Glosse – Leben am Limit – aber mit Porzellan

Wenn schon sparen, dann wenigstens mit weißer Tischdecke und Donaublick.

Ingolstadt muss sparen. Die Zeiten, in denen man sich über prall gefüllte Kassen freuen konnte, sind erst einmal vorbei. Doch wer nun glaubt, auf der Schanz breche deshalb die große Tristesse aus, kennt die Ingolstädter schlecht.

Denn Stil ist bekanntlich keine Frage des Kontostands.

An der Donau hat sich jedenfalls jemand ein Plätzchen geschaffen, das selbst in besseren Zeiten als durchaus standesgemäß durchgegangen wäre: weiße Tischdecke, weiße Stühle, Porzellanteller – und natürlich Kerzen für die passende Atmosphäre. Dazu ein Donaublick, für den andernorts vermutlich ein ordentlicher Aufpreis verlangt würde.

Zugegeben, beim Service gibt es noch Luft nach oben. Keine Bedienung weit und breit, die Speisekarte fehlt und auf den Tellern herrscht eine gewisse kulinarische Zurückhaltung.

Vielleicht wurde beim Menü schon gespart.

Bei der Ausstattung jedenfalls nicht.

Wer hier dinieren wollte und wie die festliche Tafel überhaupt ans Donauufer gekommen ist, wissen wir nicht. Aber eines muss man den unbekannten Gastgebern lassen: An der Lage wurde ebenfalls nicht gespart.

Vielleicht ist das ja das neue Ingolstädter Lebensgefühl: Der Gürtel wird enger geschnallt, aber zum Essen wird weiterhin Porzellan aufgelegt. Und wenn es dunkel wird, stehen sogar die Kerzen schon bereit.

Während also andernorts über Haushaltslöcher, Einsparungen und knappe Kassen gesprochen wird, lässt es sich hier zumindest theoretisch in erster Reihe dinieren und der Donau beim Vorbeiziehen zuschauen.

Man kann schließlich an vielem sparen. Am Ambiente muss es ja nicht gleich sein.

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