Was passiert, wenn dort, wo sonst Autos stehen, plötzlich Menschen Platz nehmen? Beim Parking Day in der Harderstraße wurde genau das für einige Stunden ausprobiert. Mehrere Stellplätze wurden zu kleinen Treffpunkten, Spielorten und Aufenthaltsräumen. Es wurde Schach gespielt, gemalt, gebastelt, Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Und ganz nebenbei ging es um eine größere Frage: Wie viel Platz braucht das Auto – und wie viel der Mensch – in einer Innenstadt?
Für einige Stunden bot die Harderstraße am Freitag ein ungewohntes Bild. Wo normalerweise mehrere Fahrzeuge abgestellt werden, standen Tische und Stühle. Menschen kamen miteinander ins Gespräch, Kinder und Erwachsene konnten kreativ werden, andere setzten sich zu einer Partie Schach zusammen oder blieben einfach bei Kaffee und Kuchen sitzen.
Am Parking Day beteiligten sich unter anderem die Grüne Jugend, Ingolstadt ist bunt, der Bund Naturschutz, Omas gegen Rechts, die Bürgerlobby Klimaschutz sowie die Kunst- und Kulturbastei von Beate Diao. Auch das Thema Carsharing war vertreten.
Parkfläche oder Lebensraum?
Hinter dem bunten Treiben steckte eine durchaus ernsthafte Frage: Wem gehört der begrenzte öffentliche Raum einer Stadt – und wie soll er künftig genutzt werden?
Eva Bulling-Schröter von der Linken sprach von einer „niederschwelligen Diskussion“ über die Zukunft der Stadt. Es gehe darum, mehr Ruhe und Entschleunigung zu ermöglichen. Dabei spielten für sie auch Gesundheit und Kommunikation eine Rolle – bis hin zur Frage, was Begegnungsräume gegen Einsamkeit bewirken können.
Merlin Nagel von Bündnis 90/Die Grünen formulierte das Anliegen des Organisationsteams so: „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man mit Parkplätzen auch so viel Schöneres machen kann, dass man da Platz für Fahrräder, für Bänke, für Menschen schaffen kann.“
Der Parking Day wollte diese Vorstellung nicht nur diskutieren, sondern für einige Stunden sichtbar machen. Mehrere Stellplätze wurden zu einer kleinen Aufenthalts- und Begegnungsfläche, auf der Menschen gleichzeitig sitzen, spielen oder miteinander reden konnten.
Auch Anwohner mischten sich ein
Interessant waren dabei die Gespräche mit Menschen, die nicht als Vertreter einer Organisation gekommen waren. Ein Bewohner des Schleifmühlplatzes schaute interessiert vorbei und sagte im Gespräch mit IN-direkt, er könne die Debatte um Parkplätze in der Innenstadt nicht nachvollziehen. Rund um die Innenstadt gebe es seiner Ansicht nach genügend Parkmöglichkeiten, von dort seien die Ziele gut zu Fuß erreichbar.
Auch die Verkehrsberuhigung im Bereich des Reuchlin-Gymnasiums wurde zum Thema. Ein Anwohner und Eigentümer vom Oberen Graben sprach sich dafür aus, die dortige Regelung beizubehalten. Nach seinen Angaben wünschen sich insgesamt einige Eigentümer aus diesem Bereich, dass die Verkehrsberuhigung bestehen bleibt.
Eine Carsharing-Initiative brachte noch einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein. Sie verwies auf entsprechende Angebote in Pfaffenhofen und sieht Carsharing auch für Ingolstadt als mögliche Alternative beziehungsweise Ergänzung zum eigenen Auto.
Für ein paar Stunden sah die Straße anders aus
Natürlich beantwortet ein Parking Day nicht die Frage, wie der Verkehr einer ganzen Stadt künftig organisiert werden soll. Lieferverkehr, Anwohner, Handel, Besucher und Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, gehören ebenso zur Innenstadt wie Fußgänger und Radfahrer.
Aber die Aktion in der Harderstraße machte etwas sichtbar, das im Alltag leicht übersehen wird: Parkplätze sind zunächst einmal öffentlicher Raum. Und wie dieser Raum genutzt wird, ist eine Entscheidung.
Am Freitag fiel diese Entscheidung für einige Stunden anders aus als gewöhnlich. Statt Blech standen dort Stühle. Statt ein- und auszuparken wurde geredet, gespielt und gelacht.
Und vielleicht war genau das die eigentliche Idee des Parking Days: nicht zu zeigen, wie eine Stadt ohne Autos aussehen muss – sondern wie sie aussehen könnte, wenn an manchen Stellen etwas mehr Platz für Menschen wäre.













