Für viele gehört der Flohmarkt zum Sonntag einfach dazu. Vom legendären Schutterhof bis zu den großen Märkten von heute hat sich allerdings einiges verändert. Geblieben ist die Lust am Stöbern, Feilschen und Finden.
Sonntagmorgen in Ingolstadt. Während die einen noch gemütlich frühstücken, sind andere längst unterwegs. Ihr Ziel: der Flohmarkt. Für viele gehört das Stöbern am Sonntag einfach dazu. Das war schon vor Jahrzehnten so – auch wenn der Flohmarkt damals noch ein ganz anderer war.
Wer sich an die Ingolstädter Flohmärkte der 70er- und 80er-Jahre erinnert, denkt an Kisten voller Krimskrams, alte Schallplatten, Bücher, Geschirr, Spielzeug, Werkzeug und so manches kuriose Stück.
Einer dieser besonderen Orte war der Schutterhof. Dort fand nach Angaben des Fördervereins Bayerische Landesfestung sogar Ingolstadts erster Flohmarkt statt. Ich kann mich selbst noch gut daran erinnern, denn ich war dort immer wieder unterwegs.
Und das waren Flohmärkte, wie man sie heute noch im Kopf hat: Kisten voller Krimskrams, alte Bücher und Schallplatten, Geschirr, Spielzeug, Werkzeug, Lampen und Dinge, bei denen wahrscheinlich selbst der Verkäufer nicht mehr so genau wusste, woher sie eigentlich stammten.



Man ging nicht unbedingt auf den Flohmarkt, weil man etwas brauchte. Man ging hin, weil man nicht wusste, was man finden würde.
Genau darin lag der Reiz.
Man wühlte in einer Kiste, ging drei Stände weiter, kam wieder zurück und begann zu handeln. Ein paar Mark zu viel, ein paar Mark zu wenig – irgendwie wurde man sich meistens einig. Und manchmal schleppte man am Ende etwas nach Hause, von dem man beim Aufstehen am Morgen noch nicht einmal wusste, dass man es unbedingt haben musste.
Vom Trödelmarkt zum Warenhaus?
Flohmärkte gibt es natürlich noch immer – und sie ziehen nach wie vor jede Menge Menschen an. Das zeigen auch die großen Märkte in Ingolstadt.



Nur das Bild hat sich verändert.
Wo früher vor allem das auf den Tisch kam, was Keller, Speicher und Garage hergaben, geht es heute auf manchen großen Märkten deutlich professioneller zu. Ganze Reihen voller Fahrräder, Kleidung, Haushaltswaren und Händler mit umfangreichen Sortimenten. Manchmal fühlt sich der Spaziergang zwischen den Ständen fast an wie der Besuch eines riesigen, mehrstöckigen Warenhauses.
Nur dass es keine Stockwerke gibt.
Und trotzdem wäre es falsch zu behaupten, der gute alte Flohmarkt sei verschwunden. Zwischen all den professionellen Ständen stehen sie noch immer: die Privatleute mit ihren Tapeziertischen, Kleiderstangen, alten Kisten und Dingen, die einfach wegmüssen.
Und genau dort beginnt sie wieder – die Schatzsuche.
Vielleicht steht da die alte Kaffeemühle aus Omas Küche. Eine Schallplatte, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Ein Spielzeug aus der eigenen Kindheit. Oder irgendein völlig unnützes Ding, das plötzlich Erinnerungen weckt.
Und manchmal muss man nicht einmal feilschen.
„Zum Mitnehmen“ steht dann mit Filzstift auf einem Stück Karton. Daneben ein paar Gläser, Tassen, Lampen oder andere Dinge, die für den einen ausgedient haben und beim nächsten vielleicht noch einmal ein zweites Leben bekommen.
Eigentlich ist das Flohmarkt in seiner ursprünglichsten Form: Was der eine nicht mehr braucht, darüber freut sich vielleicht ein anderer.



Die Lust am Suchen ist geblieben
Vielleicht verklärt man die Vergangenheit ein wenig. Natürlich war auch früher nicht jede Kiste voller Schätze und nicht jeder Preis ein Schnäppchen.
Aber eines war anders: Der Zufall spielte eine größere Rolle.
Und vielleicht ist genau dieser Zufall auch der Grund, warum Flohmärkte bis heute funktionieren. Trotz Internet, Kleinanzeigen und Online-Shopping wollen Menschen offenbar immer noch selbst suchen, anfassen, entdecken und handeln.
Denn einen Flohmarkt kann man nicht einfach durchscrollen. Man muss hingehen.
Und wenn man Glück hat, steht irgendwo zwischen Fahrrädern, Kleiderbergen und Haushaltswaren doch wieder diese eine unscheinbare alte Kiste.
Dann ist er plötzlich wieder da – der Flohmarkt von früher.
Wo heute in Ingolstadt gestöbert wird
Wer nach der Geschichte Lust bekommen hat, selbst wieder auf Schatzsuche zu gehen: In Ingolstadt gibt es regelmäßig Flohmärkte.
1. Sonntag im Monat
Thomas Philipps, Manchinger Straße 125 – vielen noch als „Dreyer“ bekannt
2. Sonntag im Monat
Kaufland, Richard-Wagner-Straße 40
3. Sonntag im Monat
Kaufland, Münchener Straße 145
4. Sonntag im Monat
Adler Modemarkt, Bruhnstraße im Gewerbegebiet Manchinger Straße
Flohmarkt auf dem Volksfestplatz, Dreizehnerstraße
Und auch heute gilt: Früh aufstehen lohnt sich. Denn die besten Stücke warten selten bis zum Mittag.
Hinweis: Flohmarkttermine können sich kurzfristig ändern oder ausfallen.
