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Schleifmühle in der Warteschleife

Leserbrief von Willy Heckl – Kneippverein Ingolstadt e.V.

„Ich bin enttäuscht: Beim Schleifmühlplatz wird wieder nur geredet“

Die Diskussion um den Schleifmühlplatz ist nicht neu. Das Verkehrsexperiment hat gezeigt, dass Veränderungen grundsätzlich auf Zustimmung stoßen können. Gleichzeitig wird eine dauerhafte Umgestaltung derzeit vor allem mit den fehlenden finanziellen Möglichkeiten der Stadt begründet.

Für mich stellt sich deshalb die Frage: Wie lange wollen wir noch über die Zukunft des Schleifmühlplatzes reden, statt konkrete Schritte einzuleiten?

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in deutschen Städten längst spürbar. Hitzetage, Tropennächte und längere Hitzeperioden stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen. Gerade stark versiegelte Innenstadtbereiche heizen sich besonders auf. Der Schleifmühlplatz ist dafür ein deutliches Beispiel: viel Pflaster, viele parkende Autos und wenig Grün.

Dabei ist die Problematik seit Jahrzehnten bekannt. Die Themen Klimaanpassung, Entsiegelung, Begrünung und Schwammstadt finden sich in zahlreichen Konzepten und Planungen der Stadt wieder. Auch der Schleifmühlplatz wurde bereits mehrfach als möglicher Ansatzpunkt für eine andere Gestaltung genannt.

Doch was passiert tatsächlich?

Den Charme einer Stadt machen ihre Plätze aus.

Paradeplatz – Steinwüste
Fußgängerzone – Steinwüste
MKKD – Steinwüste
Maritimhotel – Steinwüste
THI – Steinwüste
Schleifmühlplatz – Blechwüste

Natürlich braucht eine Innenstadt Verkehrsflächen und Parkmöglichkeiten. Aber muss deshalb jeder zentrale Platz überwiegend aus Beton, Pflaster und parkenden Autos bestehen?

Gerade der Schleifmühlplatz könnte zeigen, dass Stadtentwicklung auch anders funktionieren kann. Weniger versiegelte Fläche, mehr Bäume und Sträucher, Schatten, Sitzmöglichkeiten und ein durchdachtes Regenwassermanagement würden nicht nur das Stadtklima verbessern. Auch die Aufenthaltsqualität könnte deutlich steigen.

Warum also nicht einen Schritt weiterdenken?

Der Kneippverein hat deshalb die Idee eines Kneippgartens am Schleifmühlplatz entwickelt. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, sämtliche Parkplätze ersatzlos zu streichen. Vielmehr geht es um eine ausgewogene Entwicklung des Platzes und darum, unterschiedliche Interessen miteinander zu verbinden.

Ein solcher Ort könnte mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen.

Wasser könnte dabei das Herzstück bilden. Ein Kneippbecken wäre an heißen Sommertagen eine Möglichkeit zur Abkühlung. Gleichzeitig ließe sich damit die Geschichte der Schutter am Schleifmühlplatz wieder stärker sichtbar machen.

Heilpflanzen könnten mit Kräuterbeeten einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und gleichzeitig Wissen über traditionelle Naturheilkunde vermitteln.

Bewegung könnte durch einen Barfußweg oder kleine Bewegungsangebote integriert werden. Schattige Wege und Sitzmöglichkeiten würden den Platz für Menschen unterschiedlichen Alters attraktiver machen.

Auch gesunde Ernährung ließe sich beispielsweise durch Hochbeete, Obststräucher oder einen kleinen Urban-Gardening-Bereich aufgreifen.

Und schließlich die fünfte Säule der Kneippschen Gesundheitslehre: die Lebensordnung. Ein grüner, ruhiger Aufenthaltsort mit Sitzgelegenheiten, Pflanzen und Wasser könnte mitten in der Stadt einen Raum schaffen, an dem Menschen zur Ruhe kommen und sich begegnen.

Damit wäre ein Kneippgarten weit mehr als eine Grünfläche. Er könnte Gesundheitsförderung, Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und Stadtgeschichte miteinander verbinden.

Natürlich kostet eine solche Umgestaltung Geld. Aber auch Nichtstun ist nicht kostenlos. Wenn Städte auf zunehmende Hitze, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels reagieren müssen, werden klimaangepasste öffentliche Räume ohnehin wichtiger.

Die fachlichen Grundlagen dafür sind vorhanden. Es gibt Konzepte, Untersuchungen und Erfahrungen. Was fehlt, ist aus meiner Sicht vor allem der Mut, aus diesen Erkenntnissen auch konkrete Projekte entstehen zu lassen.

Der Schleifmühlplatz könnte ein solcher Ort sein.

Ein Platz, der heute vor allem von Versiegelung und parkenden Autos geprägt ist, könnte zu einem grünen Gesundheits- und Begegnungsraum werden. Ein Ort, an dem Menschen sitzen, sich bewegen, sich abkühlen und miteinander ins Gespräch kommen.

Der Kneippverein versteht seinen Vorschlag deshalb ausdrücklich als Einladung zum Dialog.

Es geht nicht um ein „Alles oder nichts“. Es geht darum, darüber zu sprechen, wie wir unsere Innenstadt angesichts des Klimawandels künftig gestalten wollen.

Denn wenn wir seit Jahrzehnten wissen, was sich verändern muss, reicht es irgendwann nicht mehr, neue Konzepte zu schreiben. Dann muss auch etwas passieren.

Und genau deshalb bin ich enttäuscht: Beim Schleifmühlplatz wird wieder geredet. Jetzt wäre es Zeit zu handeln.

Foto: KI-Schleifmühlplatz naturnah

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