskrise in Hitzeschutzmaßnahmen zumindest bei städtischen Gebäuden zu investieren“, sagt die Grünen Stadträtin Agnes Krumwiede.
Die Fassadenbegrünung ist dabei vergleichsweise kostengünstig und darüber hinaus auch sehr effektiv, da sie wie eine natürliche Klimaanlage funktioniert. Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten lassen sich die Temperaturen der Fassaden deutlich senken und damit auch die Temperaturen in Innenräumen. Es ist eine wirksame Klimaanpassungsmaßnahme – und lockert das Stadtbild auf.
Deshalb hat die Grüne Fraktion heute den Antrag gestellt, eine Offensive für Fassadenbegrünung zu starten.
Antrag an den OB Dr.Michael Kern:
Hitzeschutzmaßnahme: Fassadenbegrünungsoffensive für Ingolstadt
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
aus einer Vielzahl von Klimaanpassungs- und Hitzeschutzmaßnahmen gehört die Fassadenbegrünung zu den effektivsten und vergleichsweise kostengünstigsten. Pflanzen können bis zu 80 % der Sonnenstrahlung abfangen. Ganz ohne Klimaanlage wird die gefühlte Temperatur gesenkt, die Luft verbessert und die Lebensqualität erhöht. Pflanzen geben über ihre Blätter Wasser ab – dabei wird der Umgebung Wärme entzogen. Diese Verdunstungskühlung wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zufolge kann Fassadenbegrünung die Wandtemperatur sogar um bis zu 15° C senken. Zudem verbessern begrünte Fassaden das Stadtbild. Sie bringen lebendiges Grün in dicht bebaute Quartiere. Aufgrund dieser positiven Effekte unterstützen viele Kommunen grüne Fassaden mit Förderprogrammen. Die Stadt Bonn beispielsweise fördert die Begrünung von Fassaden sowohl bei privaten Haushalten als auch bei Unternehmen. Maximal 50 % der Kosten, höchstens 10.000 Euro pro Gebäude, werden von der Stadt übernommen.
Die Stadt hat eine Vorbildfunktion beim Hitzeschutz und ist verantwortlich für die Gesundheit aller, die sich in städtischen Gebäuden aufhalten. Auch im Klimaanpassungskonzept für die Stadt Ingolstadt (2024) wird die „konkrete Umsetzung von mehr urbaner Wildnis im Stadtraum“ sowie die „Implementierung von Gebäudebegrünungen an städtischen Gebäuden“ als Klimaanpassungsmaßnahme genannt.
Wir beantragen daher
- zu prüfen, an welchen städtischen Gebäuden Fassadenbegrünung umgesetzt werden kann,
- diese Maßnahme an den ausgewählten städtischen Gebäuden im nächsten Haushalt als unabweisbar einzuplanen,
- die GWG zu beauftragen, Fassadenbegrünung bei allen zukünftigen Projekten der GWG mit einzuplanen bzw. dies dem Aufsichtsrat zur Entscheidung vorzulegen,
- ein Förderprogramm „Fassadenbegrünungsoffensive für Ingolstadt“ aufzulegen, bei dem eine festzulegende Summe pro Gebäude privater Haushalte oder privater Unternehmen für Fassadenbegrünung mit selbstklimmenden Pflanzen durch die Stadt gefördert werden,
- Fördermöglichkeiten für die genannten Maßnahmen beispielsweise auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu prüfen und ggf. zu beantragen.
Begründung:
Im integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Ingolstadt aus dem Jahr 2022 wurde unter Maßnahme 6.1.6 „Attraktivitätsprogramm Fassaden- und Dachbegrünung“ ein entsprechendes städtisches Förderprogramm vorgeschlagen. Ab 2024 sollten demzufolge „wie in den Städten Nürnberg und München Maßnahmen zur Dach- und Fassadenbegrünung über ein städtisches Programm gefördert werden, um Dachbesitzer/-innen einen Anreiz zu bieten“. Hierfür sollten ab 2024 jährlich Fördermittel in Höhe von 50.000 € zur Verfügung gestellt werden. Ein eigenständiges Förderprogramm für die private Dach- und/oder Fassadenbegrünung gibt es bislang in Ingolstadt – im Unterschied zu zahlreichen anderen deutschen Großstädten – jedoch nicht. Investitionen in Hitzeschutzmaßnahmen für Ingolstädter Bürgerinnen und Bürger müssen trotz Sparzwängen zu den unabweisbaren Ausgaben zählen. Die Fassadenbegrünung mit sogenannten Selbstklimmern wie z.B. Wilder Wein („Veitchii“) oder Efeu (nur bei intaktem Mauerwerk) ist gegenüber der Möglichkeit von zusätzlichen Rankgerüsten die wirtschaftlichste Lösung.
Mit freundlichen Grüßen
Agnes Krumwiede
Barbara Leininger (Fraktionsvorsitzende), Dr. Christoph Spaeth (Fraktionsvorsitzender), Nathalie Argus, Petra Kleine, Maria Segerer
BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN
Stadtratsfraktion
Pressestelle BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN
