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Zwischen Bio und Bioterror

Im Oktober 2001 liegen Hoffnung und Hysterie erstaunlich dicht beieinander

Ingolstadt

Ingolstadt wirkt im Oktober 2001 wie eine Stadt zwischen Aufbruch und Dauerbaustelle. Die Konrad-Adenauer-Brücke wird seit Juli erneuert, weil der alte Überbau dem Verkehr nicht mehr gewachsen ist. Der Bund Naturschutz feiert 25 Jahre Engagement, Hubert Weinzierl fordert, den „Krieg gegen die Schöpfung“ zu beenden.

Die Grabmalverordnung soll einfacher werden, Friedhöfe aber grüne Orte der Ruhe bleiben. Die Gnadenthaler Franziskanerinnen feiern 725 Jahre Klostergeschichte. Schon König Ludwig I. legte ihnen den Unterricht für Mädchen nahe – ein Weg bis zum heutigen Gymnasium. Das sanierte Gebäude „Am Kreuztor“ startet als Studentenwohnheim mit 38 Wohnplätzen.

Landkreis Eichstätt

In Gaimersheim und Stammham wird die alte Obstvielfalt zum Star. Jeweils mehr als 100 Apfel- und Birnensorten zeigen in zwei Ausstellungen, dass Regionalität nicht erst mit Bio-Siegeln erfunden wurde. Alte Sorten sind an Böden und Klima angepasst – vielleicht robuster als manche Moden des Lebensmittelhandels.

Im Landkreis verbreitet von Terror-Trittbrettfahrern ausgestreutes Backpulver als scheinbarer chemischer Kampfstoff in Gebäuden für Aufregung. Vertreter des Roten Kreuzes beklagen beim Katastrophenschutz beinahe museumsreife Fahrzeuge und Ausstattung.

Landkreis Neuburg-Schrobenhausen

In Neuburg wird die neue Feuerwehrzentrale eingeweiht. Für 5,5 Millionen Mark wurde aufgestockt und modernisiert. Katastrophenschutz bekommt damit plötzlich eine sehr konkrete Adresse.

Landkreis Pfaffenhofen

Pfaffenhofen wird Modellkommune für das bayerische Flächenressourcen-Management. Das Ziel klingt erstaunlich aktuell: Baulücken nutzen, bevor erneut Landschaft am Ortsrand verschwindet.

Bayern und Deutschland

In München fällt die Entscheidung für das neue Stadion in Fröttmaning. 800 Millionen Mark sind veranschlagt, Uli Hoeneß verspricht das „schönste Stadion der Welt“. Schön wurde es – billig war es nicht. In Augsburg öffnet nach zehn Millionen Euro Sanierung im Beisein von Ministerpräsident Edmund Stoiber die Puppenkiste wieder.

Deutschland diskutiert über Sicherheit. Nach der Vergewaltigung eines Mädchens an einer Münchner Schule werden Videokameras und Begleitung auf Schultoiletten gefordert.

Nach den Anschlägen in den USA wird die Rasterfahndung eingesetzt. Gleichzeitig häufen sich auch bundesweit falsche Milzbrandalarme. Die Deutsche Post kündigt Schadenersatzforderungen gegen Personen an, die Backpulver versenden; der Bund wiederum erklärt, Antibiotika seien ausreichend bevorratet.

KarstadtQuelle plant mit Starbucks langfristig 1500 Cafés. Heute gibt es rund 179 Standorte – das Versprechen von damals blieb deutlich größer als die Realität.

Deutschland verfällt der Internetsucht: Über 800.000 Nutzer gelten als gefährdet, manche verbringen 34 Stunden pro Woche online. Damals saß man am Rechner – heute trägt man das Internet in der Hosentasche.

Bio gilt als Zukunft: Um die Jahrtausendwende entstehen in Deutschland etwa 60 bis 100 Bio-Supermärkte; heute sind es knapp 2000 Bioläden und Bio-Supermärkte zusammen.

Europa und die Welt

Dann der 24. Oktober: Zwei Lastwagen kollidieren im Gotthard-Straßentunnel, elf Menschen sterben. Der Tunnel bleibt bis kurz vor Weihnachten gesperrt. Europa diskutiert über die Sicherheit einröhriger Tunnel.

In den USA löst die Angst vor Anthrax eine zweite Panikwelle aus: Echte Anschläge treffen Poststellen, Gasmasken sind ausverkauft, sogar Notfallschirme für Manager finden Käufer. Terror wird damit nicht nur zur Gefahr, sondern zum Geschäftsmodell der Angst.

Syriens Präsident Assad als Kämpfer für Freiheit? Das hat heute nach seinem Versprechen gegenüber Außenminister Joschka Fischer fast Satirequalitäten. Sydney zieht nach den Olympischen Spielen Bilanz: Der erhoffte touristische Boom bleibt aus.

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