Ansprechpersonen bieten Unterstützung bei Veranstaltungen und im Nachtleben
Auf immer mehr Veranstaltungen und Festen sind sie zu sehen: Awareness-Teams. Mit ihren auffälligen Westen sind sie gut erkennbar und für Besucherinnen und Besucher direkt ansprechbar. Häufig gehört auch ein geschützter Rückzugsort – ein sogenannter Safe Place oder Safe Space – zu ihrem Angebot. Dort können Menschen zur Ruhe kommen und bei Bedarf weitere Unterstützung erhalten.
Awareness-Teams bestehen aus geschulten Personen, die insbesondere bei Veranstaltungen, Festivals oder im Nachtleben ansprechbar sind, wenn Menschen Diskriminierung, grenzüberschreitendes Verhalten oder sexualisierte Gewalt erleben. Sie bieten Unterstützung, hören zu und stehen auf der Seite der betroffenen Person. Viele Awareness-Teams arbeiten dabei ehrenamtlich.
Die städtische Gleichstellungsbeauftragte und Verantwortliche für die Antidiskriminierungsstelle, Barbara Deimel, begrüßt das Engagement der verschiedenen Akteurinnen und Akteure: „Awareness bedeutet für mich, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Menschen sollen Veranstaltungen besuchen und feiern können, ohne Angst vor Diskriminierung, Belästigung oder Gewalt haben zu müssen. Deshalb ist es wichtig, dass es vor Ort Ansprechpersonen gibt, die hinschauen, zuhören und Unterstützung anbieten.“
Um die verschiedenen Angebote in Ingolstadt besser miteinander zu vernetzen und den Erfahrungsaustausch zu fördern, hat Deimel ein erstes Treffen der örtlichen Awareness-Akteurinnen und Akteure initiiert. Kürzlich kamen Verantwortliche des FC Ingolstadt, der Johanniter, des städtischen Ordnungsamtes und des städtischen Kulturamtes mit der Gleichstellungsbeauftragten zusammen.
Erfahrungen aus der Praxis
Franziska Knopp und Franziska Maier vom FC Ingolstadt 04 berichten: „Mit unserem Awareness-Konzept PANAMA möchten wir im Audi Sportpark eine weitere niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen schaffen, die sich unwohl fühlen, Diskriminierung oder grenzüberschreitendes Verhalten erleben oder Unterstützung benötigen. Besonders wichtig ist uns, dass die betroffene Person und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und selbst entscheiden kann, welche Unterstützung sie in Anspruch nehmen möchte. Awareness verstehen wir dabei als wichtigen Bestandteil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts. Gleichzeitig ist der Austausch mit anderen Akteuren in Ingolstadt für uns sehr wertvoll, um Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und das Thema gemeinsam weiterzuentwickeln.“
Auch die Johanniter engagieren sich im Bereich Awareness und bieten bei den Volksfesten einen Safe Place an. Sven Müller von den Johannitern betont die Neutralität und Unabhängigkeit der Johanniter, er sagt: „Die Erfahrungen des ersten Safe Place am Ingolstädter Pfingstvolksfest zeigen, dass unsere Idee eines niederschwelligen Angebots gut funktioniert. Die im August abgehaltene Ausbildung unserer Helfenden, zusammen mit Gästen des Kulturamts, des FC Ingolstadt 04 und weiteren Johanniterverbänden hat unter anderem auf diesen Erfahrungen aufgebaut und soll vor allem dazu führen, dass wir in Ingolstadt ein verbindliches Konzept etablieren können.“
Der Austausch zeigt: Awareness-Arbeit kann ganz unterschiedlich aussehen und an die jeweiligen Veranstaltungen angepasst werden. Entscheidend ist, dass Hilfsangebote sichtbar und niedrigschwellig zugänglich sind.
Was sind die Aufgaben eines Awareness-Teams?
Awareness-Teams sind für Menschen da, die sich unwohl fühlen, Hilfe benötigen oder eine Situation als grenzüberschreitend erleben. Sie sind direkt ansprechbar, hören zu und bieten Schutz und Unterstützung. Dabei bewerten oder beurteilen sie die betroffene Person und ihre Wahrnehmung nicht, sondern nehmen ihre Anliegen ernst und klären gemeinsam, welche Hilfe benötigt wird.
Awareness-Teams verstehen sich dabei ausdrücklich nicht als „Partypolizei“ oder klassischer Sicherheitsdienst. Wenn es die Situation erfordert, können sie jedoch den Sicherheitsdienst oder die Polizei hinzuziehen.
Auf Veranstaltungen sind die Teams sichtbar und achten auf Situationen, in denen Menschen möglicherweise Unterstützung benötigen. Durch ihre Präsenz sollen Hemmschwellen gesenkt und Betroffene ermutigt werden, sich frühzeitig Hilfe zu holen.
Auch auf Bundesebene wird Awareness-Arbeit als wichtiger Bestandteil von Prävention und Antidiskriminierungsarbeit bei Veranstaltungen gesehen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördern entsprechende Projekte in den Bereichen Awareness, Antidiskriminierung und Gewaltprävention.
Safe Places: Schutz und Rückzug
Ein wichtiger Bestandteil von Awareness-Konzepten kann ein Safe Place beziehungsweise Safe Space sein. Dabei handelt es sich um einen abgegrenzten und möglichst ruhigen Bereich, in den sich Menschen zurückziehen können. Dort können sie zunächst zur Ruhe kommen und gemeinsam mit den Awareness-Mitarbeitenden klären, welche weitere Unterstützung notwendig ist.
Auch beim Ingolstädter Herbstvolksfest gibt es ein entsprechendes Angebot. Die Johanniter stellen neuerdings dort einen Safe Place zur Verfügung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und geschützten Veranstaltungsumfeld.
Darüber hinaus engagiert sich die städtische Gleichstellungsstelle seit fast zehn Jahren für mehr Sicherheit auf Volksfesten und städtischen Veranstaltungen. Mit der Plakataktion „Spaß haben – sicher feiern“ informiert sie über Möglichkeiten, sich selbst und andere zu schützen, und wirbt für gegenseitige Aufmerksamkeit und Solidarität.
Gemeinsam für mehr Sicherheit
Für die Beteiligten steht fest: Awareness-Teams, Präventionsarbeit und Safe Places können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Diskriminierung und Gewalt auf Veranstaltungen entgegenzuwirken. Sichtbare Ansprechpersonen und niedrigschwellige Hilfsangebote schaffen Orientierung und vermitteln Betroffenen: Du bist nicht allein – Hilfe ist da.
Gleichzeitig wirkt die Präsenz von Awareness-Teams präventiv. Sie erhöht die Aufmerksamkeit für grenzüberschreitendes Verhalten und kann dazu beitragen, dass potenzielle Täterinnen und Täter weniger ungestörte Räume und Gelegenheiten vorfinden.
Gleichstellungsbeauftragte Barbara Deimel betont: „Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir wollen nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern bereits im Vorfeld Strukturen schaffen, die Schutz bieten, sensibilisieren und Menschen ermutigen, hinzuschauen. Die Vernetzung der verschiedenen Awareness-Angebote in Ingolstadt ist dafür ein wichtiger Schritt.“
Pressestelle Stadt Ingolstadt

